Das zieht einem glatt die Schuhe aus

Es gibt eine fünfte Dimension jenseits der menschlichen Erfahrung – eine Dimension, so gewaltig wie der Weltraum und so zeitlos wie die Ewigkeit. Es ist das Zwischenreich, wo Licht in Schatten übergeht, Wissenschaft auf Aberglauben trifft. Sie liegt zwischen den Fallgruben unserer Furcht und den lichten Gipfeln unseres Wissens. Dies ist die Dimension der Fantasie, das Reich der Dämmerung – die 

 Ort der Handlung: Das Thai-Parlament. Hauptdarsteller: Dr. Chalerm Yubamrung (64), vom ehemaligen Polizeihauptmann zum Vize-Premierminister aufgestiegener Stadt,- Land,- Flusshalter Thaksin Shinawatra’s in Thailand. Er ist zurzeit der eigentliche Boss, während Frau Dr. Look&FeelGood meist schweigend, oder auf Journalistenfragen kopfschüttelnd antwortend, die Kameras der Medien bedient.

Premier in der Warteschleife?

 Ich kenne Vierjährige, die tatsächlich in der Lage sind, sich die Schuhe mit einer ordentlichen Schleife zuzubinden. Es wäre anmaßend zu behaupten, daß so etwas zur Kultur in westlichen Industrieländern gehört. Es ist eher darauf zurückzuführen, daß die Kids lernfähig sind, Zusammenhänge begreifen können und  über eine gesunde Entwicklung ihrer Motorik verfügen. Umso schwerer fällt es mir zu glauben, daß jemand mit 60 Jahren mehr auf dem Buckel, einem Doktortitel, mit dem Dienstgrad eines Polizei Hauptmanns und als zumindest einmal gewählter Abgeordneter, dazu noch Vize Premierminister einer Nation mit mehr als 69 Mio. Einwohnern, nicht in der Lage sein soll, sich die schleifenlosen Slipper von den Socken zu streifen. Böse Zungen könnten geneigt sein, den Begriff der Kompetenztauglichkeit im Endstadium, in die Diskussion einzubringen. Wenn dem wirklich so ist, würde der Mann in Deutschland nicht einmal den von Studenten und Rentnern so begehrten Taxi-Schein erlangen können. Aber, ich habe in Thailand auch noch nie einen Frührentner getroffen.

 Naja, andere Länder- andere Sitten.

 Die Antwort auf  die Frage danach, wie fit man als Vize Premier sein sollte, oder sein muß, um ein Land zu regieren, oder anders gefragt- wie steif darf er sein, um aufrecht regieren zu können, überlasse ich gerne den Experten. Dennoch habe ich ein Problem damit zu glauben, daß bereits Vierjährige im direkten Vergleich eigentlich ziemlich gut im Rennen liegen. Auf der anderen Seite wäre ich begeistert von der Idee, daß Typen mit den Fähigkeiten Amerikas‘ berühmtesten Schuhverkäufers, Al Bundy, in Thailand offenbar gut bezahlte Jobs ohne Ende an Land ziehen könnten. 

 „Ein Mitarbeiter bietet an, Chalerm Yubamrung die Schuhe auszuziehen, bevor er eine Hommage an einen Schrein vor der Einwanderungsbehörde richtet. Herr Chalerm konnte sich nicht bücken, um seine Schuhe auszuziehen.“ So lautet die Bildunterschrift in der englischsprachigen Zeitung „Bangkok Post.“ Sind eben doch nicht alles durchtrainierte „Chrome Pole Molester“ in Thailand. 

 Der Herr Vize Premier versucht alles, um sich das Image des großen Aufräumers der Nation zu geben. Er ist der unerschrockene Kämpfer gegen Drogenhandel, trotz unerwarteter Explosionen beschützt er Bangkok vor „nicht vorhandenem Terrorismus“, vor Korruption und Kriminalität schlechthin. Er plädiert für gnadenlose Aufklärung aller Verbrechen im Land, solange sie nicht seine eigene Brut betrifft. Einer von Chalerm’s drei Söhnen gelangte in einem Mordskandal zu tragischer Berühmtheit. Mehr dazu hier

Wie gesagt,- andere Länder- andere Sitten.

 Das mit dem „sich nicht bücken können“ kenne ich auch, besonders aus meiner Zeit als Begleitmusiker, wenn man um fünf Uhr morgens nach einem kräftezehrenden Gig mit Koryphäen wie Gunter Gabriel (Mr. Kraft durch Peinlichkeit!) strudeldun nach Hause kommt. Aber, ich schwöre, ich bin nie mit Schuhen ins Bett gegangen! 

 Nun hat Herr Chalerm ja kein künstliches Hüftgelenk, ein altes Kriegsleiden, oder gar eine gewaltsame Messerattacke beim Wahlkampf hinter sich. Warum ist er dann offensichtlich irgendwie körperlich behindert? Den Kniefall des Schuhausziehers als eingeforderte Demutsgeste zu werten, erscheint eher abwegig. So etwas ist in Thailand höher gestellten Persönlichkeiten vorbehalten. Wenngleich man einem Vizepremier, der sich bevorzugt im katoeyfarbenen (Pink!) Bentley (das Guidomobile) chauffieren lässt, vielleicht sogar das zutrauen könnte. Von den Karossen gibt es weltweit nur zwei, die andere gehört Paris Hilton. Das hat fast schon den ‚Liberace‘ Effekt.

Man beachte das Nummernschild! Die vierfache 1 ist wohl seinem Chef vorbehalten. Allerdings vermissen wir den 'hello kitty' Rahmen...

Teil II der Geschichte:

“Lassen Sie nicht den Betrunkenen ins Parlament“

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