Phuket- In 20 Jahren vom Tropenparadies zum Tränentourismus

 Wer litt nicht, oder leidet noch unter den Sprüchen der Alten, wonach früher sowieso alles besser war? In meinem Fall habe ich mich immer gefragt, wie schnell sie denn den berühmten Steckrübenwinter, Kohlenklau und Bombennächte vergessen haben. Inzwischen, mit 25 (B), ertappe ich mich dabei, selbst derlei Sprüche vom Stapel zu lassen. Aber ich bleibe dabei, vor 20 Jahren hatte Phuket tatsächlich noch das Flair einer tropischen Paradiesinsel.

 Ob ich heute noch Urlaub auf Thailands größter Ferieninsel machen würde? Das käme darauf an, was man mir dafür bezahlt! Das ist eigentlich eher etwas für Leute, die bisher ihre unfreiwillige Thalamotomie in der Notambulanz des Flughafens von Norilsk, für ihr schönstes Ferienerlebnis halten. Diese stereotaktische Hirnoperation soll dem Patienten quälende und pharmakologisch nicht beeinflussbare Schmerzzustände ersparen. Ein unschätzbarer Vorteil beim Phuketurlaub, denn inzwischen entwickelt sich die Perle der Andamansee quasi zur Abferkelbox unter den Urlaubsinseln.

 Abgesehen davon, daß es zwischen der Sarasin Brücke und dem Phrompthep Cape inzwischen reichlich hartzt, und den üblichen Bausünden (Beton statt Botanik), vor denen offensichtlich keine „touristisch entwickelte“ Region gefeit ist, hat man hier nichts ausgelassen, um eine idyllische Insel mitsamt seinem Image an die Wand zu fahren. Was in der Formel 1 wenigstens erhöhte Zuschauerzahlen bringt, gibt jedem Urlaubsziel lediglich den finalen Dolchstoß.

 Nun kann man das als die Meinung eines einzelnen Phuketbesuchers abtun, der dort eventuell schlechte Erfahrungen gemacht hat. Ist nicht! Im Mai 2011 beschwerten sich Branchenexperten beim ständigen Sekretar des Innenministeriums, Pranai Suwannarat. Ihrer Meinung nach sei das größte Problem der Insel, daß Phuket-Touristen, in zunehmenden Maße verprügelt, betrogen, und beschimpft werden…

Eine Umfrage der Assumption University of Thailand in Bangkok, unter 42.000 Thais ergab, was viele Touristen schon lange wissen: Die Bewohner Phukets sind die unzufriedensten in ganz Thailand!Nach ihrem Gemütszustand befragtgaben Phukets Bewohner an, daß sie mit dem Leben auf der Insel unglücklich sind. Verglichen mit den anderen 77 Provinzen im Land, bildet Phuket das Schlußlicht der Statistik. Aber auch dieses hausgemachte Problem wird aus typischer Thai-Sicht betrachtet: Die Schuld haben immer die Anderen und mit Vorliebe die Ausländer!

Hier eine Liste der Dinge, die mich in Zukunft von der Insel fernhalten. Ich hab‘ keinen Bock auf:

  • Ein zwei Klassen Preissystem für die selben Leistungen- Thaipreis/Farrangpreis.
  • Ein völlig beklopptes „Helmpflicht System“, das nur bestimmte Straßenzüge als helmpflichtig ausweist. Mit dem Ergebnis, daß korrupte Cops gleich hinter der nächsten Ecke unwissende Touristen abkassieren.
  • Motorrad- und Autovermietungen, die den Pass einbehalten, um nach Unfallschäden den dreifachen Reparaturpreis zu erpressen, obwohl sie vorher angeben, alle Fahrzeuge und Fahrer seien vorschriftsmäßig versichert.
  • Restaurants, die wegen mangelnder Inselbesucher die Preise erhöhen. Nach der typischen Thai Denkweise: Wenn nur noch die Hälfte der Gäste auftauchen, müssen die eben für die „no show‘s“ mitbezahlen. Dafür bieten die Läden wegen reduzierten Personals DOS Attacken „Denial of Service“ für die Besucher.
  • Timeshare-Taliban, Massage-Omis, fliegende Händler, die einem in der überteuerten Strandliege die Ohren abkauen.

  • Koberer aus Nepal, Pakistan, Burma und Sri Lanka vor den „Tailor Shops“, die Passanten bepöbeln, oder auch schon mal handgreiflich werden, wenn man nichts kauft.
  • Illegale Tour-Guides aus Russland.
  • Verkehrsuntaugliche Ausflugsbusse.

  • Lärmende Jetski am Strand und die Jetski Vermieter-Mafia, die mit Hilfe korrupter Cops zu hunderten die Touristen wegen (alter, teils selbstgemachter) Schrammen am Gerät abzocken.
  • Streitsüchtige besoffene Russen auf jedem dritten Barhocker in den Pubs. Der Geschäftsführer vom Reiseveranstalter TUI Nordic, ist ernsthaft besorgt über die russische „Dominanz“ (48% mehr als im Vorjahr) in Touristenzielen wie  Phuket. Inzwischen urlauben hier über 240.000 Rest-Konsomolzen pro Jahr!
  • Fahrer der TukTuk- und Taximafia, die Fahrgäste verprügeln, die sich weigern überhöhte Fahrpreise zu zahlen. Schlagzeile am 29. Juni 2011: TukTuk Fahrer vergewaltigt 21-jährige Touristin.
  • TukTuk-Fahrer, die Touristen in der Einöde aussetzten und erneut Fahrgeld in doppelter Höhe verlangen, um sie wieder an den Ausgangspunkt zu bringen.

