Vom Paten der Puffs zum Polizistenschreck

Thailand’s Äquivalent zu Deutschlands Milieu-Größe Karl-Heinz Schwensen („Neger Kalle“), stieg in wenigen Wochen zum beliebtesten Abgeordneten auf. Eine  von der Abac Assumption University veröffentlichte Umfrage ergab: 90,7% von 1.500 befragten Einwohnern Bangkoks sind von der politischen Arbeit Chuvit Kamolvists beeindruckt. Es ist nicht bekannt, dass vor ihm jemals ein anderer Abgeordneter so eine Akzeptanz in der Bevölkerung erfahren hat!

Tja, Karlchen, so ist das wenn Streetlife erfolgreich auf  Politik trifft!

Für die meisten Thai gilt er wegen seiner schon binnen eines Monats gezeigten Leistung als aufgehender Stern in der Thai Politik. Die Bürger sagten, er solle auf jeden Fall zur Preisgabe der Wahrheit dem Parlament erhalten bleiben.

Schon beim ersten Auftritt fliegt der Provokateur Chuvit mit Polizeiaufgebot aus der Parlamentssitzung, weil er die Sitzordnung bemängelte, um kurz danach aber wieder zur Abstimmung eingeladen zu werden. Bei seiner Rückkehr überreichte er dem "house speaker" einen neuen Auktionator Hammer.

Chuvit legt in einer Zeremonie einen Eid ab die Korruption zu bekämpfen

 Die Presse feiert ihn schon als siamesischen „Robin Hood“. Gegen diese spektakuläre Wandlung vom Puff-Paten zum Parlamentarier erscheint die deutsche Variante „ehemaliger Steinewerfer und Aushilfs-Taxifahrer wird Turnschuh-Minister“ fast schon etwas bieder.

Nach dem 2010 Korruptions Index Bericht, der Berliner Transparency International, rangiert Thailand auf Platz 78 von 178 der bestechungswilligsten Länder. Damit liegt das Königreich hinter Namibia und El Salvador, aber etwas vor Ländern wie Liberia und Guatemala. Eltern bestechen Lehrer, wenn ihre Blagen zu dumm sind ein Examen zu bestehen, es gibt kein amtliches Dokument, das man nicht kaufen kann und die ständig offenen Hände der Polizei sind so legendär wie das Lächeln der Thais. Da muβ einem der Don de Don aus der Unterwelt, der offen die Korruption anprangert, wie ein Messias erscheinen.

Wie kam es zu diesem wohl einzigartigen Aufstieg?

Thailands neuer Saubermann

 Bangkok, die Millionen-Metropole in der sich Chuvit zweimal vergeblich um den Posten des Gouverneurs beworben hat, ist so eine Art Sodom und Camorra, das in erster Linie von einer  Politik der offenen Hand geprägt ist. Anfänglich rümpfte die „feine Gesellschaft“ Korruptistans die Nase über die politischen Ambitionen des inzwischen 50jährigen ehemaligen „Königs der Zuhälter“, wie man ihn gern bezeichnete.

 Überall auf der Welt wundert sich das Wahlvolk darüber, wieso etwa Anwälte Landwirtschaftsminister werden, oder ehemalige Verwaltungsbeamte das Kulturministerium übernehmen, während man von Regierungssprechern einen journalistischen Hintergrund erwartet.

 In Thailand ist inzwischen ein IT-Ingenieur Aussenminister geworden, der über keinerlei diplomatische Erfahrungen verfügt (Westerwelle Thai Style) und ständig einen Dolmetscher im Schlepptau hat, weil seine Englischkenntnisse nicht ausreichen. Umso erfrischender empfindet man nun einen Ellbogenpolitiker, der in seinen aktiven Jahren als Bordellbesitzer 300.000 US Dollar im Monat als Schutzgeld an die Polizei bezahlt hat, und einen Kreuzzug gegen die allgegenwärtige Pest der Korruption antritt. Der Mann muβ sich seine Milieu-Studien und Sachkenntnis  nicht anlesen, der weiβ wie kein anderer, wer wann wo die Hand aufhält. Nebenbei hatte Chuvit ständig eine Kollektion Rolex Uhren im Schreibtisch, damit uniformierte Besucher nicht vergessen was die Stunde geschlagen hat, wenn sie mit VIP-Pass eines seiner Miezhäuser besuchten.

