Na Ihr armen Schlucker- ich saß wenigstens schon einmal auf 15 Milliarden Euro!

 Wie sieht’s aus bei Euch? Kühlschrank leer? Mit der Miete im Rückstand? Nix vor den Nullen auf dem Kontostand? Na, dann laßt uns Mal nach Indien reisen und ordentlich die Matratze hochladen… 

Typisch deutsches Bagatell-Vermögen. Matratze hochladen und speichern!

Erstaunlich wieviel die Verwaltung von Spenden verschlingt...

 In Deutschland werden etwa drei bis fünf Milliarden Euro pro Jahr (36 bis 60 Euro pro Kopf) an rund 600.000 gemeinnützige Vereine und 15.000 Stiftungen gespendet. Wer einmal „deutsche Spendengelder an Indien,“ googelt, wird sich wundern, wieviele Organisationen mit Klingelbeutelgesichtern als Aushängeschilder und herzerweichenden Fotos, bevorzugt von hungernden Kindern, Spendengelder einsammeln. Alles unter dem Motto: „In Indien vergehen 365 Tage im Jahr! Helfen sie mit!”  Bei einem beträchtlichen Teil der Sammeldosen-Virtuosen ist nicht einmal klar, wieviel Spenden-Euro für verdeckte Gehälter (alle unsere Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich) Büros und Fuhrpark ausgegeben werden. Alles Kosten, die unter den nebulösen Begriff „Verwaltungsaufwand“ fallen. Da verdunstet Omis Spenden-Euro schneller als Wasser in der Sahel Zone.

Wie sagte einst Gerhard Polt in einem seiner bissigen Sketche? „Die Inder die san mager! Einige san richtig dürr! Sie, ich glaub‘ die essen nix!“

Sadhu (holy man) in Indien

 Ich liebe Indien! Viele meiner Kollegen würden nie auf die Idee kommen, den Subkontinent zu besuchen, weil man keinen Bock auf Armut im Urlaub hat. Nachdem die Goa-Hippies ausgestorben sind, und nur noch ein paar ewig gestrige Sannyasin in ihren roten Kifferkutten gelegentlich in Poona vorbeischweben, fallen die meisten Besucher Indiens heutzutage unter die Rubrik- Outsourcing-Touristen! Für mich ist der Sub-Kontinent mit seinen unterschiedlichsten Kulturen einfach der facettenreichste Ort der Welt! Hier gibt es Einsiedler Mönche (Sadhus), die mal eben 30 Jahre in Höhlen verbringen, nur um mittels Meditation  bestimmte Muskeln ihres Körpers unter Kontrolle zu bringen.

Dharavi-Slum-Mumbai

 Das gelingt offenbar nur, wenn man über mindestens eine Generation dem Werbefernsehen entsagt.  Die Nummer taugt aber nicht, um seine Inkontinenz unter Kontrolle zu bringen. Sooo lange war nicht einmal Arno Dübel krankgeschrieben! Daneben gibt es im Land IT-Schmieden wie Infosys in Bangalore, wo Computer Cracks am Fließband produziert werden. In Indien ist auch eines der reichsten Firmenkonglomerate der Welt (TATA) angesiedelt. In Mumbai gibt es Slums von der Größe einer deutschen Großstadt, die selbst die Landebahn des Flughafens zu überwuchern drohen. Zum Vergleich: Berlin hat 3,4 Millionen Einwohner auf 891 qkm, Mumbai derzeit rund 18,5 Millionen Menschen auf 437 qkm, von denen die Hälfte in den Slums lebt! Das ist als würde man die Tage von der Geburt bis zum Tod ausschliesslich in einem überfüllten U-Bahn Wagon während des Feierabendverkehrs verbringen. Den einzigen echten Slum, den ich in Deutschland bisher besucht habe, war die Wohnung meiner Ex-Frau…

"We lift you up where you belong" - oder war das der Kranich?

