Thailand Hartz IV Kutte „Wenn Sie hier nochmal eben ‘reinschlüpfen möchten…“

Wie heißt es bei Wilhelm Busch so treffend? Schneider Schneider mek mek mek…

„Alltagsröcke, Sonntagsröcke, lange Hosen, spitze Fräcke, Westen mit bequemen Taschen, warme Mäntel und Gamaschen – Alle diese Kleidungssachen wußte Schneider Böck zu machen.

 Tja, der Typ war eben kein Thailand-Schneider…

 „Ich mag ihren Anzug, die Leute versichern mir zwar immer wieder ich hätte einen schlechten Geschmack, aber ihr Anzug gefällt mir!“

…und so etwas trägt man jetzt? Nur wenn man es sich leisten kann!

 Wer diesen Satz zu hören bekommt, trägt wahrscheinlich ein Mitbringsel-Gewand, hergestellt in einer der tausend Textil-Garküchen Thailands. So einen Zwirn braucht man so dringend wie einen Behindertenparkplatz vor einer schwarz markierten Ski-Abfahrt! Wer jedoch einmal die Sukhumvit Road in Bangkok, oder Phuket‘s Rat U-Thit Road in Patong entlang spaziert, wird alle paar Meter von den Koberern der Low-Budget-Lagerfeld’s angequatscht: „Hey Sir, want cheap suit?“ Insidern sind daher die Verkaufsförderer auch als „Cheap Suit Serenaders“ bekannt. Wer immer noch nicht gelernt hat, ohne Muttis Rat Hemden, oder Anzüge zu kaufen, ist natürlich hier richtig, und gleichfalls leichte Beute für die Verkäufer schnell zusammengeferkelter Hartz IV Kutten.

und die Kinder riefen Thailand, Thailand,Thailand!

 Die vorrangig anvisierten Marketingopfer der tapferen Schneiderlein, sind besonders einkommensferne Schichten, die bereits in jedem Ferienflieger als Bad Taste Contest-Gewinner auszumachen sind, und daheim in Nadelstreifen, so breit wie eine Nonne im Spagat, mal so richtig auf „dicke Hose“ machen wollen. Sie sitzen mit der letzten „Wochenend“ Ausgabe in der Hand, im Balkansmoking aus Ballonseide, bevorzugt in metallic Rot,  in der Economy Class, und zeigen stolz im Feinripp-Unterhemd ihre Tätowierungen, die an naive Bauernmalerei erinnern.    

 Für unter 75 Euro versprechen Thailands Katastrophen-Couturiers, einen Anzug plus Oberhemd und farblich abgestimmten Genitalanzeiger (Krawatte), gefertigt in 24 Stunden, als passgenaues und eindrucksvolles Outfit für die nächste Silberhochzeit im Emsland, oder Jubelfeiern zum 40-jährigen Betriebsjubiläum in Arbeitslosen-Metropolen wie Sheffield zu liefern. In Thailand wurde der „Ein-Anzug-drei-Krawatten-für-Peanuts-Kunde“ erfunden! Aber nicht nur die Herren sind hier die Castingopfer. Auch Supermarktkassiererinnen lassen sich hier gern von zumeist indischen Heiβnadel-Yogis und Sofakissen Designern aufbretzeln, wie die Fronleichnams-Tischdekoration einer mexikanischen Lastwagenfahrer Kneipe. Da wird Mutti schnell zum Topfmodel in Topflappen!

Wieviele Acrylics mußten dafür ins Gras beißen?

 Denn was man bekommt, ist Schrott mit dem man selbst auf der Geburtstagspolonäse unter Luden im Knast von Santa Fu nur ein mitleidiges Lächeln erheischen könnte. Das ist absolut nix für Leute, die gern dem knistern von Designer Brennholz im Kamin lauschen! Andererseits besagt eine alte Büro-Weisheit jedoch: Je schlichter das Hirn, desto teurer der Zwirn.

 Um es gleich vorweg zu sagen, unter den hunderten Tailor Shops in Bangkok gibt es lediglich ein halbes Dutzend, die Qualitätsware liefern!

 Hinter den Hochglanzmagazin Anzeigen, die unglaubliche Schnäppchen versprechen und aufgemotzten Verkaufsräumen, gibt es eine dunkle Seite, der Thai-Schneiderei. Dabei  werden arglosen Touristen ohne Kenntnis des Textilkennzeichnungsgesetzes Klamotten verkauft, die lediglich den Schaufensterpuppen wirklich passen und aus billigstem Tuch gefertigt sind.

