Essen Sie sich zum multiplen Orgasmus! (softcore)

„Schwoche sprach zu seiner Schwochen, mußt du den ewig Goulasch kochen? Sie sagt zu ihm: na bitte, bitte, ißt du halt ‘ne Plockwurstschnitte. Ach, zulange hab’ genug vom Brot ich, essen wir doch mal exotich! Darauf geht er mit seiner Frau Essen bei Herrn Sing Man Tau…”

Aus Ulrich Roski’s “Die frühen Verse der Gerda Schwoche”

Essen bei Fau Sing Man Tau 

(Teil I – Die softcore Variante – hardcore folgt…) 

Es war im vergangenen Dezember, Singapoor, locker bewölkt, 31 Grad und die Luftfeuchtigkeit beträgt 98 %. Eigentlich müsste man da doch schon durch Kiemen atmen.- oder?

 Die erfreuliche Nachricht für alle figurbewußten Besucher der überdimensionierten Verkehrsinsel: Die Bierpreise in den Kneipen sind auf skandinavischem (vor Steuer) Niveau geblieben: Eine ordentliche Hopfenknolle kostet mittlerweile in jedem Glasbier-Fachgeschäft mit Minimal-Ambiente 14 Sing $ (über 8 Euro). Wer hier mit ´nem Bierbauch herumwalzt, outet sich zwangsläufig als Erbschleicher.

 Dafür kann man bei Frau Sing Man Tau- oder wie die Reisbällchen sonst so heißen- zum gleichen Preis hervorragend essen. Wer die Namensgebung schon für diskreminierend hält, schaut am besten hier rein: http://wahnsinnausdemwok.blogspot.com/2010/11/herzlichst-ihr-elvis-banana-wong.html

Tanjong Pagar Rd. Nödel Nüdel Sukiyaki bringt ein Girl auf Kawasaki...

 Zum Abendessen bevorzuge ich den Laden von Madam Wu, in der Tanjong Pagar Road. Tagsüber sehen die bunten shop houses in Singapur’s Chinatown ja schon abenteuerlich aus. Nachts bekommt jeder Freigänger auf Pille den absoluten Farbflash. Erstaunlich, daß man mit Neon so eine Farbenpracht erzeugen kann. Vielleicht sind hier deshalb sämtliche Drogen strikt verboten. Nach dem Genuß eines hier ursprünglich traditionellen Opiumpfeifchens, würden so manchem chinesischen Opa beim Anblick der Fassaden wahrscheinlich die Augenbrauen hochkannt stehen.

 Zurück zum Laden von Madam Wu, wo die Dumplings (Asiens Variante von schwäbischen Maultaschen oder italienischen Ravioli) mit verschiedensten Füllungen noch mitten im Restaurant hergestellt werden. Der Teigwaren-Dompteur arbeitet hinter einer beweglichen Glasscheibe gleich neben dem Eingang, um beim Ziehen und Herumwirbeln des Nudelteigs zu vermeiden, daß sich hereinkommende Gäste darin verheddern. Könnte das der Ursprung der vielfältigen Füllungen sein? Na, lieber nicht dran denken.

Stark reduzierte 7 Köstlichkeiten: Wenn Oral-Sex in Singapoor schon verboten ist, dann doch wenigstens am Hirschdiddel lutschen...

 Eine Mahlzeit bei Oma Wu stimuliert gleich mehrere Sinne getreu dem Motto: Das Auge ißt ja auch mit! Im nur ein paar Straßen weiter gelegenen Imperial Herbal Restaurant, werden die Augen tatsächlich mitgegessen. Und zwar von allem was Flügel und Saugnäpfe hat, surrt oder wenigstens zirpt, auf Schleimspuren glitscht und hinter Baumrinden wohnt. Die spitzen Schreie der Touristinnen, wenn sich einer der chinesischen „Herbal Cuisine Verdauungskünstler“ am Nachbartisch vor den Augen seiner minderjährigen Konkubine einen potenzfördernden Hirschpenis an Ginsengwurzel auf der Zunge zergehen lässt, sind legendär! Dagegen erscheint die Borneo-Spezialität, rythmisch pochendes, weil noch lebendes Affenhirn zu essen, nachdem man den Primaten wie ein Frühstücksei entschädelt hat, anzumuten wie ein Stunt beim Kindergeburtstag bei Mc Donalds. Ihr glaubt es nicht? Dann schaut mal hier rein: http://www.imperialherbal.com/ (Singapore#03-08, Lobby G VivoCity) Die „offizielle” Speisekarte wurde nach dem Umzug ins Nobelviertel inzwischen drastisch entschärft!)

