Pattaya & Phuket – Traumziele der Selbstmörder

 „Nur für alle Fälle: sollte ich hier in Thailand sterben, dann ist die Todesursache ganz sicher kein Selbstmord!“

 …so lautet ein posting in einem Forum, zum Thema Ausländer-Selbstmorde im Land of Smiles (LOS). Ein Kürzel, daβ zumindest in den Touristenhochburgen auch in „Land of Suicides“ umbenannt werden kann.

 Offensichtlich besteht eine Kausalität zwischen unfähigen Ermittlungsbeamten und einer außergewöhnlich hohen Zahl an Todesfällen, speziell unter Auslandstouristen, von denen die meisten als „Selbstmorde“ klassifiziert werden. In Pattaya und auf Phuket sterben durchschnittlich in einem Monat mehr Leute beim freien Fall von Balkons und Hoteldächern (Lemming-Syndrom) als seit 1934 Klippenspringer (Clavadistas) in Mexiko! Ob es sich dabei um eine Art finale  Balkonbrüstungstherapie gegen Liebeskummer, oder eine Fensterrahmenhandlung der lokalen Mafia handelt, wird in den seltensten Fällen untersucht. Erstaunlich erscheint auch die Tatsache, daβ andere Touristenmetropolen, Hua Hin und auch Bangkok, kaum zu den bevorzugten Suizidrampen der Ausländer zählen.

Natürlicher Tod durch Messer & Gabel ist weniger bekannt

 Wann hat man zum letzten Mal (wenn überhaupt) in Europa davon gehört, daß sich jemand zum Freitod eine Plastiktüte über den Kopf zieht, um sich so endgültig seines schlechten Atems zu entledigen? Unter den Expats mit Höhenangst (Hypsiphobie), ist diese Variante -Tod in Plastiktüten- in Thailands Urlaubsorten jedoch außerordentlich beliebt. Eine stattliche Anzahl Houdinis unter den Lebensmüden, bringt das sogar mit auf dem Rücken gefesselten Händen fertig. Immerhin werden die niemanden mehr mit Bildern vom Thailandurlaub auf die Nerven gehen. 

Kalte Abreise- Jargon, wenn ein Hotelgast stirbt

Nicht nur mir fällt es schwer zu glauben, daβ eine so groβe Anzahl Männer jeden Alters eine Pauschalreise mit Rückflug bucht, zuhause den Koffer für vier Wochen packt, sich 11 Stunden in einen Touristenflieger setzt, um im Sonnenschein eines Urlaubsortes, möglichst spektakulär am Super Single Selbstmord Sonntag biologisch beiseite zu treten. Dabei gibt es doch Alternativen: laut einer Kriminalstatistik gab es im Jahr 2008 allein auf Phuket, 370 vollendete und 376 versuchte Morde. Da muβ man doch nicht ums Verrecken selbst Hand anlegen. Im Gegensatz zur Gemütlichkeit des Todes, mit dem traditionellen Fön in der eigenen Badewanne, geht dabei obendrein auch noch Erbmasse verloren. 

 Allein für 50 Australier wird Phuket jährlich das Foyer zur letzten Ruhe. Kaum anzunehmen, daβ die down under nicht genügend mehrgeschossige Hotels mit einem zünftigen Seniorenkatapult auf dem Dach haben.