 In Mumbai, auch Bollywood genannt, gibt es die größte Filmindustrie der Welt. Gleichzeitig gibt es mitten in der Innenstadt trichterförmige Betonbecken („Türme der Stille“), in denen man in Leinentücher gehüllte Leichen den Geiern zum Frühstück offeriert. Das ist die gedrängte Wochenübersicht der Verkehrstoten in Form eines Eintopfs für Federvieh. Jetzt weiß ich endlich auch Walt Disney’s Vorliebe für Enten einzuschätzen. Wahrscheinlich würde der anrüchige Anblick sogar beim letzten Verwaltungs-Azubi einer deutschen Gesundheitsbehörde einen septischen Erpelanzug erscheinen lassen.  Gemäß dem Glauben der Parsen, tragen die Vögel den Verstorbenen auf ihren breiten Schwingen ins Brado, einen Zustand zwischen dem Tod und der Wiedergeburt. We lift you up where you belong! 

Ein Fressen für die Geier

 Nun liest man in Deutschland ab und an davon, daß irgendwelche Rentner den Löffel abgeben, die in der Nachbarschaft dafür bekannt waren, daß sie sich in den letzten 30 Jahren nicht einen einzigen Apfel gegönnt und haubtsächlich von Katzenfutter ernährt haben. Beim entsorgen der Whiskas-Villa werden dann aber 100.000 Euro unter der Matratze entdeckt. Das ist Bagatell-Vermögen, verglichen mit dem, was in einem der ärmsten Länder der Welt so unter dem Parkett gefunden wird.

Sri Padmanabhaswamy Tempel. Kein Hemd, aber 15 Milliarden Euro im Keller

 In Trivandrum (Tiruvanantapuram), im südindischen Bundesstaat Kerala, wurde am 30. Juni 2011 in (sechs!)  verschlossenen Kellergewölben  ein Schatz aus Gold, Silber, Diamanten, Rubinen, Smaragden und kostbaren Schmuckgegenständen gefunden, dessen Materialwert allein die 15 Milliarden Euro Grenze übersteigt, wie ein pensionierter Richter in Kerala bekannt gab. Die siebte und letzte Kammer wurde noch nicht geöffnet. Wahrscheinlich stehen die Mitarbeiter des lokalen Schlüssel-Notdienstes noch unter Schock. Bei der ersten groben Schätzung der Gegenstände wurde noch nicht einmal der antike und archäologische Wert der seit 130 Jahren dort versteckten Pretiosen ermittelt. Wen wundert’s da noch, wenn man in den kleinen Dörfern um Quickborn munkelt: „Spenden nach Indien? Dat is ja wie Eulen nach Eutin tragen!“

 Bei meinem letzten Besuch in dem 1733 im Dravida-Stil erbauten Hindu-Tempel, saß ich nicht nur auf nacktem Beton, sondern buchstäblich auf einem der größten Schätze der Welt- leider ohne es zu wissen! Das ist typisch „Incredible India!” Zentnerweise Gold und Edelsteine im Keller, aber bloß keine Rupee für’n Teppich ausgebeben!

 Holy shit! Seit der Entdeckung des Schatzes habe ich Alpträume, in denen sämtliche bisher unterdrückten kriminellen Energien, wie ertrinkende Synchronschwimmer an die Oberfläche drängen. Der schlimmste Traum ist, daß mir einer der vom rauchförmigen Champagner zugeknallten Kosmospriester die Tür zu den Gewölben öffnet und die weisen Worte spricht: „Ok Alter, Du hast drei Minuten soviel einzupacken wie Du hier ´raustragen kannst.“ Danach wache ich immer schweissgebadet auf. Buddha-sei-Dank, spricht meine Frau kein Deutsch. Sonst müßte ich auch noch fürchten, daß schlafwandlerische Äußerungen wie etwa: „Oh mein Schatz, endlich habe ich Dich gefunden” mißverstanden würden.

Na Schatz, wie wär's mit uns Beiden?

