Sommerliche Durchfallquote nachThai-Food Verzehr

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Es kann schon mal heikel werden, wenn einem im entscheidenden Moment das Papier ausgeht. Aber so muss es wohl gewesen sein, als die Praktikanten in der thailändischen Gesundheitsbehörde eine zu kurz gebratene Liste von 9 Gerichten (die haben es nicht einmal zum „dirty dozen“ geschafft) erstellten, die im Sommer zu gesundheitlichen Risiken führen können. Gemessen an den Hygienestandards der Garküchen und vieler Restaurants, gibt es eigentlich keine Saison für Krankheitserreger im Essen und schon gar keine Beschränkung auf ein paar besondere Gerichte. Wer sich längere Zeit im Land aufgehalten und sich nicht wenigstens eine mittelschwere Lebensmittelvergiftung eingefangen hat, hat sich wohl vornehmlich von TV-Aufbaunahrung (Kartoffelchips etc.) ernährt. Hier gibt es für abenteuerlustige Futtermasochisten Gangnam-Brei ganzjährig, rund um die Uhr. Dagegen sind deutsche Probleme, wie „Pferdischgerichte“, die reinsten Kinderteller.

Sensenmanns Gourmetpfanne

Sensenmanns Gourmetpfanne

Thai-Food-reloaded

Thai-Food-reloaded

Allein zwischen Neujahr und dem 10. März begaben sich 191.515 Ernährungslegastheniker mit akuter siamesischer Analtollwut in ärztliche Behandlung, von denen mindestens eine Person nie wieder nach einem Tipp des Küchenchefs fragen wird.  Die Dunkelziffer dürfte um ein Vielfaches höher liegen. Die Behörde sah sich zur Warnung an Restaurants veranlasst, mehr Hygiene walten zu lassen und forderte die Gäste auf sich die Hände zu waschen. Na, wenn das keine Verbaldiarrhoe ist… Interessant ist, dass die Behörde ausdrücklich nicht den Begriff Lebensmittelvergiftung zur Sprache bringt sondern lediglich von Diarrhoe spricht. Die geht aber meistens mit Kopfschmerzen sehr schmerzhaften Darmkrämpfen, Schüttelfrost und Dehydration einher. In meiner Soi gibt es Garküchen von Feinkostterroristen deren Wände mit zentimeterdickem, verkrustetem, schwarzen Schleim dekoriert sind. Rohes Fleisch und Fisch, oder die bei Thais so beliebten Innereien, werden als „Schlachtplatte Freddy Krüger“ bei Sonnenschein und Temperaturen von 38 C° in der prallen Sonne ausgestellt. Da fällt nicht nur Veganern, die vorsorglich nichts Essen was einen Schatten wirft, die Enthaltsamkeit leicht. Nun kommt es in hygienebewussten Regionen der Welt schon mal vor, dass ein paar Lebensmittel im Kühlschrank randalieren und die grüne Schicht auf dem Vollkornbrot eben doch kein Spinat ist. Vielleicht sieht man hier deshalb gern von vornherein von der Kühlschrankhaltung ab. Wenn’s im Westen schon nicht funktioniert, dann in Thailand gleich gar nicht. Ich habe die englischen Bezeichnungen der no-go-Gerichte beibehalten, weil sie darunter auf der Menükarte zu finden sind.

Speisenfolge besser vorher durch den Kopf gehen lassen!

Speisenfolge besser vorher durch den Kopf gehen lassen!

Hier also die offizielle Nicht-bei-Schönwetter- essen- Liste:

1 Larb-300

Larb / oder „spicy Isaan meat salad”

Eine Kombination aus Hackfleisch mit fermentierter Fischsauce (Duftnote pissoirgepökelt) Limettensaft, Chili und oft überladen mit Minze und Basilikumblättern. Schmeckt ähnlich wie der berühmte Ameiseneiersalat, oder die meisten anderen Storno-Speisen des Isaan.

2-goong-ten-300Yum Goong Dten / oder „spicy shrimp salad”

Das ist nichts für Feinschmecker, die keine Lebewesen verzehren, die nicht wenigstens besinnungslos sind. Mit abgelaufenem Verfalldatum kann die Warnung zu diesem Schmankerl nicht begründet werden, denn die Viecher werden lebendig genossen. Sie werden daher auch unter dem Namen „dancing shrimps“ angeboten. Da wird die Mundhöhle zur Disco. Nicht vergessen: unter der Zunge ist auch auf der Party!

