Thailandreisen: Per Bus über den Jordan

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Vielleicht wäre R.I.P. treffender…

 Wer weiß schon, daß ein Lackierer einer Autowerkstatt in Thailand grundsätzlich mehr verdient als ein Mechaniker? Na und? Könnte man unbedarft fragen. Darin spiegelt sich allerdings die Hauptursache für eine Menge chaotischer Zustände im Land wieder, die nahezu täglich dafür sorgen, daß Leute mit einem Zettel am Zeh nachhause geschickt werden. Arbeitsmoral und technische Standards unterliegen einzig und allein dem Motto:

Solange es oberflächlich betrachtet hübsch aussieht, fragt keiner mehr, wie es darunter aussieht! Überpinseln und dekorieren ist einfacher als reparieren!

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Für sowas ham’ se Geld…

Busunfälle gehören zum Thaialltag wie Somtam oder das Fläschchen Lipovitan. Die Illusion, nicht davon betroffen zu werden, resultiert aus Mangel an Information! Hübsch sehen sie ja manchmal aus, die überdachten Zündfunken mit Kirmes-Tuning und verchromten Mückengrill in der Größe einer Sylter Austerntheke mit 50 Suchscheinwerfern um die Frontscheibe, die an Stadionbeleuchtung erinnern. Für den Gegenverkehr bedeuten sie lediglich einen totalen Blackout!

Wenn etwas daneben geht, ein paar Menschenleben kostet, wird die Nachricht darüber schnell zur „Tragedy de Jour“, die am nächsten Tag vergessen ist und keinerlei Veränderung oder Verbesserung der Ursachen mehr bedarf.

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Zum stillstand kommen sie immer…

Nach solchen Sätzen wird man im Land gerne des „Thai bashing“ beschuldigt, weil man die Umstände hier, mit den Sicherheitsstandards in westlichen Ländern vergleicht. Zwischen 2000 und 2010 gab es nach „offiziellen“ Angaben 12.000 Verkehrstote pro Jahr! Wenn es um Menschenleben und Sicherheitsstandards geht, könnte der Rot-Weiß-Blaue Planet Thailand ruhig etwas mehr Globalisierung und weniger Geldgier vertragen!

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Umfallwagen?

Angesichts der  Zahl der Verkehrstoten, erscheint jedoch die Forderung nach Anhebung der Standards gerechtfertigt,- egal welcher Nation man angehört! Ich bin sicher, viele von denen hätten sich sogar noch kurz vor dem Einbiegen in die finale Applauskurve für Rheinland-TÜV Vorschriften entschieden. Aber das Einzige, was die Klongtaucher aus zivilisierten Verkehrsnationen übernehmen, sind kopierte Mercedessterne für die Umfallwagen. So bekommt die rollende Hutschachtel sogar einen Migrationshintergrund. Das soll Touristen wohl die Illusion geben, sie säßen in einem anständig konzipierten und gebauten Fahrzeug.

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Halber Fahrpreis für halbe Strecke,- oder für halben Bus?

Die tatsächlichen Hauptursachen für die Landstraßenmassaker sind meist eine unheilbringende Kombination aus Karies an Reifen auf Hartz IV Felgen, die man getrost als Asphalttrennscheiben bezeichnen kann, überhöhter Geschwindigkeit, Übermüdung der Fahrer, Amphetaminausrutscher, oder einfach typische Getränkeunfälle. Wer 10 Stunden hinter dem Lenkrad sitzt, bekommt schon mal Halluzinationen von  Versace Sofas auf der Fahrbahn.

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Da ist nicht einmal das Nummernschild für die Lotterie-Nummer übrig…

Bei der abrupten Karosserie-Kaltverformung auf dem Weg nach Koh Samui, kann man kaum sagen was denn wohl schlimmer war, der Unfall, oder was sich kurz zuvor abgespielt hat. Einige Passagiere des Busses fühlten sich extrem unwohl, durch die Kamikaze-Fahrweise des Lenkradbeißers im Chauffeursessel. Einer der Fahrgäste, dem offensichtlich bereits die Schweißperlentupfer ausgegangen waren, sprach den Zylinder Ralf an und bat ihn doch etwas weniger Gas zu geben. Der Kutscher ignorierte die Bitte und hielt an der nächsten Tankstelle an um seinen Passagieren mitzuteilen, wenn sie mit seiner Fahrweise unzufrieden seien sollen sie gefälligst sofort hier aussteigen! Es verging nur kurze Zeit, bis er danach die Überlandleitung rammte und der Touristenbus aussah wie ein umgestürzter Schaschlikwagen. Man kann den Eindruck bekommen, bei manchen Fahrern hat die Kinderschaukel zu nah an der Hauswand gestanden.

Hinzu kommt, dass viele der Busfahrer sich nach einem Unfall aus dem Staub machen, sofern sie noch dazu in der Lage sind. In einem Land, in dem eine 16-Jährige ohne Führerschein mit dem Mini-Van der Familie 9 Leute zu Tode fährt und mit einer geringen Geldstrafe davonkommt, weil sie aus einer einflussreichen Familie stammt, sollte man sich auch darüeber nicht wundern!

 Die Devise, von der die Kotflügeldesigner angetrieben werden heißt schlicht:

Don’t think and drive!

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Abenteuer Urlaub?

