Frau Dr. Feelgood feiert ihre Versager

 „Le congrès danse beaucoup, mais il ne marche pas“ (übersetzt: Der Kongress tanzt, aber er geht nicht weiter), lautete ein Spruch von Charles Joseph Fürst de Ligne, einem belgischen Offizier in österreichischen Diensten, anlässlich des Wiener Kongresses 1814/15, auf dem nach der Niederlage Napoleons, in zehnmonatigen Verhandlungen die europäische Landkarte, inklusive diverser Problemzonen bis in die Gegenwart, umgestaltet wurde.

 Der Spruch passt auch hervorragend zur aktuellen Situation in Thailand. Ganz besonders, wenn am 10.Februar auf der Gartenparty vor dem Regierungsgebäude in Thailands (noch) Hauptstadt getanzt wird. Hauptsache „Sanuk!“ Ein Event der an Peinlichkeit und Pietätlosigkeit selbst im „Land des Verlegenheitslächelns“ kaum zu übertreffen sein wird. Es sei denn, Japans „Tepco“ arrangiert einen Betriebsausflug á la Hamburg-Mannheimer, für die Katastrophen Manager in den schicken Betroffenheits-Blaumännern, damit sie in einem Budapester Badehaus ihre strahlenden Genitalien verwöhnen können.

Karikatur der Zeitung "THE NATION"

 Angesichts der Bilanz der letzten Thai-Flut, die über  56 655 km² bedeckte (20,000 km² davon Agrarflächen) und 13,6 Mio. Einwohner direkt betraf, mit 813 Todesopfern, 5.99 Mio. medizinisch Behandelten, immer noch rund 650.000 zwangsbeurlaubten Arbeitnehmern und einem geschätzten Gesamtschaden von 34.6 Mrd. €uro, erscheint allein der Gedanke an eine „Dankeschön Party“ für das FROC (Flood Relief Operations Centre) ziemlich dreist. Denn neben der Regierung, sind das die Leute, die einen erheblichen Teil des Ausmaßes der Katastrophe, zumindest mitverschuldet haben. Selbst Ende Januar waren noch groβe Gebiete im Norden Bangkoks unter Wasser.

 Premierministerin Yingluck Shinawatra (Frau Dr. Feelgood), verteidigte die Party damit, sie würde das Vertrauen in das krisengeschüttelte Land erhöhen. Dazu wurde auch der königliche Chefberater, General Prem Tinsulanonda, eingeladen, unter dessen Schirmherrschaft die Festivität steht. Yingluck sagte, sie habe Prem eingeladen um zu zeigen, daβ alle Stützen der Gesellschaft bei der Unterstützung im Kampf gegen das Hochwasser vereint waren.

 Wirklich vertrauensbildend und dringend nötig für das Land, wären dagegen Maβnahmen, die geeignet sind das Ansehen der Zahlungsmoral der Nation zu verbessern, damit man nicht auch noch den Rest der Thai-Flieger zum Bodenarrest heranziehen muß. Ebenso würde die längst überfällige Unterschrift unter ein von den G20 Staaten gefordertes, wirksames Gesetz gegen Geldwäsche helfen. An wirksame Schritte gegen Siam‘s Protektionismus, oder die allmächtige Korruption im Land, glauben ohnehin nur noch Ampelträumer mit dem lebensmüden Blick einer Person, die jeglicher Hoffnung entsagt hat, je wieder nach Hause zu kommen.

 Oppositionsführer Abhisit sieht die Rechtfertigung für das Spektakel etwas nüchterner und kommentierte das Vorhaben mit den Worten: „Ich denke, die geplante glitzernde Feier würde die Gefühle einer Menge Leute, die von der staatlichen Misswirtschaft während der Überschwemmungen betroffen wurden verletzt“, sagte er.

 Mehrere Opfer warten noch auf ihre Entschädigungszahlungen, insofern ist dies nicht die Zeit für die Behörden zu feiern, fügte er hinzu.