 

3-Yum-Hoy-Krang-300Yum Hoy Krang oder „spicy cockle salad”

Und noch so eine hanebüchene Warnung der Gesundheitsbehörde an Urlauber, die in den Ferien gern zu Fearfaktor-Gourmets mutieren: Man sollte darauf achten, dass die Muscheln vor dem Verzehr ordentlich gewaschen wurden. Nun weiß jeder, dass Thailands Seen, Teiche  und Flüsse gerade in ländlichen Gegenden ziemlich belastet sind, da es kaum ausreichende Abwasserreinigung gibt. Wer nun glaubt ein Sekundenbad im städtischen Leitungswasser würde Abhilfe schaffen irrt gewaltig, denn selbst in Bangkok ist das Leitungswasser ungenießbar.

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Fried rice mit Krebsfleisch

Das in diesem Gericht verarbeitete „Krebsfleisch“ besteht in den meisten Fällen aus minderwertigem Pressfisch, der schon auf dem Kutter wie Abfall in der Sonne an Oberdeck behandelt wird. Ich mache mir nicht viel aus Chinesenschotter (Reis). Würde ich das Gericht selbst kochen, käme lediglich echtes Krebsfleisch in die Pfanne, obwohl zwei der Tierchen auf dem Markt nicht unter 380 Baht zu haben sind. Kaum anzunehmen, dass eine Garküche dafür einen Mikro-Kredit aufnimmt.

5-Thai-green-curry-300Sämtliche Gerichte mit Kokosmilch

Kein amerikanischer Hähnchentrümmer-Salon käme ohne Ketchup aus. Das Gleiche gilt für Kokosmilch in Curries aus der Thaiküche. Egal ob Phanang,- Massaman,- Yellow, Green oder Red Curry, Kokoskuchen, Bualoy oder Saku Biak, immer kommt ein ordentlicher Becher des Extrakts aus den Palmwedeleutern dazu. Ich liebe sie alle. Aber Ungekühlt, oder gar im Freien der Sonne ausgesetzt, kann man schon den Verschimmelungsprozess von Kokosmilch bestaunen, bevor die Parkuhr abgelaufen ist.

6-kanom-jeen-gaeng-pa--300Kanom Jeen oder „fermented Thai rice noodle”

Wenn etwas wie Reisnudeln schon bei der Herstellung 3 tagelang vor-fermentiert wird, ist es kaum möglich diesen einmal in Gang gesetzten Prozess zeitnah zu stoppen. Da gerät beim Verzehr nach mangelnder Kühlung selbst Gerichthebern mit einem Magen wie eine Müllpresse wenigstens der Zahnschmelz ins Moussieren.

7-Khao-Man-Gai-300Khao Man Gai oder „chicken rice”

Eigentlich handelt es sich dabei um das Nationalgericht Singapoors, also kein Wunder wenn der Verkaufsknaller dort von Thai Restaurants kopiert wird. Aber auch bei den Saubermanns Süd-Ost Asiens kommt es im Hawkerstall „Zum eiligen Stuhl“ gelegentlich zu Vergiftungen durch unsachgemäße Lagerung. Ist mir ein Rätsel, denn für geschulte Geschmacksnerven ist das vertrocknete Hühnerfleisch im Reisrand so extatisch wie die dritte Wiederholung sämtlicher Staffeln der Schwarzwaldklinik.

 

8-Thailand_Som_Tam_300Som Tam oder „spicy green papaya salad”

Thailands allgegewärtige Götterspeise ist nicht etwa Transparentpudding mit Walmeistergeschmack, sondern Som Tam. Eine persönliche Warnung gleich vorweg: Das Zeug bewirkt in jedem Fall eine Darmspülung der besonderen Art. In Streifen geschnittene unreife Papaya schmeckt an sich schon mal nach gar nichts. Um dennoch ein kleines geschmackliches Feuerwerk zu erzeugen, werden allerlei Ingredenzien hinzugefügt: Tomaten, Chili, rohe Bohnen, fermentierte Fischpaste, zerstossene Mini Krebse und je nach Gusto, Dinge die sonst am Rand eines Feldwegs ignoriert werden. Das Leckerli ist so scharf, dass selbst „extra-scharf-beim-Inder –Besteller“ Atemnot verspüren.

9-thai_green_salad-300Thai Green salad

Wie alle ungewaschenen Salate, fällt auch diese Anforderung auf ein lang andauerndes WC-Abo unter die Rubrik: peel it, cook it or forget it.

Daneben warnt das Gesundheitsamt auch noch vor den Klassikern Wasser- und Speiseeis. Völlig absurd wirkt die Empfehlung nichts zu essen, was im Freien übernachtet hat. Wie wär‘s mit Hinweisschildern wie: Zu Risiken und Nebenwirkungen, fragen sie unseren Nachtportier.

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P.S. Japan-Restaurants bieten immer eine saubere Alternative

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