Faszination des Grauens: Senioren Barbies im String Tanga

 Wer noch von etwas Restrealität profitiert, wird zugeben müssen, daß einem gelegentlich die Gesichter Asiens schon etwas verwirrt erscheinen, aber deutsche Urlauber sind jederzeit in der Lage den Wahnsinn aus dem Wok zu toppen.

 Ich war von Phuket aus mit dem Motorrad unterwegs Richtung Norden, um einmal zu schauen, wo die Steuerflüchtlinge und Yuppies sich demnächst breitmachen. Da gibt´s zwischen hier und Ranong (196 km – kurz vor der Grenze zu Myanmar) ja noch reichlich lauschige Plätzchen. Die Thais planen wohl auch schon lange im Voraus. Komme ich doch mitten im Dschungel an einen völlig dichtgewachsenen Kreisverkehr. Drei Kilometer weiter noch ein Zweiter. Und immer führt eine der vier Abzweigungen direkt ins Meer (!?) Vielleicht war das aber auch nur ein laotisches Solidaritäts-Projekt zur Veranschaulichung von Planwirtschaft.

Inzwischen weiß ich auch, was menschenleere Strände so beliebt macht...

Am späten Nachmittag werde ich immer sentimental und da steht mir der Sinn oft nach verbaler Heimatmelodie. Dann wird es Zeit für den Teutonen-Beach. Hier kann man immer an Gesprächen über Bio-dynamische Gartenarbeit, gewaltfreie Achselhaarentfernung, Orangenhautcremes mit Pfefferminzgeschmack, oder Sex mit der/dem Ex – Pro und Contra, teilhaben. Außerdem erfährt man alles was in der letzten Ausgabe der „Maurerbibel“ steht. Da spiele ich mit Johnny Depp wahrscheinlich in derselben Liga, was die Vorliebe für Revolverblätter angeht. Wir teilen die Liebe zu hirnrissigen Überschriften wie: „Frau explodierte das Silikon-Implantat – Drei Männer verletzt!“ Oder meine Klassiker: „Mann, 84 stirbt!“ Und diese hier: „Kann Patrick Lindtner seinem Adoptivkind wirklich eine gute Mutter sein?“ Deshalb plädiere ich auch dafür, daß Franz-Josef Wagner seinen überbezahlten Kolumnistenjob für tägliche Fünfzeiler behält!

 Bei einem lecker Tässchen Bohnen-Kaffee und einer Portion Schwarzwälder Kirsch sitze ich dann als Friedhofsnaturblonder gern zwischen schwedischen Loipenludern mit brettharten Bauchmuskeln, Schenkeln so groß wie Danny de Vito und gefärbten Kurzhaar-Dauerwellen mit Stich ins Lila. Aber das hätte ich an einem meiner ehemaligen Lieblingsstrände nicht erwartet:

Seniorenbarbie am Strand

 Publikum,- wie das Anschauungsmaterial beim Gerontologen–Kongress. Ich kam mir vor wie im Greisverkehr auf den Galamagos Inseln. So langsam wird die Andaman See zum Abklingbecken. Doch es kommt noch toller: Irgendein Kaffeefahrten-Organisator muss zwischen Husum und Altötting durch die Seniorendeponien getobt sein, um den Resten der Flak-Helferinnen Generation String Tangas zu verkaufen. Dagegen war der Handel mit Heizdecken, Stützstrümpfen, Sammeltassen und explosionssicheren Schnellkochtöpfen ein ehrliches Geschäft!

Unsterblicher Körperkult

Ich lutsche also gerade auf der Cocktailkirsche – dem absoluten Höhepunkt meines Blackforrest-Törtchens- als nachmittags um vier plötzlich der Mond in Form des feisten Hinterns von Oma Krawuttke vor mir aufgeht! Und das kam so: Die Szene, wie sie sich mit der linken Hand an das um die Hüfte gewickelte Handtuch krallt, den türkisfarbenen String Tanga (ich lüg´ nur, wenn’s nicht anders geht) unter dem Kinn einklemmt und mit der rechten Hand, unter Ignoranz von Zeit und Raum, sowie sämtlicher Gravitationslehren, versucht den „Rosettenschmeichler“ vom Kehlkopf, blitzschnell unter der Fußsohle und dem Handtuch durch, bis zum dekorativ rasierten Warndreieck zu zerren… Herrlich, dagegen waren die Marx Brothers die reinsten Beerdigungsredner. Der erste Versuch ging dann auch buchstäblich in die Hose.