Hintergrund Info zum Thema:

 Nun ist zu erwarten, daß es bald eine Menge Zoff gibt. Ähnlich den bekannten Streitereien unter Kleinsparern und Reihenhaus-Erben. Keralas Bürger zeichnen sich nicht nur dadurch aus, daß sie die höchste Alphabetenrate des Landes (93,9 Prozent) haben, sie sind auch- vielleicht gerade deswegen- politisch sehr engagiert und clever. Um zu verhindern, daß Politiker einer Richtung zuviel Macht anhäufen, wählen die Keraliten nach jeder Legislaturperiode den Gegenpol der regierenden Partei. Und so wechseln sich Kommunisten und Kongresspartei als Regierungsmacht kontinuierlich ab. Kerala ist übrigens das einzige Land, daß jemals eine frei gewählte kommunistische Regierung hatte- alle anderen kamen lediglich durch Revolutionen an die Macht.

 Das Pro-Kopf Einkommen liegt mit 27.048 Rupees (418,80 €) nur wenig über dem Landesdurchschnitt. Grund genug für Sozialaktivisten in Kerala zu verlangen, daβ das Geld in eine nationale Stiftung übergeht und für die Armen eingesetzt wird, was man ja eigentlich für Spenden an einen Tempel auch erwarten kann. Eines der Probleme wird sein, daß es in Indien bereits eine halbe Milliarde nationale Stiftungen gibt. Da ist das Gerangel vorprogrammiert.

Kostspieliges Büromöbel - Sai Baba's Thron aus 85 Kg Gold

 Weitere Crux der Situation ist die Tatsache, daß der Tempel den Nachfahren der Königsfamilie Travancore, die die Anlage im 16. Jahrhundert erbaut hatte, gehört. Die Moguln in Kerala verfügten seit jeher über gewaltige Mittel durch den Gewürzhandel der Malabarküste.

 Indiens Hinduverbände, die sich nicht nur durch militanten Fanatismus, sondern auch allerlei obskure Äußerungen und Aktionen hervortun, haben nun mit Massenselbstmord von Gläubigen gedroht, für den Fall, daß irgendjemand die Hand nach dem unermeßlichen Vermögen ausstreckt.

 Auch die Restaristokraten der Königsfamilie haben bereits Ansprüche angemeldet. Aber, ist das nicht so, als würde mann seine aus Prestigegründen gemachte Spende zurückforden, weil man inzwischen selbst zum verarmten Adel zählt?

 In Indien ist es durchaus keine Ausnahme, daß Tempel oder Sektierer (von Sai Baba bis Osho)  über ungeheure Geldmassen aus Spenden der Armen und Reichen des Landes verfügen. Es gibt Hunderte davon im Land, deren angehäufte Vermögen weit mehr für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Ärmsten im Lande ausrichten könnten, als die verhältnismäßig popeligen Spenden aus westlichen Industrienationen. Während Sai Baba immerhin Geld für Krankenhäuser und Schulen ausgegeben hat in denen sich die Bevölkerung kostenfrei behandeln lassen kann oder Gebührenfrei studieren kann, saß der Herr ebenfalls nicht nur auf einem goldenen Thron, sondern auch auf weiteren rund 85 Kilo Gold und fetten Bankkonten in der Schweiz. Angesichts solcher dubiosen Vermögen hat man den rumänischen Hütchenspielern und nigerianischen online Scammern vielleicht doch viel Unrecht zu Teil werden lassen.

Wieviele Rolls Royce braucht Osho (Sannyassin) jetzt im Nirwana?

P.S.  Wegen der Alpträume habe ich mir gestern zur guten Nacht lieber erst einmal einen Zettel mit einer alten indischen Weisheit ans Kopfende des Betts geheftet:

„Reich ist man nicht durch das was man besitzt, sondern durch das, was man mit Würde zu entbehren weiß!”

Ein Scheiß-Spruch, denn ich platz‘ gleich vor zentnerweise Würde…

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Eine Antwort to “Na Ihr armen Schlucker- ich saß wenigstens schon einmal auf 15 Milliarden Euro!”

  1. like your stuff…
    ich war nie in pukhet, aber 1986 in der kao -san road (und anderen roads…) und kam 2009 aufn neuen besuch>kulturschock
    but i’ll be back anyway
    gruesse
    richard

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