„Maschendraht Zaun“ II

Scooter

 Er selbst nennt sich „Chopper.“ Nicht etwa weil er ein fettes Bike fährt, sondern weil es in seiner Heimatstadt Melbourne einen verstörten Massenmörder gab, der seine Opfer mit einem Hackbeil (engl. chopper) zerlegt hat und er diesen Freak in seiner Einfalt bewundert. Inzwischen wurde sein Name von der internationalen Community geändert. Man nennt ihn jetzt allgemein „Dorf Depp“, weil die deutsche Bezeichnung gerade bei den Englischsprechenden so gut ankam. Genaugenommen fährt er gelegentlich die geliehene 125 cc „Honda Dream“ eines Bargirls, um sich im 500m entfernten Nudelshop seine Plastiktütenmahlzeit zu kaufen. Angeblich war der Herr Marine  Offizier in der australischen Navy. Als ich ihn jedoch einmal nach dem Begriff Azimuth befragt hatte, wuβte er damit nichts anzufangen. Seitdem glaube ich (selbst ehemaliger Marinero), daβ er vielleicht einmal neben einem richtigen Seebären in einer Hafenspelunke gesessen hat.

 Nun ist es für Leute mit einem gewissen Rest-IQ kein Geheimnis, daβ viele der hier auftauchenden Konfliktnomaden sich mit einer Vita schmücken, die bei den Kurzzeittouristen immer ein „Ahhh und Ohhh“ auslösen. Selbst Leute, die einen IQ haben der kurz über dem eines Kaschmir-Pullovers liegt, behaupten in Thailand immer gerne, daβ sie vor ihrer Pensionierung die Stützen des CIA im Auslandseinsatz waren (siehe Grease), als Auftragskiller für den britischen Geheimdienst MI5 gearbeitet haben, oder zumindest vom KGB zum Einzelkämpfer ausgebildet wurden.  Wem es jetzt noch nicht dämmert, dem sei gesagt, Scooter ist dumm wie ein Brot. Er erinnert mich oft an ein IKEA-Regal,- er paβt eigentlich nirgendwo wirklich hin.

 Grease gab ihm den Spitznamen „Scooter.“ Das hat weder etwas mit Autoscootern zu tun, noch ist im amerikanischen Sprachgebrauch damit ein Kleinkraftrad (Moped) gemeint. Die Amis bezeichnen damit die Köter, die wegen ihres juckenden Hinterns immer auf dem Asphalt herumrutschen.

 Nach einigen Studien in den Bananenrepubliken dieser Welt, fragt man sich nicht mehr, warum und weshalb jemand ins Land gekommen ist, sondern eher, warum man ihn in seiner Heimat nicht mehr ertragen wollte. Scooter behandelt die Thai- und besonders die Thai-Frauen wie „Untermenschen.“ Er hat in meiner Nachbarschaft jede Frau angebaggert, pfeift Studentinnen und Bankangestellten mit dem begleitenden Spruch „Ey, du hast aber geile Titten“ hinterher und lacht sich sabbernd und besoffen ins Fäustchen, wenn man ihn als „Fucking Farrang“ bezeichnet. Mit so einem Benehmen stehen die Überlebenschancen, selbst in den Hangouts  der Kleberschnüffler in Melbourne’s verarmten Vororten, eher schlecht.

 Nun fragt man sich, wovon lebt so ein Vollpfosten im Land des senkrechten Lächelns? Obwohl er selbst nur über fragmentiertes Wissen der in der englischen Sprache so beliebten unregelmäβigen Verben verfügt, hat er es mittels eines getürkten TOEFL-Zertifikats aus der Khao San Road, zum Preis von 3000 Baht geschafft, einen Job als Englischlehrer an Land zu ziehen, um noch dümmeren Leuten „Business English“ beizubringen. Das gelingt nur in einem Land in dem selbst Uni Professoren der Fachrichtung Anglistik, ebenso wie der thailändische Auβenminister,  einen Dolmetscher zum Abendessen mitbringen, weil Ausländer am Tisch sitzen. Natürlich „lehrt“ er ohne Arbeitsgenehmigung ein paar Stunden in der Woche an einer Privatschule. Der absolute Knaller ist jedoch, daβ der Wortschatz- und Grammatikprolet demnächst einen Englisch-Kurs bei der Thai Army gibt. Yup, das sind genau die Leute, die seit Ewigkeiten vergebliche Ambitionen hegen, sich ein Atomwaffenarsenal zuzulegen.

Mittlerweile hat sich herausgestellt, dass der Dorf Depp keines seiner „Leerämter“ länger als zwei Wochen besetzen durfte. „Aber er lernt hinzu“ sagte jemand „inzwischen konnte er seine Anstellungen auf eine Woche herunterhandeln…“

 Einen weiteren Beweis dafür, daß er im Niveau-Casting durchgefallen war, erhielten wir als Scooter meine Frau fragte in welchem Puff sie denn arbeitet. Nun war die Messe für ihn gelesen! Wir stellten ihn vor die Alternative, sich in unserem Barrio nie wieder sehen zu lassen, oder sich ein paar katholische Elfmeter einzufangen, die ihn wünschen lassen, wieder als Kielschwein in der tibetischen Marine zu dienen. Zwei erbärmliche Versuche, nicht der Vereinsamung anheim zu fallen, gab es dann noch von ihm. Er entschuldigte sich für alles Mögliche, behauptete aber gleichzeitig nichts gesagt zu haben. „Ich kann eben euren Unterhaltungen über El Nińo und anderen Leuten in der Thai-Politik nicht folgen,“ war einer seiner Versuche. Neil meinte dazu trocken: „Du hattest in der Schule doch auch nur die Unterrichtsfächer Singen und Klatschen.“ Das letzte Mal sah ich ihn nachmittags um halb drei. Er fragte mich total besoffen im Vorbeigehen nach der Uhrzeit. Ich gab ihm die Information, und er fragte mich allen Ernstes, ob es halb drei nachmittags, oder morgens sei. Meine Antwort, daβ um halb drei Uhr morgens die Sonne meist nicht so hell scheint, entlockte ihm ein erhellendes: ja, stimmt! Mir fiel darauf ein Spruch von Groucho Marx ein: Du hast das Gehirn eines Vierjährigen und ich wette, der Knabe ist froh, daß er es los ist…

 Auch wenn Euch dieser blog post nicht so gefällt, habt Ihr immerhin einen Eindruck davon bekommen, von welchen Fachkräften die Thai Armee Englisch lernt.

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