Thai Logik: Ist der Flughafen trocken- ist alles OK

Bangkok Oktober 2011

 Wenngleich erste Reiseveranstalter in Europa bereits Thailand-Rundreisen abgesagt haben, gehen die Genies vom Tourismusministerium immer noch davon aus, daß die Überschwemmungen den Tourismus in der kommenden Wintersaison kaum beeinflussen werden. Als Gradmesser für die rosige Prognose der Herren mit der verstaubten Glaskugel, hält die Tatsache her, daß keiner der Flughäfen des Landes bisher unter Wasser steht. Natürlich kann jeder hier landen. Aber wie viele wollen die kostbarsten Wochen des Jahres in einem Land verbringen, daß mit den Folgen einer immensen Katastrophe beschäftigt ist?

 Wenn man betrachtet, wie den Behörden bisher nahezu jeder Versuch die Flutkatastrophe abzuwenden, buchstäblich durch die Finger rinnt, kommen berechtigte Zweifel auf, ob dieselben Leute in der Lage sein werden, den Folgeerscheinungen einer Jahrhundert Flut effektiv zu begegnen.

 Ich habe bisher in keinem Dorf des Landes eine Kläranlage gesehen. Also wo bleiben nach einer Flut all die Fäkalien aus Sickergruben und Abflussrohren? Rund 1000 Fabriken stehen mehr oder weniger unter Wasser, aus deren Lagerhallen und Fabrikationsstätten keineswegs nur Instantnudeln und Fischsoßen in die Fluten gelangten. Kein Mensch weiß, wie viele Tierkadaver im Morast vergammeln werden und wie viele illegale Mülldeponien ihre Inhalte frei geben, die über kurz oder lang wohl doch in den Golf von Thailand fließen. In vielen Stadtteilen Bangkoks riecht das Leitungswasser auch ohne Flut bereits wie Laternenpfahl ganz unten. Wie sagt man so salopp: Choleri-Cholera, da stehen die Chancen nicht schlecht, daß die Strandliege nebenan demnächst von Schwester Ebola & Co. besetzt ist.

Schicke Brücke über den Chao Phraya. Das ist wie mit den kurzen Röcken der Bargirls: Wie es darunter aussieht interessiert keinen mehr

 Wie die Zeitung „The Nation“ berichtet, haben bisher 516 000 Menschen Hilfe bei mobilen Sanitäts- und Ärzte Teams gesucht. Laut Aussage des ständigen Sekretärs des Gesundheitsministeriums, leiden viele Flutopfer bereits unter Pilzerkrankungen, Muskelschmerzen, Grippe, Hautkrankheiten und Kopfschmerzen. 190 Familien suchten psychologische Hilfe, nachdem Familienangehörige durch die Flut getötet wurden. 4723 Leiden unter enormen Stresserscheinungen, über 5000 entwickelten Depressionen und 679 gelten als akut selbstmordgefährdet.

Bangkok Bahnhof Hualampong Flut 1942

 Die Tatsache daß der, zugegebener Maßen außergewöhnlich starke Monsun, zu einer Katastrophe für zwei Drittel des Landes wurde, kam nicht aus heiterem Himmel. Bereits 1942, hat es das Land ähnlich schwer erwischt. Damals hielten sich allerdings Bausünden, Vetternwirtschaft, Korruption, Missmanagement in der Wasserwirtschaft, Rodung der Regenwälder und Fluss Vertiefungen noch in Grenzen. Fast 70 Jahre sind seitdem vergangen. Ein Zeitraum, der eigentlich den 50 (!) Regierungen seit Feldmarschall Phibul Songkhram (10. Regierung seit 6. März 1942) bis Yingluck Shinawatra (60. Regierung seit 5. August 2011), genügend Spielraum eingeräumt hat, um das diesjährige Desaster zu verhindern.

 Bis es in Thailand zu einem von oben bis unten koordinierten und nicht von Familienzugehörigkeit, Hierarchie und mangelndem Fachwissen bestimmten Katastrophenschutz kommt, wird wohl noch mehr Wasser den 372 km langen Chao Phraya River herunter fließen, als den Bewohnern des Landes lieb sein kann.

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