Chuvit’s erster Streich als Abgeordneter

Chuvit zeigt, was er unter „PowerPoint“ Präsentation versteht

 Kein Thai- und schon gar kein Politiker- hat wohl jemals damit gerechnet, daβ ein Abgeordneter den „old boy’s club“ im Parlament aufmischt und mit geradezu grotesken Ambitionen nach Loyalität und Unbestechlichkeit nervt. Da platzt der „Hinterbänkler“ doch unvermittelt in die Abgeordneten-Versammlung und präsentiert Fotos und Video von turnhallengroβen illegalen Spielcasinos, die mitten in Bangkok und unter den Augen der Polizei, mit einarmigen Banditen die Baht aus den Taschen der Spielsüchtigen saugen. Die geschätzten 700.000 bis 1 Million illegalen Spielhöllen im Land generieren zwischen 14,8 und 19 Mio. € pro Jahr, von denen 5 bis 20% als „Schutzgelder“ an die Jungs in Braun fliessen. Prostitution, Drogenhandel, Handel mit Schmuggelware, Produktpiraterie, Waffenhandel, Schmuggel von Diesel und Menschenhandel gehören ebenfalls zu lukrativen Nebeneinkommen der Polizei. Es war sofort klar, daβ es wohl selbst für die immer hinter solchen Geschäften steckenden „einfluβreichen Personen“ schwierig werden dürfte, sich da herauszureden. Aber es kam noch schlimmer. Bei der von höchster Stelle angeordneten Untersuchung konnte die Bezirkspolizei die Spielhöllen auch nach dreitägiger Suche nicht ausfindig machen. Kaum zu glauben, daβ Chuvit die Adressen für sich behalten hat.

 Wenige Tage danach erschien der Kreuzzügler mit einem neuen „Vorsicht Kamera Clip“ in dem gezeigt wurde, wie die Casio-Einrichtung mit Lastwagen in eine entfernte Lagerhalle verbracht wurde. Auch diese Nacht- und Nebel Aktion blieb der Polizei angeblich verborgen. Vorläufiges Ergebnis: Hinter der Bühne streitet nun die Regierung darum, ob jetzt ein paar Köpfe in Richtung „inaktiver Positionen“ rollen und der ohnehin ungeliebte Landes-Polizeichef seinen Schreibtisch an einen Verwandten der Shinawatra Familie abgeben muβ. Die Nummer mit den „inaktiven Positionen“ bei gleichem Gehalt, ist die übliche Thai-Prozedur, wenn man Polizisten ertappt hat, die sich innovativer Finanzierungsinstrumente bedienen.

 Erstaunlicher Weise hat bisher  hat noch keiner der Braunen behauptet: Ich kann nichts, ich bin nichts, bitte gebt mir eine Uniform und ich beweise, ich kann auch zwei oder drei dieser inaktiven Jobs bewältigen.

Wahlkampf des „zornigen Mannes“

Wahlkampfposter mit "Moto Moto". Der will nicht spielen, der will nur beissen!

 Daβ Chuvit kein „Leichtmatrose“ ist, hätten seine neuen Kollegen schon am Wahlkampfstil des Vorsitzenden der Rak Thai Partei (Liebe Thailand Partei) erkennen können. Mal war er als, „Der zornige Mann“ auf Plakaten mit einem Baby in Windeln zu sehen, darunter der Spruch: „Politiker sind wie Windeln, man muβ sie wechseln, sonst wird es zu schmutzig!“ Oder der Oberlippen-Bärtchen Träger mit dem kantigen Gesicht, der eher einem mexikanischen Mariachimusiker als einem Thai ähnelt, lieβ sich mit seiner Bull Dogge „Moto Moto“ fotografieren- Text des Plakats: Ehrlichkeit, Vertrauenswürdigkeit – „Warum finden wir das bei Hunden?“ In Radiospots für seinen Wahlkampf hörte man keinen Geringeren als „Carabao“, Thailands Rockstar Nr. Eins sagen: „Hier kommt Chuvit“ bevor er eines seiner Gitarrensoli zum Besten gab. Dagegen sahen viele Mitbewerber ziemlich alt aus. 