Forensik als natürlicher Feind investigativer Thai-Polizeiarbeit

 Frau Dr. Phornthip Rotchanasunan, ist Pathologin, Autorin und Menschenrechts-Aktivistin. Und als ob das allein noch nicht ausreicht, um sich Feinde bei der Polizei zu machen, könnte man sie aufgrund ihrer Erscheinung, die absolut nicht dem thailändischen „business attire“ entspricht, auch als die Nina Hagen ihres Gewerbes bezeichnen. Punkfrisur mit blauen und roten Strähnchen, Schuhe mit Plateausohlen, schrille T-Shirts und enge Jeans gehören zum Markenzeichen der 56-jährigen Kadaver- Koryphäe. Nun hat in Thailand die Polizei fast totale Kontrolle über jeden Aspekt einer strafrechtlichen Ermittlung. In Kombination mit dem Ruf eines der korruptesten Organe im Land zu sein, kann man sich leicht ausrechnen, welche Ergebnisse von polizeilichen Untersuchungen, sofern sie denn stattfinden, zu erwarten sind. Um sie bei den „Boys in Brown“ gänzlich unbeliebt zu machen, ist sie als Frau nun ausgerechnet noch die einzige vertrauenswürdige und international anerkannte Forensik-Expertin in Thailand. 2003 wurde sie zusammen mit dem damaligen Puff-Besitzer und heutigem Abgeordneten,  Chuwit Kamolvisit, von der Zeitung „THE NATION“ zur Person des Jahres gekürt. In Umfragen nach vertrauenswürdigen Personen des öffentlichen Lebens im Land, nimmt sie seither unangefochten die Poleposition, weit vor jedem Politiker,- oder gar Polizisten, ein. Schon wegen der Kombination der Awardwinner, muß das jedem der zahlreichen Polizeigeneräle wie ein Schlag mit der „Schwarzen Lola“ in die Weichteile vorgekommen sein.

Khun Watson- Kombiniere, die Todesursache ist eindeutig Herzstillstand!

 Sie ist keineswegs respektlos gegenüber den bornierten Uniformierten, aber ihr berufliches Ethos läβt sie schon mal aufmucken. Etwa als 2006 ein Mann mit fünf (!) Kopfschüssen in seinem Haus gefunden wurde, und der Polizeibericht „Selbstmord“ als Todesursache angibt. Pornthip stellte die Umstände richtig und wurde prompt von der Polizei beschuldigt, sie sei publicitygeil und man verklagte sie wegen Verleumdung. Angesichts der fünf Geschosse im Kopf des Opfers, gab der Richter jedoch der Expertin Recht und wies die Klage ab. Da fragt man sich, ob man die erste polizeiliche Untersuchung einem Parkplatzwächter mit Krankenpfleger-Phantasien überlassen hat.

 1999 widersprach Dr. Death den „Ordnungshütern“ nachdem ein reicher Politiker, angeblich anstatt nach deutscher Manier zum Baden nach Genf zu fahren, oder im Möllemann Stil den Schirm zuzumachen, im eigenen Heim den Krepeur gegeben hat. Nach Obduktion und Spurensicherung kam sie zu dem Schluβ,  daβ der Herr durch nicht-ganz-Fremdeinwirkung devitalisiert wurde. Die Beweise reichten aus, um den Bruder des Toten zu überführen, worauf die Ermittlerin Todesdrohungen erhielt und einen Bodyguard engagierte. Wie sagte die Medizinerin einst so treffend? „Arbeit mit Menschen schafft immer Probleme und Konflikte. Arbeiten mit den Toten ist leicht.“ Vielleicht sitzt sie deshalb lieber vor ihrer pathologischen Schlachtplatte und obduziert…

Von Wegen letzte Ruhe und so...

 Soviel zu der möglichen Fehlannahme, daβ Thailands Polizei den Ben Hur nachdreht, bloβ weil ein pensionierter Landwirt aus der Pfalz in Pattaya oder Phuket, einheimischen Nachbarn den Prager Fenstersturz demonstriert, oder von einem 21-jährigen Ladyboy beim „Spiel mir am Glied bis zum Tod” gebarschelt wird. Und da Dr. Death eigentlich nicht für die Bagatellfälle zuständig ist, und nicht überall sein kann, käme sie wohl nur zum Tatort, wenn sich der Landmann mit einem  iranischen Speck-weg-Gürtel aus Ammoniumnitrat in Bang Cocks U-Bahn entleiben würde.

Sternstunden polizeilicher Ermittlungen

 Beginnen wir mit dem letzten Todesfall, der von Phukets Polizei als „Selbstmord“ behandelt wird. Ein 69-jähriger Mann aus Südafrika, der seit Jahren auf Phuket lebt, erhält per e-mail den Auftrag nach der Jacht eines Besitzers zu sehen, die 800 m vom Strand ankert, da ein Sturm erwartet wird und der Besitzer sicher gehen will, daβ die Jacht darauf vorbereitet wird. Auf Anrufe bekommt der Besitzer keine Antwort. Die Polizei wurde inzwischen  benachrichtigt, daβ ein Mann nach seinem Selbstmord tot auf der Jacht gefunden wurde. Die Polizei findet die Leiche mit einer Plastiktüte über dem Kopf in einer Koje. Nach Angabe eines lokalen Polizei Captain gibt es keine Anzeichen für einen Kampf und nichts wurde gestohlen.