Ein Unternehmen, mit Ständiger Vertretung in den Unfallstatistiken, ist ausgerechnet die Transport Co, die direkt dem Transport Ministry untersteht. Einer der leitenden Beamten im Verkehrsministerium machte folgende Bemerkung zur Situation:

„Wir sind uns der nötigen Sicherheit bewusst, weil es unser eigener Betrieb ist. Wir können uns wirklich nicht selbst schaden“, sagte er als er zu den häufigen Passagier-Bus Unfällen befragt wurde. Das ist der blanke Hohn!

Aber was soll man schon von einem Ministerial-Beamten erwarten dessen Chef, ein offenbar dem Faktenwissen abholder Mensch ist, der als Kind beim spielen meist unter der Wippe gelegen haben muss, um Aussagen wie diese zu machen:

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In der Zeitung stand: 10 Personen und ein Inder tot (?!)

„Thais haben verschiedene Gehirne, als andere Menschen. Wir sind durchaus in der Lage während der Fahrt in Autos und auf Motorrädern am Mobiltelefon zu sprechen und SMS‘  zu schreiben.“ Der Klappskalli setzte noch einen drauf: „Eine Helmpflicht für Thais ist wirklich nicht nötig,  denn im Gegensatz zu anderen Menschen haben sie einen dickeren Schädel, um sie vor Verletzungen zu schützen!“ Wieder so ein trister Minister! Bei manchen Leuten scheint der Schädel allerdings so dick zu sein, dass kein Platz mehr für Hirn bleibt… Da wundert mich in meiner Einfalt die 5-stellige Zahl der jährlichen Verkehrstoten schon doch ein wenig.

Die Transport Co unterhält die meisten Intercity-Buslinien im Land und gibt Konzessionen an private Firmen ab, die ähnliche Dienstleistungen anbieten. In der Realität konkurrieren sie miteinander, um Fahrgäste zu gewinnen, vor allem auf einigen populären Strecken wie von Bangkok nach Chiang Mai, Phuket und Hat Yai. Der staatlichen Agentur untersteht direkt alles von den Fahrern bis zum technischen Zustand der Busse. Und genau dort liegt der Hund, oder besser gesagt der Buspassagier, begraben! Denn für ein paar Baht unter dem Tisch, bekommen diese Firmen auch die mieseste Gichtgondel durch die „Begutachtungs-Zeremonie“ des Ministeriums.

Das Ministerium lässt mit Steuergeldern teure Verkehrssicherheits-Kampagnen in den Medien produzieren, (würde niemanden wundern, wenn die Aufträge an Familienmitglieder gehen) während ihr eigenes Verkehrsunternehmen Busse auf die Straßen entlässt, für deren Betrieb man andernorts schon an der Garagenausfahrt verhaftet werden würde.

Weitere Unfälle mit Todesopfern sind unvermeidbar, solange das Ministerium sich darauf beschränkt Beamten und Ministern, die von keinerlei Sachkenntnis getrübt sind, leere Sprechblasen abzulassen.

Wer in Thailand mit dem Bus reisen möchte, sollte eine Firma im Hinterkopf behalten, die zwar auch ein Sub-Unternehmen des Ministeriums ist, sich aber zu eigenen Standards verpflichtet hat. Der Name der Firma ist: Nakhonchaiair. Hier macht man, wenngleich auch unter Thai-Bedingungen, die größten Anstrengungen, um die Fahrzeuge in einem guten technischen Zustand zu halten. Darüber hinaus verfügen deren Busse über ein GPS System, daß der Zentrale sofort meldet, wenn ein Bus zu schnell auf den Pisten unterwegs ist.

Das Gerät ist nicht eine magische Pille, um Unfälle zu beseitigen, aber zumindest ist es ein Weg, um die Fahrer unter Kontrolle zu bringen.

Andere Unternehmen, darunter Transport Co, könnten ganz einfach das Gleiche tun. Aber sie tun es nicht. Der Grund ist einfach: sie wollen nicht das Geld ausgeben. Touristen sollten nie vergessen: Life is cheap im land of smiles!

NEWS FLASH 29.12 2012 / 15:oo Uhr:

Aktueller Stand am ersten von den berüchtigten „seven dangerous New Year holidays“: 33 Tote und 314 Verletzte. Wie nicht anders zu erwarten, waren es am Mittag des zweiten Tages bereits 71 Tote und 826 Verletzte! Bilanz des Vorjahres nach sieben Tagen: 336 Tote und 3.375 Verletzte!

Zum Vergleich: In Großbritannien gab es lediglich 7 Verkehrstote!

NEWS FLASH 31.12.2012 / 14:00 Uhr: 

Das Thailand Road Safety Centre berichtet, dass die Zahl der Todesopfer bisher während der ersten vier Tage des Neujahr 202 erreicht hat, in der Provinz Nakhon Pathom starben die meisten Personen die Zahl liegt derzeit bei 11 Todesopfern durch Sanuk und drunk driving.

NEWS FLASH 02.01. 2013 / 12:oo Uhr:

Bisherige Bilanz: 254 Verkehrstote und 2454 Verletzte!

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Eine Antwort to “Thailandreisen: Per Bus über den Jordan”

  1. Das sind Tatsachen, die durchschnittliche Rosa-Brillenträger nicht sehen wollen.
    In zwei- bis drei Wochen entdeckt man dafür das Traumland aus dem Reiseprospekt. Um das viel Sterne Hotel herum ist ja die Welt glücklicherweise noch in Ordnung.
    Grüsse aus dem Dorf, hinterindien.com, Low

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