Das kann der Euro Gaumen ja noch nachvollziehen

 Bei der Wu Omi gibt´s keine spitzen Schreie. Sie begrüsst ihre Gäste mit  einem permanenten Gesichtsausdruck der an „Oh shit nicht Du  schon wieder“ erinnert, sitzt gleich neben der Tür an der Kasse ihres Maultaschen-Imperiums und fällt Gästen nur dadurch auf, dass sie alle 40 Minuten nach der Bedienung kräht, die ihr ohne Palaver flugs ein neues Porzellan-Kännchen Jasmintee reicht. Für Musikerohren klingt ihre Bestellung etwa so, als quiecke Ivan Reblaus eine Rosettenpolka nach durchdringendem Techtelmechtel mit einem Eiszapfen. Aufmerksame Beobachter, denen das diskrete Auffüllen des Kännchens hinterm Tresen nicht entgangen ist, fragen sich seitdem, wann wohl die Carlsberg Brauerei mit der Jasminteeproduktion begonnen hat?

 Der eigentliche Augenschmaus in Oma Wu’s Futterkrippe sind die beiden Kellnerinnen. Wahrscheinlich entfernte und standesgemäß verarmte Verwandte vom chinesischen Festland, die sonst der Tristesse des Landlebens auf einer Ginseng-Knoblauch-Kolchose anheim gefallen wären. Das Landei mit dem Henna gefärbten, zerzausten Haupthaar (Typ: rostiges Dach- feuchter Keller) und den Pustebäckchen, sieht aus wie die kantonesische Version von Erika Berger, nach einer Weihnachtsfeier mit einem Dutzend bekiffter Fahrradkuriere. Ihre Kollegin ist so häßlich, dass man ihr als Kind wahrscheinlich ein Kotelett um den Hals gebunden hat, damit wenigstens der Hund mit ihr spielt. Die ist auch irgendwie etwas mißgelaunt, wahrscheinlich, weil sie zu den Drahtesel-Athleten Parties nie eingeladen wird. 

...beim Fishhead-Curry gilt es, die erste Hürde zu überwinden

 In ihrem grenzüberschreitenden Wohlwollen achtet Omi Wu darauf, dass die beiden Servierknispel ihr Freizeitoutfit nicht mit Sojasauce und Sesamöl bekleckern. Richtige Chinesen tragen Uniform! Gegen die beiden wirkt Ronald McDonald so seriös wie der Hausbestatter des Erzbischofs von Canterbury. Grundausstattung sind zwei geblümte Kleidchen, eines in Blau mit weißen Blüten, das Andere in Gelb mit orangenen Orchideen. Darüber je eine Schürze, die mit Rüschen und Lochstickerei überladen ist und in der Farbgebung an einen Geburtstagskuchen irischer Landfahrer erinnert. Aber die sprichwörtliche Krönung sind die Häubchen der Ex-Traktoristinnen: So muss es aussehen wenn Rizzi und Gaultier zusammen Tischfeuerwerk entwerfen. Goldfäden, rote Bommeln wie am Türken-Manta, bis auf Blaulicht und Sirene ist da alles dran, was Kindern Spass macht!

 Das Essen ist phantastisch, sehr preiswert und weit und breit keine Touristen. Eigentlich schade, ich glaube, daß die beiden Germans, die ich beim Absacker an der Robertson Quay erspäht habe, solche Schürzen auch bei Mutti Zuhause in Bergisch Gladbach zu schätzen wüßten.

Wem das schon zuviel ist, dem bleibt ja trotz neuer Grenzchecks immer noch Urlaub in Dänemark...

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