  • Drogendeals und Schiessereien auf offener Straße (was guckst Du he?). Ein lokaler Politiker und 2 weitere Männer wurden kürzlich wegen Besitz und Handel mit Rauschgift sowie illegalem Waffenbesitz verhaftet.
  • Eine Insel, die zum Hauptumschlagplatz für Drogen geworden ist, weil es am Flughafen bisher keine Gepäckscanner gibt!
  • Einen Polizeichef der erwägt, Hotelangestellte in Blockwart-Manier als Drogenschnüffler die Hotelzimmer durchsuchen zu lassen. Was für eine tolle Idee, den armen Zimmermädchen bei weniger Gästen ein Kopfgeld zu bescheren. Da ist das Unterschieben von Drogen vorprogrammiert.
  • Polizeischutz für Politiker, während die Cops bei Problemen der Touristen eher gleichgültig reagieren und sich lediglich durch Dilletantismus hervortun.
  • Ambulanzfahrer, die Unfallopfern auf dem Weg ins Krankenhaus Eheringe, Armbanduhren und Goldschmuck klauen.
  • Alle Jahre an den Stränden wieder auftauchende Giftquallen (Portugiesische Galeeren), vor denen aber nicht gewarnt wird.

Nach Phuket sollte man nur reisen, wenn es einem nichts ausmacht:

  • …von Arabern angepöbelt zu werden, weil man Strandfotos macht, während ihre Öl-Prinzessinen burkabadend beim Koranschwimmen ins Foto paddeln.
  • …von ukrainischen Zuchtkomsomolzen in Jeans aus Lastwagenplanen vom Gehweg gepflügt zu werden.

  • …sich dem allgemeinen Dresscode (leichter Bieranzug- Camouflage Shorts und Red Bull Unterhemd) anzupassen, um sich nicht als betuchtes  potentielles Überfallopfer zu präsentieren.
  • …am Strand ständig die „night shades“ aus dem Touristenflieger zu tragen, weil man die Brandblasen-Opfer (in vier Stunden von Permafrost-Blässe zur Hummerbräune) nicht mehr mit ansehen kann.
  • …man es nicht bereut, das Urlaubsgeld nun doch nicht für Tickets zum Spiel Australien – Äquatorial-Guinea bei der Frauen-WM ausgegeben zu haben.
  • …in fast jedem Pub graue Panther an ihrem Senioren Gameboy (Blutdruckmessgerät) fummeln.
  • …einem auf dem Gebiet des fein ausgetüftelten Betrugs kaum noch etwas entgeht.
  • …man immer noch den Geschichten von 59-jährigen, ledigen Landmaschinen-Mechanikern, aus dem Sauerland, die noch bei den Eltern in ihrem Jugendzimmer wohnen und während der alljährlichen Alkoholidays zum Wurstgurgeln in den Pussy-Parlours Patongs aufprallen, aufmerksam zuhören kann.
Kein wunder also, wenn das ehemalige Traumziel der Urlauber inzwischen in englischsprachigen Foren mit Vorliebe mit dem Begriff „Phuck it” bezeichnet wird. Wie- schon gebucht?  S · C  · H · A · D · E !
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3 Antworten to “Phuket- In 20 Jahren vom Tropenparadies zum Tränentourismus”

  1. Hallo Pheneas!
    Darf ich dich drauf hinweisen, solche Blog-Einträge einfach mal sein zu lassen? Warum? Nun- in einem Land mit Ying und Yang, Schamanen & co scheint der selbsternannte Führer von Phuket ganz genau diese Überschrift des Blog genommen zu haben, und war wohl ganz offensichtlich der Meinung, es müsse NACH dem Tränentourismuss noch eine DEUTLICHERE Steigerung geben. Leider scheint es wohl beim Übersetzten einige Lücken gegeben zu haben- Zynismuss ist halt etwas schwer ins Thai zu transferieren, und wird wohl nicht von jedem Stahlbetonsschädel hier verstanden. Die mehr als vielfältigen Abzockvarianten könnnen wohl nur dadurch wegdiskutiert werden, in dem einfach WENIGER Touris den Raubrittern zum Opfer fallen- ergo auch weniger Beschwerden. Was eignet sich da besser, als den sonnenliebenden Weißhautteutonen die Liegestühle und auch noch die Sonnenschirme wegzunehmen? Besser geht’s nicht- oder doch? Damit hätte man die erste Gruppe schon mal fast ins Nirvana gejagt… Schade drum.
    Ich war vor über 15 Jahren das letzte Mal auf “ Phuk It“- und so wie es sich darstellt, komme ich auch nicht so schnell wieder dahin….
    BTW: Schreib doch bitte mal wieder was aktuelles zu unserem allseits geliebten, von allen Seiten Hochverehrten und immer richtig handelnden Gouverneur- und dem, was auf der wohl nicht mehr existenten “ Perle der Andamanen“ so alles schiefläuft…

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    • Darf ich dich drauf hinweisen, solche Blog-Einträge einfach mal sein zu lassen?

      nee

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    • Vielen Dank für das freundliche Feedback!
      Ich werde Deinen 2ten Post, wg. der Bemerkung über die „Herbeigeputschten“ nicht veröffentlichen. Man muss ja keine schlafenden Kettenhunde wecken und ich kann nie sicher sein, welche searchwords die in Ihren diversen Überwachungssystemen verankert haben…
      Interessanter Weise habe ich bisher ein gutes Verhältnis zum Pressebüro des Premierministers,- das kann ruhig so bleiben.
      Was das Treffen zur gemeinsamen Hopfenknollen-Verkostung angeht- jederzeit, ich freu‘ mich ´drauf.
      Holdisenkrecht!

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