...und dann hat's booom gemacht!

Talkshow- Wenn alles gesagt ist…

 Klar, daβ der neue Kandidat der Liebling in Talkshows wurde, Seine Offenheit, verrückter Sinn für Humor und furchtlose Angriffe auf vermeintliche Bonzen garantieren hohe Einschaltquotenwenngleich er Jahre zuvor einmal einen Moderator, der sich nicht an die Interview Absprache gehalten hat und vor laufender Kamera Strategiepläne Chuvits verriet, gleich nach der Show mit dem Ellbogen KO geboxt wurde und auch noch einen Tritt erhielt. Chuvit entschuldigte sich später und zahlte eine Strafe von 500 Baht, die er jedoch freiwillig auf 2000 Baht erhöhte. 

Verhaftet, auf Kaution entlassen und nach drei Jahren freigesprochen

 Zu spekulieren, ob Chuvits Kreuzzug gegen korrupte Beamte ein Rachefeldzug gegen die Polizei sein könnte, ist so absurd, wie die Tatsache, daβ das Wort „Paradies“ aus dem heutigen Iran stammt. Der Mann besitzt eine Hotelkette und ist so reich, er und könnte den Rest seiner Tage mit seiner hübschen Tochter Trakarnta (17), auf Golfplätzen rund um den Globus verbringen. Obwohl, Grund genug hätte er für ein paar paybacks.

Wie war das noch? ...der werfe den ersten Stein?

 Anfang 2003 wurde Chuvit beschuldigt mit 600 angeheuerten Männern (es wird gemunkelt es waren Soldaten), auf dem „Sukhumvit Sqare“, ein Grundstück das ihm gehört, mehrere (bis zu 120) hier errichtete Bars, Geschäfte, darunter ein Reisebüro und eine Wäscherei, geräumt und plattgemacht zu haben. Den Mietern wurde von einer Vermieterfirma gesagt sie besäβen einen gültigen Mietvertrag, was nicht der Fall war. Ausgerechnet der damalige Premier Thaksin, ehemaliger Polizei Oberst, mischte sich mit markigen Worten persönlich in den Fall ein: „Wir werden keine Mafia-Herrschaft in Thailand tolerieren. Die Regierung wir keine Ausnahme machen, wenn es darum geht diejenigen zu bestrafen, die an der Shukhumvit Square Anarchie beteiligt waren. Egal, wer sie sind oder mit wem sie vernetzt sind, die Gesetze werden gegen sie angewendet werden.“ warnte er. Fataler Weise folgte der Satz: „Einfluβreiche Leute können nicht die Polizei benutzen, um ihre Probleme zu lösen.“

 Die Erwähnung der Polizei war keine gute Idee, denn nun behauptete Chuvit zuvor Polizisten für die „offizielle Räumung“ seines Grundstücks bezahlt zu haben. Als der Fall öffentlich bekannt wurde, verlangten die Beamten jedoch mehr Geld, was Chuvit ablehnte. Die Cops stellten sich gegen ihn, worauf er eine Liste mit den Namen aller hochrangigen Polizisten veröffentlichte, denen er in 10 Jahren rund 12 Mio. Baht (ca. 280.000 €) bezahlt hat. Bingo! Kurz darauf wurde Chuvit wegen seiner Massage Salon Geschäfte verhaftet und verbrachte einen Monat im Gefängnis. Chuvit wurde gegen Kaution entlassen und nach drei Jahren von allen Vorwürfen freigesprochen. Nach seiner Entlassung fügte er auch noch einige Gefängniswärter seiner Liste der Bestechungsgeldnehmer hinzu.

