Get rich or die trying- Englisch für Thai Bar Girls

Hanseatische Siedebecken Reinkultur

 Als mein ehemaliger Nachbar aus Deutschland (seinen Namen laβ‘ ich hier mit Rücksicht auf seine zwei Ex-Frauen und eine 16-jährige Enkelin lieber weg) sich mit mir in Bangkok verabredete, wusste ich schon, daβ wir uns nicht beim Tempelbesuch, oder im Museum für gefälschte Designer-Waren treffen würden. Die getürkte Rolex Yacht Master II hat er schon und die einzigen Kulturen für deren Erhalt er sich nachhaltig einsetzen würde sind die, die in Form von Hefepilzen in den Gärtanks  der Astra Brauerei schwimmen. Ihm steht der Sinn (!?) mehr nach Interaktion, mit zumindest einem Teil der Bevölkerung, im Land des senkrechten Lächelns.

 Wer- im Stil meines Ex-Nachbarn- Siam auch noch die letzten intimen Geheimnisse entlocken will, begibt sich in die Tilac Bar (Tilac = Liebling), in Bangkoks notorischer Soi Cowboy,  wo ein Heer von bis zu 200 auskunftsgeilen Kultur-Botschafterinnen, in 25 cm kurzen Röckchen auf den Tischen tanzt, um tiefere Einblicke auf die Arbeitsflächen der bäuerlichen Erektionsmanagerinnen aus dem Isan zu geben. Das Tilac gilt als Eldorado unter Leuten, die in der heimatlichen Kleinstadt den ganzen Sonntagnachmittag sabbernd auf der Rolltreppe verbringen, um einen kurzen Blick unter den Rock eines Teenagers zu erheischen.

Soi Cowboy - Tauchbecken der Ständertropfen

 Die Häupter im Raum der allabendlichen Vernissage für Voyeure sehen aus wie ein silbriger Gletscher. Eben ganz so, wie man ihn auf einer Alzheimer-Parkinson-Farm der Erdmöbelliga erwartet. Es duftet nach Viagra, Sang Som und Cialis. Hier ist man richtig aufgehoben, wenn man ums Verrecken nicht hören will, daβ man mit 45 schon nach Zielgerade aussieht. Von der Bühne und den Tischen aus, mustern die Kopulations-Koryphäen die Sildenafil-Senioren mit Blicken, die den Eindruck erwecken, sie nehmen bei den Leuten bereits für „Bodybags“ Mass.

 Aber,- auch was Sternstunden der Enttäuschungen angeht, ist der Laden nur schwer zu toppen und das liegt an den Sprachproblemen. Hier geht es zu wie beim Turmbau zu Babel! (Der Vergleich hat was- sogar im doppeldeutigen Sinn). Stammgäste vermeiden daher mit den Mädels Gespräche zu führen, die bis hin in Spezialgebiete wie artgerechte Tierhaltung, die gerade durchgemachte Prostataoperation, oder gar öffentlichen Nahverkehr ausarten. Jede diesbezügliche Gesprächserwartung wäre so absurd, als würde Verona Feldbusch, ganz ohne Hilfe eines Erwachsenen, über die posthegelsche Ästhetik dozieren. Profis zeichnen sich ebenso dadurch aus, keine Fragen zu stellen, die man nicht mit „OK, can I have one more Lady Drink“ beantworten könnte.

El Dorado für Rolltreppen-Spanner

 Neben mir nahm plötzlich eine „Tänzerin“ Platz, die in ihrem Heimatdorf schon 1980 die 100 Baht Sex-Göttin gewesen sein muβ. Sie legte ihre Hand auf mein Bein und ich erklärte ihr in Thai, daβ meine drei Frauen zuhause das wahrscheinlich gar nicht gern sähen. Sie sagte nur: „Ah, khun khon arab may day“ (Du bist Araber?) und zog davon. Wie gesagt, hier erlebt man Sternstunden der Enttäuschungen.

 Nach drei Drinks und ausgedehnter Begutachtung der hüpfenden Auslagen in der Fleischhalle, zwinkerte Herr Nachbar in der Hoffnung auf ein komaerotisches Abenteuer, einem der Mädels zu. Sie sah in etwa so aus,  als hätte sie sich bei der Fuchsjagd während eines wilden Geländeritts geschminkt. Andererseits ist ihre zweibeinige ATM-Maschine ja auch kein Adonis. Er ist eher der Typ, den man als Barmbeks Antwort auf Berlusconi durchgehen ließe. Ein verhärmter Kerl im Versandhaus-Dressing, der aussieht, als würde er Pierre Alain Sczybulsky  heißen  und unter einer Reiswein-Gesichtsneurose im Endstadium leiden. Dazu sprießt ihm eine  Wolle aus Nase und Ohren, als hätte er bereits im Touristenflieger einen Liter Wunderwachstums-Haartinktur getrunken. Doch sein Selbstvertrauen scheint ungebrochen, denn er glaubt nach der Berliner Gedächtniskirche und BILD Kolumnist Franz-Josef Wagner, die drittbeliebteste Ruine Deutschlands zu sein. Wenn er in den engen Gassen zwischen Verkaufsständen durch die Sois schleicht, geht er so langsam wie jemand der offensichtlich schon immer mal eine Beerdigungsparade anführen wollte. Manchen der Senioren geht schon auf den 300m vom Hotel zum Teeny-Puff die Luft aus und sie erinnern bei den Zwischenstopps an Lachse auf halbem Weg zu den Laichplätzen, die sich fragen, warum bleiben wir nicht wo wir sind, und holen uns hier einen runter?