Von Mehl auf Broiler in 12 Minuten

Beim zweiten Versuch hätten Beobachter mit Inkonsistenz vor Lachen in Pfützen gestanden. Omi nimmt erneut Anlauf und rudert mit dem rechten Arm, das erinnerte schwer an diese indische Heiligenfigur, die auf einem Bein steht und acht Arme sternförmig vom Körper streckt. Allerdings war diese Version linksseitig schwer beschäftigt und auf der rechten Seite konnte der eine Arm die Vielfalt vom indischen Subkontinent nur schwerlich imitieren.

Der Absacker der Woche

 Oberste Regel beim Slapstick: Humor ist, wenn es trotzdem kracht. Oma neigt sich so weit zur Seite, daß sie dann auch gaaaanz laaangsam (Scharping, der Durchlaucht-Erhitzer von Gräfin Pilati, hätte seine helle Schadenfreude gehabt) in den heißen Sand kippt. Die rollende Bewegung beim Aufprall, ließ dann auch das Handtuch in hohem Bogen über dem reglosen Körper schweben, womit der Blick auf das vermeintliche Zentrum der Begierde imaginärer Augenpaare im Gebüsch lauernder Lüstlinge frei wurde. Jetzt kommt Oma´s Bekannter, bis dahin eigentlich eher teilnahmslos gegenüber dem schamhaften Treiben, ins Spiel. Während er blitzschnell den Kopf und Oberkörper zum Hochschnellen bewegen kann versanden weitere Bemühungen aber in der Sitzkuhle, in die er sich im Laufe des Tages gegraben hat. Unter Yoga Yogis nennt man diese Position „Muschelfleisch.“ Omas eisgraue Schrittperücke blinzelt in die Sonne und ER kommt nicht aus der Leisure-Gruft um den heimischen Strafraum zu verteidigen. Die Nummer auf Video, und Mr. Bean kann wieder Elektrogeräte verkaufen.

 Was ich nicht kapiere: Sämtliche weibliche Senioren an diesem Strand hatten dieses Faible  für String Tangas. Allerdings nur für die Soutterain-Abteilung, auch oft respektlos als Kitzlerkittel oder Hämorrhoidenguillotine bezeichnet! Einige sogar in Neonfarben,- das erinnerte mich beim Anblick der Rückansicht oft an den Buchtitel: The missing link. Aber der o.g. clevere Geschäftsmann hat entweder die Top´s der Ensembles an Schwester Ebola nach Afrika verkauft, oder Alzheimer ist doch weiter verbreitet als bisher angenommen. In dem Fall steht wahrscheinlich ein Koffer mit 50 Tanga-Oberteilen auf dem Düsseldorfer Flughafen und wird zum Schnüffeltrainig der Drogenwauwi’s benutzt.

Inspiration aus dem Tierreich? 150 Jahre alt, aber topmodische Dessous tragen.

Was soll´s in den 50ern gab´s für dieselbe Hüftschwung-Übung Hulahoop-Reifen. Jetzt macht so´ne Else einen Riesen Spektakel beim Umziehen und die Einzigen die an dem Strand ein Top trugen, waren die unter 30-jährigen. Der Anblick der Graukappenmöpse (lang vor Sehnsucht, weich vor Alter, aber Brustwarzen wie Igelnasen) war teilweise so erschreckend, daß selbst ein hartgesottener Dr. h.c. Gyn. seine Ernennungsurkunde zerrissen, und die in gutem Glauben vergebenen Gutscheine für manuelle Wohlfühl-Mammografien zurückgefordert hätte und nun von dem Wunsch beseelt ist, zukünftig nur noch die Alt+Entf Tasten zu drücken.

 

Seitdem halte ich mich von Stränden fern. Inzwischen halte ich sie für nichts anderes, als geologische Todesstreifen zwischen Parkplatz und Meer (mit String Tanga).

Siehe T-Shirz der Woche!

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