„Dogshit“ vom „Spiegel“

 “Bullshit” ist eines der beliebtesten globalen Anglizismen unserer Zeit. Was ich aber gerade in der online Version des Spiegels gelesen habe, möchte ich einmal neudeutsch als journalistischen „Dogshit“ bezeichnen! Bisher habe ich den Spiegel immer für ein seriöses Magazin gehalten. Nun, die Zeiten ändern sich…

Es geht doch nix über die journalistische Spürnase eines alten Hasen

 Die Frage, woher ich mir das Recht zu einer solchen Äuβerung nehme, ist legitim. Ich werde versuchen, sie wahrheitsgemäß zu beantworten:

 Als ehemaliger Redakteur einer großen deutschen Wochenzeitung, klingt mir noch das vorweihnachtliche Gestöhne der Kollegen (unabhängig vom Arbeitgeber) in den Ohren: „Hör bloß auf mit Weihnachten, da sind in der Themenkonferenz wieder ausgesetzte Hunde und krebskranke Kinder gefragt, weil das die höchsten Leserquoten bringt. Erfrierende Obdachlose, verwahrloste Rentner und Menschenrechtsverletzungen sind da nicht so gefragt.“

 In der Tat führt das Foto eines ausgesetzten puscheligen Labrador-Welpen zur dreifachen Menge entsetzter Leserbriefe, als das einer wegen 30 €uro erstochenen Rentnerin! Von den zwei Säcken Reiserätsel Postkarten der Gewinnaspiranten für 14-tägigen „all you can eat and drink Urlaub“, in den bei der Vokuhila-Fraktion so beliebten Hartz IV Touristensilos der Dominikanischen Republik, einmal abgesehen.

 Offensichtlich ist der Autor der Geschichte, „Hunde in Thailand – Zur Delikatesse verdammt“, bei den Themenkonferenzen des „Spiegel“ zur Adventszeit mit Geschichten über das weihnachtliche Bangkok, nicht ins Blatt gehoben worden. Naja, für Themen wie „Chiang Mai freut sich über den ersten Bodenfrost seit 20 Jahren“ können sich eben in Deutschland bei minus 30°C nicht allzu viele verwirrte Leser erwärmen. Das weiß man doch als alter Hase im Geschäft und dazu noch als gestandener Redakteur. Also muß ein Skandal, der Monate zurückliegt (September 2011) herhalten, um zu einem Honorar zu kommen. Hier ist die Geschichte vom Februar 2012 nachzulesen:

„Hunde in Thailand – Zur Delikatesse verdammt“

 

Unser (pensionierter) Mann im Aussendienst

 Etwas Lobhudelei über den Autoren, der eigentlich schon 2005 in den Ruhestand getreten ist und nun 71-jährig in Bangkok lebt, findet der geneigte Leser hier

 Immerhin kann sich Herr Karl-Ludwig Günsche, nun auf inzwischen acht Seiten Leserbriefe zum Thema berufen, wenn es darum geht, seinen „richtigen journalistischen Riecher“ zu dokumentieren. Womit das Heer gelangweilter Leserbriefschreiber, von denen der größte Teil von keinerlei Sachkenntnis getrübt ist, was sie in gewisser Weise mit dem Autor vereint, die abstrusen Kommentare an den Spiegel rechtfertigen könnte, wird mir hingegen ewig verschlossen bleiben. Ich bin jetzt aber auch in einem Alter, da will man gar nicht mehr alles wissen.

 Die Nummer mit Lektionen über „kulturellen Hintergrund und Verschiedenheiten“ lasse ich bewusst weg, weil ich nicht allzu viel davon halte, was man in Asien gern darunter verstanden haben möchte. Hier ein paar (wie ich meine) hilfreiche Fakten zum Thema. Geeignet zur Lektüre, bevor man reißerische Artikel und hirnrissige Leserbriefe schreibt:

  • Das Schlachten und der Verkauf von Hundefleisch zum Verzehr, sind in Deutschland erst seit 1986 verboten. Seit dem ersten Weltkrieg waren Hunde dort auch unter dem Namen „Blockadehammel“ bekannt und ebenso beliebt wie Pferdefleisch im Steckrübeneintopf.
  • Das Gros der Hunde, die geschlachtet und zumeist in Nachbarstaaten (Laos, Vietnam und Kambodscha) verspeist werden, sind herrenlose „Soi Dogs“, die sich in ganz Thailand vermehren wie die Karnickel des Herrn Austin in Australien.
  • Hundefänger fahren durch die Dörfer und tauschen bei den ach so tierlieben Thai die Köter gegen Tupperware ein, wenn sie zu laut oder  lästig werden.
  • Es gibt an Thailands „Traumstränden“ ganze Rudel der herrenlosen Köter, die nächtliche Strandspaziergänger angreifen. Tagsüber sind sie als Einzelgänger zu feige sich Menschen zu nähern.
  • Kein Thai kümmert sich um kranke, oder verletzte Tiere, was die Verbreitung von Hunde-Staupe und anderen Krankheiten zur Folge hat. Das rechtfertigt die Bezeichnung „Gehwegratten“.
  • Tollwut ist in Thailand bei Weitem nicht unter Kontrolle
  • Keines der Tiere erhält jemals eine Impfung, oder gar Wurmkur, wie Muttis Betthupferl in Deutschland.
  • Thailand ist in nahezu allen Lebensbereichen von mafiösen Strukturen geprägt. Es gibt an die 500 professionelle Hundeschlachter, die Millionenumsätze generieren. Die haben so viel Tea Money, die können sich Lobbyisten und sogar Gesetze erkaufen!

 Und nun komme ich nicht umhin, den „Dogshit“ rauchenden Leserbriefschreibern ein paar Fragen zu stellen: 

  • Erst 1990 hat Thailand eine Menschenrechts-Kommission gegründet. Wo waren Eure Leserbriefe vor dieser Zeit?
  • Bis 2003 wurde in Thailand zum Tode verurteilten Delinquenten per Maschinengewehr in den Rücken geschossen. Habt Ihr Euch jemals darüber informiert und beschwert?
  • In Thailands Abschiebe-Deponien für Geisteskranke werden die Insassen gern über Jahre an die Betten gekettet. Schon mal darüber einen Leserbrief geschrieben?
  • Für Behinderte zahlt der Staat nach endloser Antragsbearbeitung (erfolgreich meist nur nach Zahlung von Tea Money zur zeitnahen Bearbeitung) ein Versorgungsgeld von 300 Baht (7,28 €uro) pro Monat. Das entspricht der Kaufkraft von sechs Flaschen Bier. Hab‘ ich wieder Eure empörten Leserbriefe darüber versäumt?
  • Ich kenne mindestens vier Mörder/Totschläger/Vergewaltiger, die nicht einen Tag in einer Zelle verbracht haben, weil sie sich freigekauft haben. Artikel, oder Leserbriefe? Fehlanzeige!

 Eure Haustiere haben in Deutschland mehr gesetzlichen Schutz als die meisten Menschen in Asien. Vielleicht denkt Ihr einmal darüber nach, die Prioritäten zu verschieben, worüber Ihr in Zukunft Artikel, oder Leserbriefe schreibt…

P.S. Von den bis zum 2. September 2011 eingesammelten Spenden für die 2000 Hunde, die beim Gourmet-Transport nach Vietnam abgefangen wurden, ist die Hälfte im Internierungslager krepiert und von den über 5 Mio. €uro gespendeter Gelder wurden lediglich 14,844 €uro für Reinigung der Käfige, Neubau weiterer Käfige, Futter und medizinische Hilfe ausgegeben. Da gab es im Tierheim bestimmt eine zünftige Neujahrsfeier, über die der Spiegel-Autor bisher leider nicht berichtet hat. 

Sorry, aber ich hab‘ echt die Nase voll von pensionierten Journalisten, wie gut auch immer sie einmal gewesen sind, die sich zusätzliche Kohle für einen üppigen Familienausflug in einem dritte Welt Land mit „einen über die armen Hunde hab‘ ich noch” Artikel verdienen wollen. Dogshit!

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