 Sorry für den langen szenischen Einstieg. Kommen wir also zum Thema der Konversation zwischen den zukünftigen Geschäftspartnern. Erstaunlicher Weise geht das Vokabular der Königen der Nacht weit über das Übliche- Hello how ah you – wats you name – wel you come flom – can i have dlink –you pay barfine und I love you long time fo 3000 Baht- hinaus. Stattdessen hören wir polierte Sätze wie: „Please take a seat! Can I sit with you? My name is Yuk I am 18 years old.  What kind of work do you do? What do you think about Thai people? You speak English very well (grins) und how many times you visited Thailand?” Wow! Das übertraf bei weitem alles, was ich bisher von meiner Thai-Lehrerein gehört hatte. Meinem Nachbarn entfährt sogleich ein: „Oh, you come from Universität what?“ Danach kam nahezu jede Äußerung von ihr einer Aufforderung zu einer Alarmstart-Begattung gleich. Der Nachbar zahlt die Barfine für die Kosmetik-Amateurin mit überdurchschnittlichen Englisch-Kenntnissen und wir verlassen den Laden. Die Flitternächtler (eine Flitter Woche würde ihn töten) machen sich auf den Weg zum nächstgelegenen Stundenhotel mit Schweigepflicht. Gute Ratschläge und Warnungen verkneife ich mir. Das ist so, als würde man einem verkohlten Leichnam sagen: „Ab jetzt wird aber nicht mehr im Bett geraucht, gell!“

Jede Menge Cowboys, aber nicht ein einziges Pferd

Als der Dreibeiner mit seiner Beischlaffachangestellten  im Gewimmel der Soi Cowboy verschwindet, denke ich noch- ER 66 mit Jetlag und Bypass, SIE 18 und viel zu durchtrainiert, ein Hotel mit versifften Bettlaken, zwischen Beiden nichts als ein Brustbeutel mit einigen tausend Baht Scheinen und einer Anstaltspackung kleiner blauer Begattungspillen,- hier kommen Koordinaten zusammen, die geradewegs an das Sterbebett eines Patienten auf der improvisierten Intensivstation einer städtischen Klinik führen. Der Anblick erinnert an den Start einer Hochzeitsreise in die Sackgasse der Evolution.

 Als der Ex-Nachbar mich am nächsten Mittag anruft, erfahre ich nun auch endlich eines der intimsten Geheimnisse Siams: Man kann so eine Nacht überleben! Er hat sich nicht einmal im Hotelbett die Krätze geholt und ist verliebt, aber diese Krankheit ist eben etwas für Leute, die es wirklich wissen wollen, nachdem sie bereits Schweinegrippchen und Bienenbütteler Sommersprossen überlebt haben. Nach dem Erwachen fand er ein kleines Büchlein auf dem Nachttisch. Titel: „Get Rich Quick – English for Bar Girls“. Etwas enttäuscht ist er nun schon darüber, als er mir erklärt, daβ sie nicht „from Universität“ kommt.

Man muss schon die 150 Baht in Fortbildung investieren

Der Nutten-Dictionary enthält 280 gewinnorientierte Redewendungen, darunter aber auch Beleidigungen für SIE und IHN, standesgemäβe (sorry- ich konnt’s nicht lassen) Bezeichnungen der männlichen Geschlechtsmerkmale. Und,- jetzt heiβt es aufgepasst meine Herren: Zahlen bis 1 Million!

Für alle die sich nicht sicher sind, ob ihre Thai-Bekanntschaft wirklich eine Studentin ist, ein paar Beispiele aus dem Büchlein, für die mündliche Prüfung: 

Do you have a girlfriend?

Are you married?

I’m divorced

I’m crazy about you

I can’t love anyone else but you

I’m so lonely without you

I love you, not your money

I hate this work but it’s an easy way to make money

I want to quit this job

Do you want me for short time or overnight?

I am still a virgin

I like /don’t like oral sex

May I have some money for last night?

I need to pay for my brother’s school books

My father is in hospital

I don’t want to be only your sex partner

You broke my heart

Don’t call me anymore

If you ring the bell, you buy drink for everyone in the bar

etc.

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