  • Diese zusammengetragen Informationen reichen der Polizei aus, keine Obduktion anzuordnen.
  • Woher weiβ die Polizei, daβ nichts gestohlen wurde, wenn sie keine Inventarliste hat?
  • Seit Jahren werden ausländische „Selbstmörder“ bevorzugt in Pattaya mit Plastiktüten über dem Kopf gefunden. Niemand fragt nach einem Zusammenhang.
  • Es ist sehr unwahrscheinlich, daβ jemand sich zu einem Auftrag begibt, sich in eine Koje an Bord legt, sich eine Plastiktüte über den Kopf zieht und daran erstickt. Das hätte der Mann auch zuhause haben können.
  • Fazit: klassischer Fall von Freitod!
  • Da die Leiche erst nach vier Tagen gefunden wurde, hätte ein möglicher Mörder genügend Zeit gehabt alle Spuren zu beseitigen.
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  • Ein absoluter Knaller war der Fall, bei dem vor Jahren eine Leiche gefunden wurde, deren Kopf in einer Tasche an einer Brücke hängend gefunden wurde. Polizeilich bestätigte Todesursache: Selbstmord!

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  • Es wurde eine Leiche vor einem Hotel in Pattaya gefunden, die keinerlei Blutspuren aufwies. Trotzdem stand im Polizeibericht, daβ der Körper aus groβer Höhe vom Balkon eines der Hotelzimmer gefallen war. Todesursache: Selbstmord!

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  • Im Fall des Todes von David Carradine wurden auf Drängen der Familie britische Experten und Kriminalisten aus den USA  um Aufklärung gebeten. Sie bescheinigten der Thai Polizei einen schockierenden Mangel an Befähigung, schlechte Laboranalysen, Technik, Fähigkeiten der Gerichtsmediziner und schlechter Spurensicherung

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  • Sehr suspekt, der Brite Kevin Attew wird im Chaweng See tot aufgefunden. Trotz erheblicher Kopfverletzungen und Würgemale am Hals, lautet die Todesursache erstmal Suizid durch Ertrinken.

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  • 1996 wurde in Thailand ein neues System eingeführt, das dazu beitragen sollte Todesfälle aufzuzeichnen, ohne dabei die Todesursache medizinisch feststellen zu lassen. Seitdem wird selbst bei Opfern mit Einschuβlöchern im Kopf der Einfachheit halber gerne als Todesursache „Herzstillstand“ diagnostiziert.

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  • In fast der Hälfte aller Todesfälle unter Thais, wird die Familie nach der Todesursache befragt, die dann auch amtlich bestätigt wird. Ärzte haben jedoch ermittelt, daβ die „Familiendiagnose“ lediglich in 28 der Fälle zutreffend war.  In angemeldeten Fällen von Suizid, betraf die Trefferquote lediglich 4 %. Na, wenn das kein Grund ist als betuchter Rentner eine Thai im Alter der eigenen Enkel  im Isan zu heiraten…

Keine Sorge, bei der Kremation und etwas "Sanuk" sind sie sich alle einig über den gelungenen Freitod

So und nun muβ ich mich wohl auch so langsam etwas vorbereiten. Beim letzten Besuch der Braunen klopften sie an meine Tür um zu fragen, ob ich mit meiner Frau etwa ein illegales Kartenspiel in unseren eigenen vier Wänden am Laufen habe. Zeitgleich war die Annahmestelle für illegale Fussballwetten an der Rezeption des Appartmenthauses geöffnet. Das Wettbüro wird angeblich von einem ihrer Kollegen betrieben. Nach Einführung des „Computer Crime Acts“, nachdem man für so ziemlich alles belangt werden kann, werden sie wohl bei ihrem nächsten Besuch etwas andere Fragen vom mitgebrachten Formblatt ablesen. Und um mich der Aussage des Forum-Posters anzuschliessen: sollte ich in Thailand sterben, dann ist die Todesursache ebenfalls ganz sicher kein Selbstmord!

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