 Eine Familie aus der Gegend am Ping River in Chiang Mai, wird das wohl ähnlich sehen. Deren Kommune war zwar nur 5 Tage überflutet, was dennoch erhebliche Schäden verursachte. Als das Wasser stieg wurden die Bewohner weder von der Regierung, noch von den lokalen Behörden gewarnt. Nachdem alles überschwemmt war, hat sich nicht ein einziger „Offizieller“ sehen lassen. Der Antrag der Familie auf die von der Regierung versprochenen Entschädigung  von 5.000 Baht (122,29 €uro!), wurde bisher nicht bearbeitet, weil die Unterschrift des zuständigen korrupten Beamten fehlt. Dieser leitet den Antrag nur weiter, wenn er mit 50 Prozent an der Entschädigung beteiligt wird! Die Familie lehnte das Angebot ab und wartet jetzt auf eine Entscheidung der nächst höheren Instanz, mit der Aussicht, auch noch den nächsten Beamten bezahlen zu müssen. Bisher wurden alle Appelle an andere Beamte ignoriert! Das ist bei Weitem kein Einzelfall.

Flutspaziergang in Burberry Boots Oct 2011… "I insist that the floods will only affect outer Bangkok and will not be widespread in other areas," PrimeMinister Yingluck Shinawatra

 Derweil ist Thailand dabei Wasser-Management Systeme zu implementieren, die etwa 9,4 Mrd. Dollar verschlingen werden, um eine Wiederholung der letztjährigen Hochwasserkatastrophe zu verhindern. Während die ansässigen Firmen dafür plädieren das Programm, wenn es denn eins gibt, zu beschleunigen, bitten Regierungsexperten darum, die Dinge nicht zu überstürzen. Man könnte glauben, es gibt Probleme bei der „gerechten“ Verteilung des Geldes.

 Offiziell beginnt die nächste Monsun Saison im Mai, aber schon jetzt regnet es gelegentlich heftig im Land, was tatsächlich außergewöhnlich ist und von ausländischen Experten als Indikator auf heftigen Niederschlag für den 2012 Monsun gewertet wird…

Aktueller Nachtrag:

 Die Zeitung THE NATION, gab am Morgen vor der Party noch einige Details zum PR-Flut-Wasserballett der Regierung bekannt.

 Die 10 Mio. Baht (244.626 €uro) teure Gartenparty für rund 500 geladene Gäste, unter dem Motto „Love Thailand, Forward Thailand“, entspräche 2000 überfälligen Entschädigungszahlungen á 5000 Baht!

 Das Budget der Party: 3.5 Mio Baht für Nahrungsmittel und 6.5 Mio. werden für Bühnenaufbau, Licht und Gage für das Orchester von der Mahidol University College of Music ausgegeben.

Erinnert an “Concordia-Havaria” Kapitän Schettino: „PM, Frauen und Kinder zuerst in die Boote!“

 3,5 Mio. Baht für das Catering, würden etwa 11.666 normalen Thais eine 30 Baht Mahlzeit bescheren. Man kann mit dem Betrag aber auch, wie vorgesehen, 500 Büffettfräsen vor die Herausforderung stellen, jeweils Köstlichkeiten der siamesischen Küche im Wert von 7.000 Baht auf den Designertellern zu jonglieren.

 Tongthong Chandransu, ständiger Sekretär des Prime Minister’s Office, sagte gestern gegenüber der Presse: „Hauptziel der Party ist die Anerkennung der Helfer, wobei das Entgegenkommen (Anmerk. der verfeindeten politischen Lager) wohl ein Nebenprodukt sein könnte.“

 Während eine Menge Leute, deren Namen während der Flut nirgends in der Rubrik der unermüdlichen Helfer auftauchte, anwesend sein werden, „konnten wegen der begrenzten Gästeliste nicht alle eingeladen werden“ bemerkte der Sekretär noch.

 Immerhin, diejenigen, die sich bei teilweise lebensgefährlichen Rettungsaktionen Verletzungen zugezogen haben und das Heer jener, die noch unter den Verätzungen durch das verseuchte Flutwasser leiden, können der rauschenden Ballnacht in einer Live-Übertragung am Fernseher beiwohnen.

 Wäre ich eingeladen, würde ich Frau Dr. Feelgood bitten, zur Unterhaltung eine Karaoke-Nummer, gewidmet den Mitarbeitern der FROC und anderer livrierter Helfer zum Besten zu geben. Bevorzugter Song wäre ein alter CCR-Titel: „Have you ever seen the rain.“  

„Hey Leute, nicht drängeln! Die nächste Flut kommt bestimmt und zur After-Show Party seid ihr dann auch alle herzlich eingeladen!“

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