VORSICHT! Suvarnabhumi‘s braune Maden sind wieder auf Fresstour!

 In Ländern, deren Bevölkerung wenig Respekt vor Recht und Ordnung und nur untergeordnetes Interesse an bestehenden Gesetzen hat, ist es für Reisende oft schwer- wenn nicht gar unmöglich, die lokale Mafia in der Masse der Rechtschaffenden zu identifizieren. In vielen Fällen reicht jedoch ein Quäntchen gesunden Menschenverstands, bei der Selektion zwischen Gut und Böse aus.

 Wer etwa auf dem Bahnhof von Bukarest einen Herrn im ballonseidenen Jogginganzug, 240 Euro teuren Nike-Tretern und schwerem Goldkettchen mit zwei i-Phones hantieren sieht, kann sicher sein, daß er nicht mit Rumäniens Exportschlager Nummer 1 (siebenbürgische Wurst) handelt und nicht der Vertreter der Incoming Agentur der TUI ist.

 Noch einfacher ist es, Angehörige der Mafia eines Landes zu erkennen, wenn die größten Betrüger und Erpresser Uniformen tragen, die sie eindeutig von Pfadfindern unterscheiden.

 Jeder Traveller kennt den Spruch: „peel it, cook it, or forget it!” Wer jedoch Thailand vom internationalen Flughafen Suvarnabhumi verlassen möchte und beabsichtigt, noch schnell ein paar Mitbringsel im Duty Free shop zu kaufen, sollte sich auf den letzten Teil der Weisheit konzentrieren-

forget it!

 Nun, nach zweijähriger Pause, geht es also wieder los mit den Betrügereien und falschen Anschuldigungen wegen Ladendiebstahls, in den „King Power“ Duty free shops des ohnehin für Skandale und Scams bekannten Fluchhafens. Bei Ausländern unter den Namen Swampy, wegen der Lage in einem trockengelegten Sumpfgebiet bekannt, halten die Betreiber die Bezeichnung „Airport of smiles“ für den hub of scams, tatsächlich für angebracht. Die Bezeichnung „Klein Sizilien“, wäre aber zutreffender. Hier arbeiten Parkhaus-Mafia, Taxi-Mafia, Tourbus-Mafia, Dutyfree-Mafia, Gepäckdiebstahl-Mafia und korrupte Polizei in einer Vereinigung, die den Namen „Eintracht Palermo“ mit einer so prägnanten Webadresse wie: honestpoliceman@thaiairportscamartists.org verdient. Einzelheiten dazu bei wikipedia unter der Rubrik Irregularities.

...oder doch eher Runway der Tränen?

 So funktioniert der „Zig Zag“, oder „Monopoly-Scam“

 Der unglaubliche Betrug, bei dem arglose Touristen systematisch abgezockt werden, ist unter Begriffen wie „Zig Zag“, oder „Monopoly-Scam“ bekannt. Nicht etwa weil es um viel Geld geht, sondern weil man bei den Cops eine „Ereigniskarte“ kaufen muß, um aus dem Gefängnis zu kommen! Nachdem die Masche bereits 2008/9 weltweit für Aufregung sorgte, bei der Briten, Dänen und Iren zu Opfern wurden, hat es nun Inder, Singapurianer und Malaien erwischt. Sämtliche Auslandsvertretungen wissen über die Betrügereien Bescheid, aber nur drei warnten bisher ihre Bürger auf ihren Webseiten mit Reisewarnungen.

 Im November 2011 hat man dem Inder eine extra Schachtel Zigaretten in die Einkaufstüte gesteckt, von der er annahm, sie wäre Teil einer Werbeaktion. Kurz darauf wurde er wegen Ladendiebstahls festgenommen, zwei Tage auf der Polizeiwache inhaftiert und erst nach Zahlung von 30.000 Baht (710 €) an die Cops wieder entlassen.

 Mal ehrlich, nicht einmal der letzte Einsiedler-Yogi in den Western Ghats wäre so bescheuert, im Duty free shop eine Box mit 20 Päckchen aufzureissen, lediglich ein Päckchen zu stehlen, um es dann ausgerechnet in seiner Einkaufstüte zu verstecken, die er erst an der Kasse erhalten hat. Wahrscheinlich war der Inder nur Sparringspartner zum Warmboxen. In der Zelle der Wache bekam er zuerst Gesellschaft von einem Mann aus Singapoor, dessen Freilassung gleich 60.000 ThB = 1.420 € kostete, und anschliessend von einem Malaien, der mit 70.000 ThB = 1.656 €, bei Wasser und Sticky Rice als Tagessieger gefeiert wurde. 

 Neu eingestellte Thai Polizisten erhalten einen Lohn von 7.200 THB pro Monat (170 €) und ein Sergeant Major mit 13 Jahren Erfahrung bekommt ein Gehalt von 12.000 THB (285 €), plus 3.000 THB (71 €) Gefahrenzulage pro Monat, sowie 1.000 THB (23,60 €) als Rang Bonus.* Beförderungen in höhere Dienstgrade werden in den meisten Fällen gekauft. So, und nur so, ist es möglich, daß Polizei-Offiziere und Beamte der mittleren Laufbahn bescheidene Luxuskarossen-Fuhrparks und Anwesen besitzen, die selbst den transport- und architektonischen Ansprüchen eines Sommersitzes der Welthandelsorganisation, oder der FIFA, gerecht würden. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, daß der Job des Polizeichefs von Pattaya,- dem wohl lukrativsten des Landes- eine Million US Dollar (755.000 €) gekostet hat. Der Mann müsste das Alter einer Schildkröte erreichen, um diese Investition plus Zinsen von seinem Gehalt an seinen bevorzugten Kredithai zurückzahlen zu können.

