Grund Nr. 5 Lebensmittelhygiene

 Die übergewichtige Frau ist um die sechzig Jahre alt und betreibt eine der kleinen Garküchen, von denen es in Bangkok hunderttausende geben muss. Ihre grüne Schürze ist ebenso schmuddelig, wie die offene Bretterbude von der Größe dreier Telefonzellen. So sieht man eigentlich nur aus, wenn man sich permanent ohne Licht die Garderobe zusammenklaubt. Wenn sie nicht gerade in ihrem Verschlag herumturnt, laufen ihr gelegentlich Ratten über die schmutzigen Füße, die in billigen Plastiksandalen stecken. Nach Feierabend pinkeln die Hunde an ihren Stand, Katzen lecken die Reste der Fischsauce von ihrer Arbeitsfläche, nur die sonst allgegenwärtigen Kakerlaken lassen sich hier nicht blicken, was einem eigentlich schon zu denken geben sollte. Irgendwie erweckt die Küchenfee den Eindruck einer Person, die sich  bereits im Juni freut: noch einmal Duschen und dann ist Weihnachten. Ihre Spezialität ist Som Tam, ein Salat aus grüner (unreifer) Papaya, der so scharf gewürzt ist, daß einem die Flammen aus dem Hals schlagen. Besser gesagt, zunächst nur aus dem Hals.

Som tam unser täglich Afterburner

 Da die Bude schon zur Mittagszeit geöffnet ist und noch nicht vielen Apokalypse-Gourmets der Sinn nach einem zünftigen Geschmacksnerven-Massaker steht, sitzt die Alte gelegentlich mit ihrem feisten Hintern auf der Arbeitsfläche, inmitten diverser Zutaten und pult sich zwischen den Zehen, oder säubert ihre Fingernägel, ausgerechnet mit dem einzigen Küchenmesser in ihrem Rachenraum-Bordell. Manchmal streift sich die Dame auch übers Haupt und lässt eine Portion Scheitelschnee über die Ingredienzien rieseln. Kürzlich hat eine der Katzen wohl eine der Geheimrezeptsaucen umgekippt, die unter dem Ladentisch auf die Straße sickerte. Es stank so gewaltig, daß man in zivilisierten Ländern die Nachbarschaft wegen Bio-Gasalarms evakuiert hätte. Fließendes Wasser gibt es in der Bude nicht und die Teller werden stundenlang in derselben Jauche einer Plastikschüssel „gespült.“

Madame Hühnerfuß in Ohrenschmalz

  Aber auch die Nachbarin, nur ein paar Schritte entfernt hat es in sich, zumindest aus bakteriologischer Sicht gesehen. Auf Ihrer Auslage liegen frittierte Hühnerkeulen, Füße und Flügel in der prallen Sonne, und das bei 34°C. Während sich die Tochter des Unternehmens gelangweilt über KFC’s Alptraum beugt, popelt die Mutter mittels eines Q-tips in ihren Lauschern und wundert sich, wie wohl ihrem Sproß so viel Schlechtigkeit zu Ohren gekommen ist. 

 Die hier beschriebenen Umstände sind bei Weitem keine Einzelfälle und leider nicht nur auf die Garküchen am Straßenrand beschränkt. Das ist, abgesehen von den Nobelrestaurants und  in Luxushotels, Thai Standard- um nicht wieder den ausgeleierten Begriff von „Thainess“ oder gar Thai Kultur zu strapazieren.

Mit freundlichen Grüssen aus Bangkok an die Kollegen vom deutschen Ordnungsamt

 Der berühmte französische Chemiker und Bakteriologe, Louis Pasteur, bekam wahrscheinlich nie eine zweite Einladung zum Essen, weil er jeden Teller vor sich mit einer Lupe inspizierte. Soviel ist sicher: der arme Louis wäre im heutigen Thailand in kürzester Zeit zur Buchenwaldschablone abgemagert! Wer sich jemals eine E-Coli, oder Salmonellenvergiftung eingefangen hat, und ich weiß wovon ich rede, hält fortan einen korrekt platzierten Schlangenbiß, oder den schnellen Verkehrstod unter den Rädern eines pinkfarbenen Bentley, für eine hochwillkommene Alternative!

Willkommen im Gasthaus zum schmutzigen Löffel

 Als besonders paradox empfinde ich die Tatsache, daß Thais in jedem Palmwedel, Reisgarbe, in Amuletten und nahezu allen Elementen Geister vermuten, aber zu ignorant sind, die Gegenwart von Mikroben und Bakterien zu akzeptieren, weil man sie nicht sehen kann. Wenn ich meinem Nachbarn die Tatsache erkläre, daß auf jedem Quadratzentimeter seiner Haut 100 000 Bakterien grasen, hält er entweder mich für bekloppt, oder sich selbst für klinisch tot.

 Ausgerechnet zur Hauptreisezeit, den Feiertagen um das Songkranfest, kommt nun ein Report ans Licht, wonach das Essen auf Bahnhöfen und an Bus-Terminals gesundheitsgefährdend, wenn nicht gar hoch toxisch ist. In einem Test wurden in 32 von 81 Proben E-Coli nachgewiesen, sechs weitere enthielten Staphylococcus-aureus-Bakterien, Salmonellen und vier hatten einen Vibrio parahaemolyticus Befall, wie der stellvertretende Gesundheitsminister, Surawit Khonsomboon, am 10 April verkündete. Er appellierte an die Verbraucher, Eis oder Trinkwasser immer in Behältern mit einem Sicherheitstempel der Food and Drugs Administration zu kaufen. Wer jemals in Thailand einen Eisbeutel mit Gütesiegel gesehen hat, bekommt von mir eine Anstaltspackung Imodium.  Einen echten Insidertipp hat der selbsternannte Vorkoster der Nation dann auch noch auf Lager: Er forderte die Softdrinkbrigade dazu auf, nur in Plastik verschweiste Strohhalme zu benutzen. Damit wäscht der Herr seine Hände in Unschuld über die Tatsache, daß es in Thailand so gut wie keine Lebensmittelgesetze gibt.

 Was der Multitasking-Demenz Volksvertreter zu erwähnen vergaß,  waren die Namen der Orte mit Massenkeimhaltung und Hygienephobie. Ein Sprecher schob nach, daß die Untersuchungen in drei großen Busterminals und einem großen Bahnhof  stattfanden. Da ist es hilfreich zu wissen, daß es in Bangkok nur drei große Busterminals und zwei große Bahnhöfe gibt. Wer selbst eine Art Sagrotan-Opfer ist und vor einer Mahlzeit, oder nach dem Besuch der Bahnhofstoiletten seinem Waschzwang nachgibt, sei Vorgewarnt: heißes Wasser, oder Seife- Fehlanzeige!

Hier noch ein paar aktuelle Gourmet-Impressionen:

Auch Freund Low ist das Thema schon sauer aufgestossen:

http://hinterindien.com/2015/09/29/kulinarische-koestlichkeiten-in-thailand-2/

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