Von scharfen Chili, unlustigen Witwen, Geistern und einem Riesenpenis

Bhut JolokiaNicht umsonst habe ich als Hintergrundbild die brennenden Chili ausgewählt. Einige der Geschichten brannten mir schlichtweg auf den Lippen und sie mussten erzählt werden. Aber, wie sagt man so schön? Ein gutes Chilli,- oder Curry- brennt dreimal: im Mund, im Arsch und dem Kanalarbeiter in den Augen. Bisher glaubte ich immer, das Schärfste in das man sich verbeissen kann (abgesehen von meiner Nachbarin) sei ein herzhafter Biss in „Bih Jolokia,“ auch bekannt unter dem Namen Geister-Pfeffer, oder Geister Chili. „Bhi” bedeutet im Dialekt der Bewohner Assams in Indien so viel wie Gift und „Jolokia” ist die Übersetzung für Pfeffer.

Zur Erklärung des Begriffs „Schärfe“ sollte man die Scoville heat untits zu Rate ziehen. Dabei handelt es sich um eine Skala, die die Hitze (oder Verbrennungsgrade) misst, die  bestimmte Substanzen zunächst im Rachenraum und später in anderen Körperteilen entwickeln. Zum Vergleich: die handelsübliche Karambatunke Tabasco erreicht gerade einmal 7.000 bis 8.000 Einheiten auf der Afterburnerskala. Bih Jolokia erreicht laut Guinness Buch jedoch satte 1.001.304 Einheiten! Das Zeug ist geeignet um seine Villeroy&Boch Schüssel in einer einzigen Sitzung nachhaltig anzurauhen. Ein feuchter Furz nach dem Verzehr kommt biologischer Kampfführung, oder Selbstverbrennung gleich.

Aber was ist das schon im Vergleich zu dem schärfsten Objekt auf diesem Planeten,- einer liebeshungrigen Witwe, die in den letzten Jahren vor dem Ableben des Ehemanns ohnehin nur ein Dasein als Ersatzpatrone geführt hat? Davon scheint es in einem kleinen thailandischen Ort eine Menge zu geben.

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Man sollte annehmen, wir leben in einer relativ aufgeklärten Epoche in der Geschichte der Menschheit. Homo sapien sind auf dem Mond gelandet, Hexenverbrennung wurde als Abendunterhaltung durch Talk- und Castingshows ersetzt. Ein Papst kann seinen Job kündigen, wenn ihm sein Vorgesetzter zu abgehoben erscheint und es gibt heute auf der Welt 30 Prozent mehr Menschen, die an Adipositas (Fettleibigkeit) leiden, als an Unterernährung. Wobei an Fettleibigkeit leiden vielleicht etwas zu vollmundig klingt. Eigentlich eine positive Bilanz, wären da nicht ein paar Hinterwäldler unterwegs, aus deren intellektueller Froschperspektive Damenwahl im Neandertal immer noch als das non plus ultra auf ihrem Paradiespunktekonto angesehen wird. Ein Umstand, der mich mich auf so vielen Ebenen verstört…

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Thailand ist dem Rest der Welt ohnehin schon wenn nicht egal, dann doch durch eine Reihe skurriler Sitten und Bräuche bekannt. Hier, wo man permanent von der eigenen Wichtigkeit, Moral und Kultur besoffen ist, wo man überzeugt ist, dass Buddhismus, Bahtismus und Voodoo-Zauberei kompatibel sind, wo Korruption und öffentliche Ämter nicht einmal mehr eine Scheinehe führen, glaubt man auch, dass alles was im Land zu sehen und zu bestaunen ist (vom Reiskocher bis zum Ferrari) auch nur hier erfunden und hergestellt werden konnte. Da fallen vernunft- und intelligenzresistente Dorfbevölkerungen kaum noch ins Gewicht.

So, und nun sind wir endlich an dem Punkt angelangt, der den geneigten Leser dazu veranlasst sich zu fragen, was haben nun chillischarfe Witwen, Geister und ein Riesendiddel miteinander zu tun.