Die Vorgehensweise der Cops ist immer ähnlich

 Alle Beschuldigten wurden damit eingeschüchtert, daß sie mit 6-monatiger Haft rechnen könnten, da es sehr lange Wartezeiten bei den Gerichten gibt. Der lebenserhaltende Bypass namens „Baht“, könnte jedoch die Warteschlange, oder sogar den Weg zum Gericht, umgehen. Der Gerechtigkeit halber muss man aber eingestehen, daß die Sparringspartner noch gut weggekommen sind. Ein Mr. Ingram aus Irland hat zu Blütezeiten des Scams 9.060 € hinblättern müssen. Nach Angaben eines für die Cops arbeitenden Sri Lanka-Junkies namens „Tony“, der sich den „Ladendieben“ als Übersetzer anbot und für die Cops als weiteres Einschüchterungsinstrument diente, war Ingram 2009 ledig ein Opfer unter über 100!

 Von  einer neuen Variante des bewährten Systems wurde Ende 2009 berichtet. An diesem Fall am Flughafen war ein westliches Paar beteiligt, bei dem man den Ehemann wegen Diebstahls eines Mobiltelefons und Make-up anklagte, die er angeblich von einer Flughafen Putzfrau gestohlen hatte. Nachdem sie bemerkte, dass sie „beraubt“ worden war, alarmierte sie die Polizei, die den Mann auf dem Flughafen festnahm. Doch anstatt den Fall des abreisenden Touristen zu beschleunigen, wurde er von der Polizei für den nach dem Strafgesetzbuch maximal erlaubten Zeitraum – von 84 Tagen- inhaftiert.

 Um die Dreistigkeit auf die Spitze zu treiben und im Thai-Stil ihre Betrügerei zu legalisieren, wurden viele Opfer nach der Zahlung an die Cops, trotzdem einem Gericht vorgeführt, wo sie zu vergleichsweise billigen Geldstrafen zwischen 2000 und 4000 Baht (47/ 94 €)  verurteilt wurden. Doch Vorsicht! Wer glaubt die 84 Tage in einer Thai-Zelle ohne wesentliche Schäden überstehen zu können, wird anschliessend wegen „overstay“ seines Touristenvisas zur Kasse gebeten.

Reaktionen der Regierung auf die Betrügereien

 „Wir sind sehr darüber besorgt“, sagte 2009 die damalige Sprecherin des Außenministeriums Vimon Kidchob, der Associated Press, nach Berichten der BBC. „Die Regierung von Thailand tut alles, um die Sicherheit der Touristen zu gewährleisten.“

 Im September 2009 erklärte der Präsident  der Airports of Thailand, Serirat Prasutanond: „Wenn wir erst einmal eine eigene Suvarnabhumi Polizeistation haben, die Verantwortung für den Flughafen übernimmt, um herumzigeunernde schlechte Menschen zu vertreiben, wird alles besser.“ Klingt nach: Bei Beschwerden call 1-800-who cares.

So könnte zukünftiger Thailand-Tourismus bald aussehen

 Stellt man aber die herumzigeunernden schlechten Menschen ein, um die Polizeiwache zu leiten, ist das nach politischen Unruhen, Flutkatastrophen, unverschämten Preiserhöhungen und einer unendlich langen Liste an Betrügereien gegenüber Touristen, eigentlich der letzte Sargnagel für den Thailandtourismus.

 Da muß die Frage erlaubt sein, wie viele Touristen werden eigentlich  in anderen Ländern wegen  Diebstahls in Duty free shops verhaftet, ohne daß man Diebesgut bei ihnen gefunden hat? Und wo ist es möglich, daß man nach Zahlung einer gigantischen Summe an Polizeibeamte (ohne Quittung), trotz angeblicher Beweise für eine Straftat, sang- und klanglos wieder nach Hause geschickt wird?

 Auch der ehemalige Transportminister, Sohpon Zarun, kündigte dazu an, dass die Maßnahmen, um künftige Flughafen Erpressung und  Betrug zu verhindern verstärkt werden. Das ging gerade Mal 1 ½ Jahre gut.

 Sein aktueller Nachfolger hat sich bisher zu den jüngsten Vorfällen (November 1011) nicht geäußert. Der hat ganz andere Probleme, nachdem man seinem ständigen Sekretär, Suphoth Sublom, zweistellige Millionensummen zweifelhafter Herkunft aus seinem Haus geklaut hat. Da kommt wieder die alte Weisheit „Der Fisch stinkt vom Kopf her“ in den Sinn.

Fazit:

Wenn die Englischkenntnisse nicht reichen...

  Wie erfolgreich die Touristenabzocke der Cops ist, zeigt das Beispiel der Kopien dieses Rezeptes. In der Soi Sukhumvit 24 treibt seit langem ein Polizei-Immitator sein Unwesen, um in täuschend echter Uniform (von seinem beamteten Bruder?), mit Waffe und Ehrenabzeichen, völlig unbehelligt von den echten Kollegen, vorbeikommende Ausländer wegen diverser angeblicher Vergehen und Verstöße um Beträge zwischen 2000 und 4000 Baht zu prellen.

 Wer also in Zukunft einen Aufenthalt auf Thailands Skandal-Fluchhafen nicht vermeiden kann, sollte zumindest die Duty free Shops meiden. Es sei denn, man ist Biologie Student und macht Feldstudien über Noctua pronuba (braune Maden…)

(*Quelle: Interview mit einem thailändischen Polizisten von Stephen Cleary).

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Eine Antwort to “VORSICHT! Suvarnabhumi‘s braune Maden sind wieder auf Fresstour!”

  1. Aber nicht nur dort findet es statt, sondern es scheint ebenfalls an der Grenze zu Laos zu passieren

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