Per ‚Like Button‘ hinter Gitter

Like button Thailand

Vom Überwachungsstaat zur Gesinnungspolizei ist es offenbar nur ein kleiner Schritt, der einigen Gehirngewaschenen Konformisten sogar als logische Konsequenz erscheint. Vor rund zwei Jahren wurde in Thailand ein mehr als € 9,5 Mio. teures Internet-Überwachungssystem angeschafft. Damit wurde ein Netz geschaffen, in dem man Leute einfangen will, die sich der unter Strafe stehenden lese majeste (Majestätsbeleidigung) im Web schuldig gemacht haben. Nun ist Thailands König aber zweifelsfrei die beliebteste und verehrteste lebende Person im Königreich. Da kann man sich fragen, ob die Jagd nach einer Handvoll verirrter Masochisten, die wegen Kritik an der Monarchie mindestens 5 Jahre in einem Thaiknast, dazu noch mit königstreuen Mithäftlingen riskieren, wirklich verhältnismäßig ist.

Unter Leitung des damaligen Vizepremiers, Chalerm Yubamrung, (der mit den Ohrenproblemen), wurde in Zusammenarbeit zwischen der Technology Crime Suppression Division der Polizei und dem Ministry of Information and Communication Technology, dieses System eingeführt. Der stellvertretende Leiter der Division erklärte damals: „Um Angst abzubauen, möchte ich betonen, dass das System unter Berücksichtigung geltenden Rechts angewandt wird, und von einem Gericht genehmigt werden muss. Es gibt also keine Notwendigkeit, Verletzungen der Rechte zu fürchten „, sagte er.

Police Maj Gen Pisit Pao-inDas erinnert an den alten Spruch: Gestern standen wir am Rand eines Abgrunds, heute sind wir schon einen Schritt weiter! Denn nun haben die Jünger Schwester Zensursulas wieder zugeschlagen. Police Maj Gen Pisit Pao-in,  Kommandeur der Technologie Crime Suppression Division, verteidigte vor der Presse seine Agentur gegen Kritik über ihre Drohung, rechtliche Schritte gegen Facebook-Nutzer, die „like button“ zu bestimmten Nachrichten politischer Natur anklicken. Klingt irgendwie als wurde das in einem Trendbüro der Gedankenpolizei (Stasi 2.0) ausgeheckt.

Was das Computer Crime Act Gesetz sagt:

„Das Strafgesetzbuch und der Computer Crime Act kann gegen Leute, die „like“ und „share“ Buttons auf Facebook-Nachrichten klicken vorgehen, wenn diese von der Polizei als rechtswidrig eingestuft werden“, so der Technologie Crime Suppression Divisionskommandeur.

Auf die Frage, ob „like“ anklicken nun gegen das Gesetz verstößt antwortete er:

Es wird ungesetzlich sein, wenn Sie ‚like‘ zu einer Nachricht klicken, die als schädlich für die nationale Sicherheit angesehen wird. Wenn Sie ‚Gefällt mir‘ drücken, bedeutet dies, Sie akzeptieren diese Botschaft, was gleichbedeutend mit der Unterstützung ist. Auf diese Weise helfen Sie, die Glaubwürdigkeit der Nachricht zu unterstützen und daher sollten Sie auch verantwortlich gemacht werden. Wie das Gesetz (computer crime act) bestimmte Nachrichten politischer Natur definiert, bleibt diffus. Ebenso, wer berechtigt ist, eine gepostete Nachricht als Bedrohung der nationalen Sicherheit zu klassifizieren. Es wäre schon interessant, wer da als Profilstalker und Internetblockwart die Twitternachtsspitzen absaugt.

Hätte der Kim Jong Il der Meinungsfreiheit diese Erklärung auf facebook gepostet, würde ihm das wahrscheinlich mehr Klicks auf den „unlike button“ einbringen, als ein deutscher Spendenaufruf zur Deckung der Anwaltskosten für kriminelle Asylbewerber aus dem Libanon.

Eigentlich ein alter Hut, sollte man meinen...

Eigentlich ein alter Hut, sollte man meinen…

Verklickt und zugenäht! Es ist nicht auszudenken, was ein unbedarfter Internet-User zu durchleben hat, wenn er aus Versehen den falschen Button drückt…

Thaksin facebookThailands aus dem Amt geputschter Ex-Premier Thaksin Shinawatra, dessen Schwester nun das remotegesteuerte Zepter im Land führt und der für diverse Gesetzesverstöße angeklagt und zum Teil rechtmäßig verurteilt wurde, unterhält eine website und postet auf diversen Medien Aufrufe zu Protestveranstaltungen seiner „Redshirts.“ Daß jemand beim Klick auf like buttons seiner website angeklagt wird, scheint ziemlich unwahrscheinlich. Aber vielleicht wird das System ja bald für das Aufspüren nonkonformistischer Klicks auf „unlike buttons“ erweitert.

Nun haben Thailands Polizisten, von denen ohnehin kaum jemand der englischen Sprache mächtig ist, nicht gerade den Ruf, sich bei erfolgreicher Kriminalitätsbekämpfung hervorzutun und schon bei der Verkehrsüberwachung eklatante Schwächen zeigen. Da bleibt einem nur zu hoffen, daß nicht etwa ein Cop mit Kreisligaverstand die Stasileiste mit Anti-Ironie Detektor in Schwung bringt und facebook in Thailand endgültig zur Klowand des Internets wird.

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2 Antworten to “Per ‚Like Button‘ hinter Gitter”

  1. Bevor man im LOS Mäuse drückt, ist es empfehlenswerter, zum Drücken die Toilette aufzusuchen.

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