Führer Furore, (Miss)Bildung und Thai-Gefühle

 Wer erinnert sich nicht an die Posse um den Thai-Flieger auf dem Münchner Flughafen, dem vom Insolvenzverwalter der Walter Bau AG und einem deutschen Gericht die Flügel gestutzt wurden? Niemand wird gerne an seine ausstehenden Schulden erinnert, aber es bleiben Schulden. Es gilt das Prinzip: Unkenntnis der Gesetze schützt nicht vor Strafe. So ist es eben, wenn man Geschäfte mit einem Land macht, das nicht zu den Bananen-Republiken zählt. Das müssen notfalls auch erlauchte „Erdbeerpflücker“ erfahren.

 Kein Geringerer als der damalige Außenminister, Kasit Piromya, hatte die ˶Cochones“ in einem Interview mit der Bangkok Post eine „Warnung“ an die Adresse Deutschlands zu richten, weil sich die Freigabe des Fliegers verzögerte. Zitat:

 „If this takes too long it might affect the feelings of Thai people towards German people and the country because this is related to the monarchy,“ he warned. Das kommt aus einer Nation, in der Fahrgäste in Taxis vor Warnschildern sitzen, die sie dazu auffordern während der Fahrt nicht zu furzen!

Thai Feinfuhligkeit par excellence…

 So, spätestens seit dieser offiziellen Äußerung wissen wir, die Thais haben also Gefühle, die allzu gern und häufig von anderen Nationen verletzt werden. Neben den- aus Thai-Sicht- notorisch takt- und gefühllosen Nachbarländern wie Kambodscha, Laos, Burma und Malaysia, zählte nun auch die Bundesrepublik dazu. Dieses nationalistische Gegacker findet immer dann statt, wenn sich die große Nation Thailand, mit all ihren herausragenden Dichtern und Denkern, großartigen Erfindern, den einzig wahren Hütern der Moral, des (bequem modifizierten) Buddhismus (oder heißt es „Bahtismus?) und des Hub of Hubs, mal wieder diffamiert fühlt. Der Drill zum Nationalismus, oder Nationalstolz, beginnt spätestens am ersten Schultag. Auf Fragen, worauf man denn als Thai explizit stolz sein könnte, bekommt man aber so gut wie nie eine erklärende Antwort.

 Nun ist Sensibilität aber eben keine Einbahnstraße. Hier ein Beispiel dafür, wie takt- und gefühlvoll der gemeine Thai im Umgang mit anderen Nationen ist:

Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun! Weil ihre Lehrer zu ungebildet sind!

 Ausgerechnet in der Sacred Heart Catholic School in Chiang Mai, fand anlässlich des jährlichen „Summer Sports Day“ eine Parade von Schülern in Nazi Uniformen, mit Plastik-Maschinenpistolen und Hakenkreuzfahnen statt. Angeblich wollten die Schüler bei der Parade mit Fanfaren und eingeübten Stechschritt Eltern und Lehrer überraschen, was besonders unter den Eltern ausländischer Schüler gelang, die dem Treiben mit offenen Mündern zusahen.

Wenn red shirt Proteste keinen Kick mehr geben, muss eine Nazi-Parade her

Euer Idol hätte euch wohl einen anderen Finger gezeigt. Bereits 1935 verbot die Gestapo Juden und Ausländern die Reichs- und Nationalflagge zu hissen oder die Reichsfarben zu zeigen.

 Angeführt wurde die Parade von einer jungen Schülerin, die als Hitler Double mit Bärtchen, vor Mitschülern in selbstgemachten, nachempfundenen SS-Uniformen marschierte, die die Menge mit ˶Sieg Heil“ Rufen und dem Hitlergruß zu unterhalten suchte. Daß ihr Idol sie als „Minderwertige Rasse“ angesehen hätte, tut der Verehrung dieser Dumpfbacken keinen Abbruch. Eindeutig als Nazi Embleme zu identifizierende Hakenkreuze (schwarzes Hakenkreuz auf weißem Grund vor rotem Background), auf T-shirts, die auch schon gerne mal am Schalter von BTS Angestellten getragen werden, Hakenkreuz Tätowierungen, Motorradhelme mit SS Runen und Hitler Portraits in der Werbung, gehören zum Thai Alltag. Nun wird das von einigen Locals gerne damit begründet, daß es sich bei „Swastika″ um ein altes religiöses Symbol handelt. Stimmt,- aber eben nicht in der zuvor erwähnten Farbgebung!

Zugegeben, manchmal ist es in Asien nicht leicht die Symbolik auseinander zu halten:

Es soll Leute geben, denen ein gewisser Unterschied nicht entgangen ist

Einige nennen Singapur schlicht: Hitlers kleines Paradies

 Am 29. September haben die zuvor mit dem Hitlergruß beschäftigten Arme etwas zurückgerudert. Das geschah wohl weniger aus plötzlicher Einsicht der katholischen Pãdagogen, sondern dem allgemeinen Medieninteresse, daß die Aktion von England (Daily Mail) über die USA (CNN) und Frankreich (AFP), bis hin zum Simon Wiesenthal Center und der Botschaft Israels erweckte. 

Hitler Reklame des Wachsfiguren Kabinetts

 In der offiziellen Entschuldigungs-Erklärung der Schule hieß es, daß es sich bei der Parade um einen internen „Sport Tag“ handelte, bei dem das rote Schulteam das Hakenkreuzthema wählte, weil es eben auch einen roten Hintergrund hat. Eine Erklärung, die angesichts der SS-Uniformen und Plastik Maschinenpistolen fast noch dümmer erscheint als der Auftritt der „unwissenden“ Schüler. Auch hier scheint wieder die alte Weisheit zum Tragen zu kommen: Der Fisch stinkt vom Kopf her!

 Die Nazi Verherrlichung ist kein Einzelfall in Thailand, wie der Rabbi Abraham Cooper, vom Wiesenthal Center bekannt gab. Bereits 2007 habe es einen ähnlichen Fall gegeben und auch die Bannerwerbung mit Hitler-Portrait des Wachsfiguren Museums in Pattaya ist nicht vergessen. Sie wurde erst auf öffentlichen Druck, unter Anderem einer Beschwerde der deutschen Botschaft, demontiert.

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