 Die Pointe der Posse ist jedoch, daβ Chuvit das erste Sahne Grundstück für ein paar Millionen in einen öffentlichen Park umwandelte. Heute ist das groβe Tor jedoch tagsüber geschlossen. Vielleicht hat den Besitzer der Anblick von gelegentlich dort dösenden Polizisten während ihrer Streifenpause gestört.

 In einem Land in dem schon jedes dritte Erst-Liga Fußballspiel in eine zünftige Schlägerei ausartet und man Polizisten das Aggressionspotenzial von Baumschützern nachsagt, muβ man da mit solchen Enthüllungen nicht Angst haben? In Thailand sind schon ganz andere Leute unter ungeklärten Umständen gebarschelt worden. Einige Expats befürchten schon, wenn der´s nicht hinkriegt, geht er mit’m Fön baden. Chuvit sagt, er fürchtet, „zu verschwinden“ und behauptet, er wurde bereits im Jahre 2003 entführt, als er erstmals seine Korruptionsvorwürfe äußerte. Da kann man dem Mann nur wünschen, daβ seine Liste mit den schwarzen Schafen kühl und trocken gelagert ist… 

"Angry Man" Das ist Bangkok- nicht Brixton!

Chuvit Quotes:

“Everybody has dreams, mine is that one day my country will really fight corruption. Today corruption is everywhere in Thailand, but Thai society does not encourage people to come forward and take position as individuals.“

Patpong, he said, is symbolic of the nation’s hypocrisy: A part of society „which everybody outside Thailand knows — but no one (here) accepts.“

„No one accepts even that they have sex in Thailand, that they have a sex business,“ he said, shaking his head. „The Thai people always, you know, they always smile as you can see, but they never talk the truth.“

„The constitution does not state that political parties with fewer votes have to sit at the back.”

Zur Person:

Chuwit Kamolvisit am 29. August 1961 als Sohn eines Hong Kong Chinesen und einer Thai geborener ehemaliger Bordell-König von Bangkok, besaβ ein halbes Dutzend „Massage Parlours“ mit wohlklingenden Namen wie „Copa Cabana“, „Honolulu Loveboat“, „Hi Class“, „Emmanuelle“, „Julianna“ oder „Victoria’s Secret.“

Heute besitzt er die Davis Group mit Luxus Hotels und Resorts in Thailand, die ihm einen Umsatz von 1 Billion Thb (23 mio. Euro) bescheren.

Er verfügt über einen Abschluβ der Thammasat Universität in Handel und Rechnungswesen. In den 80er Jahren verbrachte er eine Zeit zum Studium an verschiedenen Colleges in den USA, die er ohne Abschluss verlieβ. Ein Aufenthalt, der ihm aber einen ordentlichen Geschäftssinn nach amerikanischen Muster und eine im dortigen Showgeschäft unabdingliche „groβe Klappe“ vermittelten.

2004 Kandidat für den Posten des Gouverneurs von Bangkok (Ergebnis: abgeschlagener 3er  Platz)

  • Die englischsprachige Thai-Zeitung THE NATION wählt ihn als einen von       zwei  Kandidaten zur Person des Jahres 2003
  • Chuvit verkauft die ersten drei seine Massage Salons

2005 für 4 Jahre ins Thai Repräsentantenhaus gewählt

2006 nach einer dreijährigen Untersuchung wurden Chuwit und 130 Mitarbeiter von der Anklage der Räumung von illegalen  Bars auf seinem Sukhumvit Grundstück freigesprochen.

2008 erneute erfolglose Kandidatur als Parteiunabhängiger zum Gouverneur

2011 gewann er mit vier Kandidaten seiner Rak Thailand (“Love Thailand”) Partei bei den Parlamentswahlen im Juli vier Abgeordnetensitze. Man kann davon ausgehen, daβ nicht nur seine ehemaligen 600 bis angeblich 1000 Erektions-Managerinnen, die in so genannten „fishbowls“ mit Nummern am Bikini anschaffen gingen, für ihn gestimmt haben.

Chuvit Fan Club: http://chuvitfanclub.blogspot.com/2011/07/chuvit-kamolvisit-wiki.html

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