Neues vom Planeten Phukit I

 Wer kennt nicht den Spruch, der bevorzugt in Krisenzeiten, seit Jahrhunderten aus den Mündern von Religionsprovidern in nahezu allen Sprachen der Welt auf die schweigenden Lämmer niederprasselt: „Glaube kann Berge versetzen“?

 Nun gehöre ich zu jener infidelen Minderheit, die nie Augenzeuge eines allein durch mentale Anstrengung in Bewegung geratenen Bergmassivs wurde. Aber ich kann damit leben. Tauscht man jedoch nur ein paar Buchstaben dieser klerikalen Durchhalteparole aus, beschreibt sie treffsicher eine Situation aus der realen Welt: „Gier kann Berge versetzen.“ Und das passiert tagtäglich irgendwo auf der Welt, wie das Beispiel Thailands größter Ferieninsel,- Phuket- zeigt.

 Wer aber ohne eine biblische Erklärung für Phänomene, wie sie in Gravitationslehre, Physik und Statik auftauchen nicht leben kann, der kann sich hier bedienen: Am Anfang war das Nichts und Gott sprach: „Es werde Licht“. Dann war da zwar immer noch nichts, aber jeder konnte es sehen!

Der Berg ruft: Timeshare irgendjemand?

 Während in Deutschland Erdrutsche eine der FDP vorbehaltende Domäne zu sein scheint, sind sie in den Tropen ganz natürliche Erscheinungen. In vielen Regenwaldgebieten muß man zirka 18 Meter tief bohren, um auf eine feste Gesteinsschicht zu stoßen. Der kontinuierlich kompostierende Regenwald schafft eine dicke Schicht Boden Ablagerungen, die den Kräften der Schwerkraft, Wasser und der Zeit unterliegen.

Da würd‘ ich nicht mehr tapezieren

 Wenn man lernen möchte, mit welchen Tricks man Bauvorschriften umgeht, geologische Gutachten modifiziert und mit einem dem Untergang geweihten Hanglage-Grundstück noch kurz vor dem Abrutsch Millionen kassiert, gibt es keine bessere Schule als Phuket. Das ist als würde man einem Kaffeefahrten-Magier die Backstage-Pässe für Houdini- und Copperfield-Shows in die Hand drücken. Gemessen an Bausünden und Raubbau an der Natur, kann man getrost behaupten: Phuket- eine Ferieninsel als Schurkenstaat. In vertrauter Dreifaltigkeit plündern korrupte Beamte, skrupellose Immobilienhändler und deren Kunden den Restwald und sämtliche Ressourcen der Insel, ähnlich der Meute des letzten „Hooligan-Sommerschlussverkaufs“ in den Elektronik-Shops Londons.

 Noch im Juli 2010 explodierten die Hanglagen-Grundstückspreise. Manche Immobilienhändler glaubten, das inselweite Verbot von Bauten über einer Höhe von 80m über dem Meeresspiegel, würde auf 100, oder gar 120m erweitert. Das wurde jedoch nicht umgesetzt. Es hindert aber offensichtlich viele Bauherren und entsprechende Beamte nicht daran, dieses Verbot permanent zu ignorieren. Allein die Bergkette im Rücken Patongs zählt mehrere Dutzend Häuser, Hotels und Spas, die deutlich über der Grenze liegen und deren Gewicht die Talfahrt der durchnässten Berghänge auf Dauer nur beschleunigen wird.

Neu auf der Insel: Immobilien-Surfing!

 Die Reaktion der Behörden auf die durch Bausünden forcierten Erdrutsche der jüngsten Zeit, ist gleich Null. Aber das war so voraussehbar, wie die zu erwartenden Talfahrten beliebter Immobilien. Der Schaden beläuft sich bisher lediglich auf 100 Mio. Baht (2,4 Mio. Euro).

 Wie sagt man so treffend: Das Lieblingsmöbel des Teufels ist die lange Bank. Wenn die Provinzverwaltung noch den einen oder anderen Monsun ausharrt, werden sich eine Menge der Hanglagen-Villen ohnehin und ganz von selbst zur genauen Bestandsaufnahme vor der Tür des Rathauses in Patong versammeln.

Das nennt man seit 1869 eine solide Hanglage ihr Deppen!

 Im Wang Nam Khieo Distrikt von Nakhon Ratchasima und dem Nadi Distrikt von Prachin Buri. hat man dagegen kürzlich 25 Resorts dem Erdboden gleich gemacht, die illegal im Nationalpark errichtet wurden. Insgesamt gibt es 116 Fälle von illegalen Bauten dort, von denen einige noch vor Gericht verhandelt werden. Es gibt Gegenden, da werden die Menschen durch entstandenen Schaden tatsächlich Klug. Auf Phuket nicht! Wenn man eines aus der thailändischen Vergangenheit lernen kann, dann daß Pyjamas beim  Einkaufen einfach scheiße aussehen. Aber was soll’s- Die Deutschen fahren schließlich ins Ausland, um auch mal andere Vorurteile kennenzulernen.

Nachtrag: 

 Vor Kurzem meldete sich der Direktor des Mineral Resources Department Geologie Office, Lerdsin Raksasakulwong, zu Wort. Unter den „Neuigkeiten“, die er zu verkünden hatte, waren Aussagen wie diese: „Die zunehmende Präsenz von Hotels in bewaldeten Gebieten sei die Hauptursache für Erdrutsche! In diesen Bereichen hat es in den vergangenen Jahren viele Erdrutsche gegeben, aber niemand spricht darüber, weil es dem Tourismus schaden würde. Wenn die Niederschlagsmenge 80 Millimeter in 24 Stunden übersteigt,  ist jeder an der gesamten Westküste der Insel von Erdrutschen bedroht.“

 Derweil wird an einem Hang mit 70% Neigung gegenüber der Moschee in Patong fröhlich weiter gebaut. Die Baustelle liegt für alle sichtbar ca. 150m über dem Meeresspiegel. In Patong wird gemunkelt, daß der Bauherr, ein ehemaliger Offizier, dort wahrscheinlich einen Tempel errichten wird. Nach dem Gesetz wäre dies erlaubt, denn für Tempel gilt das Verbot- keine Bauten höher als 80m über dem Meeresspiegel, nicht (!?)

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