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Giant Penis? Wohl eher zentralafrikanisches Mittelmass. Der tut nix, der will bloss spielen

Eines der hervorstechendsten Beispiele geistiger Unterzuckerung der jüngsten Vergangenheit bietet Nong Yai, in der Nähe von Rayong, an der Ostküste des Landes. Eine Gegend, die Insidern auch als terror incognita bekannt ist. Die von der englischen Zeitung Daily News als abergläubige Bauerntrampel bezeichneten Bewohner des Ortes, haben in der Mitte des Dorfes einen Schrein mit einem großen erigierten hölzernen Penis auferstehen lassen. Nicht etwa um knipsende japanische Touristen anzulocken, sondern um den Witwen-Geist zu beschwichtigen, der angeblich auf mysteriöse Weise seit 20 Jahren verheiratete Männer im Schlaf in der Krematoriumslotterie gewinnen lässt. Der Geist hat nach Angaben der Miniaturhirn Besitzer in der Vergangenheit so viele Männer dahingerafft, dass der Ort inzwischen den Beinamen „Witwendorf“ führt. Der Phallus soll als beschwichtigende Gabe an den männermordenden Geist verstanden werden. Einmal pro Jahr treffen sich die Frauen Nong Yai’s bei dem Zauberstab zum Usertreffen im Erektionstempel, um eine Zeremonie abzuhalten, bei der sie heiliges Wasser über das Genital spritzen. Nun, manchmal wirkt eine rasche Abkühlung Wunder. Natürlich leidet die ursprüngliche Farbe des Dorfplatzdildos darunter. Der ehemals rote Schaft und der goldene Kopf, die Farbgebung entstammt der Erinnerung der hinterbliebenen Witwen, scheinen synchron mit dem Denkvermögen, langsam zu verblassen.

Foto Lynne Hand

Barcelona’s Antwort auf den mickrigen Rütteltünnes von Nong Yai

Eine 47-jährige Witwe des Dorfes erregt inzwischen nur noch der Umstand, dass es Leute gibt, die nicht von dem Hokuspokus überzeugt sind und man die Bewohner für naive Dörfler hält, die an Märchen glauben. Sie gab gegenüber der Presse bekannt, dass viele Männer des Ortes in den vergangenen 20 Jahren in mysteriöser Weise im Schlaf gestorben sind. Wie sagt man so schön? „Die Guten sterben immer zuerst. Man muss sich schämen, wenn man noch lebt.“ Einige Familien haben deswegen sogar den Ort verlassen. Nach einhelliger Meinung von Mönchen und Wahrsagern erfuhren sie, dass der Ort vom Geist einer Witwe heimgesucht wird, der die Männer schwach und erschöpft macht. In der Nacht bevor sie sterben, träumen sie mit Geweihjucken, untermalt von Vögelgezwitscher in einer Art finaler Hodenoffensive davon, Sex mit einer wunderschönen Frau zu haben.

Dildodeponie? Thailands Sextoys-Verbot gilt nicht fur Geister!

Dildodeponie? Thailands Sextoy-Verbot gilt offensichtlich nicht für Geister!

Sie ist jedoch der Geist, der ihre Seelen stehlen will. Wenn die Frauen am Morgen erwachen, hat der Gatte bereits auf Torfatmung umgestellt. Wie viele Damen Nong Yai’s an der thailändischen Volkskrankheit „Denkwehen” erkrankt sind, ist bislang unerforscht. Da wittert der Hausarzt während des Gesundheitschecks schon die Abwrackprämie.

Es geht inzwischen auch das Gerücht um, dass sich einige der Männer bereits nur noch in Frauenkleidern und geschminkt aufs Nachtlager begeben, um dem spirituellen Hardcore Kuscheln zu entgehen. Ich glaube, die einzige männliche Person die hier mit Fug und Recht an Schwäche und Erschöpfung sterben darf ist der Nachtapotheker, der den Ort mit afghanischem Spinat, Kräutern der Bronx und Tanzdragees versorgt.

Damit keiner meiner Blogbesucher plötzlich, unerwartet und dazu auch noch dumm sterben muß, hier eine Erklärung des Phänomens, bei dem es sich um eine genetisch bedingte Erkrankung (Lai Tai oder bangungot) genannt handelt, die sich hauptsächlich auf wenige ethnische Gruppen in Laos, Thailand und auf den Philippinen beschränkt: Hier klicken

Immerhin habe ich wieder etwas gelernt: dass sich die Anzahl von Absurditäten die mich verwundern täglich verringert und dass ich privilegiert bin, zugleich im 21. Jahrhundert, gemäß Thai-Kalender im 25. Jahrhundert und im Mittelalter zu leben…

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