Hat jemand die Vorhänge vom Kinderzimmer gesehen?

 Schlechte Schneider, und das betrifft die Mehrheit, werden die Kunden in einer Vielzahl von Möglichkeiten, um schnelles Geld prellen. Sie nutzen, zum Beispiel, billige Materialien, behaupten aber, dass sie teure Wollstoffe aus Italien, Spanien, oder England importiert haben. Sie erzählen den Kunden auch gerne ihre Leidensgeschichte, wonach ihr Gewinn lediglich 25% beträgt. Bullshit!

 Allererstes Alarmsignal sollte für den Kunden sein, wenn er schon kurz nach dem Eintritt in den Laden in einem „freundlichen“ Gespräch mit dem Armani-Animateur danach gefragt wird, wie lange er schon in Thailand ist,- und wie lange er noch bleibt. Danach, und nur danach, richtet sich der Termin für die letzte Anprobe. Wer am nächsten Tag abreist, hat keine Chance für Reklamationen! Wer auf eine zeitnahe zweite Anprobe besteht, fällt bei den Singer-Sikh’s unter die Diagnose: Stoffwechselkrankheit. Nicht selten stehen Thailands Urlauber-fashion-victim drei Stunden vor Abflug in einem Anzug vor dem Spiegel, der aussieht wie ein Vierfruchtpyjama, dem noch der Kleiderbügel in der Jacke steckt und Muttis Alcantara Mantel entpuppt sich als eine Vileda-Badehausburka, in der sie aussieht wie Germany’s next Topmoppel.

 Eine weitere beliebte Betrügerei bei dieser als Verkauf getarnten Altkleidersammlung, ist die Qualitäts-Luftnummer. Beim Gang zur Kasse erfährt man, daβ sich der Preis des Anzugs verdreifacht hat! Erklärung der Turban-Täuscher: „Der 79 Dollar Preis betrifft nur das Basismodell, Sie haben jedoch Kashmir-Wolle in Hornhaut-Umbra von Paschtunen-Schafen ausgesucht, die mit Belutschistan Hochlandgerste gefüttert wurden, so eine Qualität gibt’s doch nicht zum Hennes & Lauwitz Preis!“ Da bleibt nur eine Lösung, langsam die fünf Schritte in Richtung Ausgang zu spazieren und lauschen, wie sich bei jedem Schritt der Preis um 10 Prozent verringert! Aber damit hat man den Couchbezug-Fummel immer noch zu teuer erworben.

Referenzkunde im Thai-Tailor shop!

 Wer wegen des nahen Abflugtermins erst in der Heimat sein Gewand anziehen kann, kommt häufig zu der Erkenntnis: Komisch, es ist einfach nicht dasselbe, wenn man es nüchtern betrachtet! Oft kommt es auch zu schmerzhaften Kommentaren von nahen Angehörigen oder Nachbarn wie:„ So etwas trägt nicht einmal mein Hundefriseur.“ Es könnte schlimmer kommen. Was sagt man zu einem rumänischen Hütchenspieler im Anzug? Der Angeklagte möchte sich bitte erheben…

 Bei Reklamationen von Business-Reisenden, die gelegentlich wieder nach Thailand kommen und sich über den eingenähten Lochfraβ, verdrehte Hosenbeine oder herabfallende Ärmel beschweren, hört man nicht selten serviceorientierte Floskeln wie: „Wenn du eine Garantie haben willst, kauf‘ dir einen Toaster.” Nichts hält länger als ein Provisorium.

Das Schneiderei-Business in Thailand ist einfach. Man bekommt die Stoffe auf Kredit für 6 bis 12 Monate und hat ausser der Ladenmiete keine Kosten. Wenn Aufträge vorliegen, vermittelt man diese an den favorisierten Sweatshop (Schweissladen), wo die „first class Bekleidung” in irgendeiner Hinterhofgarage von ausländischen, 100 Baht/Tag Singer-Maschinen-Amateuren, die von keinerlei Sachkenntnis getrübt sind, hergestellt wird. Das ist Textildesigners Antwort auf den Straßenmusikstrich.

100 bis 150 Baht am Tag für 12 Std. Nadelarbeit!

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Eine Antwort to “Thailand Hartz IV Kutte „Wenn Sie hier nochmal eben ‘reinschlüpfen möchten…“”

  1. Großartig 😉

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