Thailand geht unter die Haut- Tattoo-Verbot für Ausländer?

Traditionelles Thai Tattoo wird von Mönchen gepikert, Monopoly ist geil!

 Wenn Länderwappen und Nationalflaggen unter einem gewissen Schutz stehen ist das ja noch nachvollziehbar, soweit man verhindern will, daβ irgendwelche Spaßvögel unbedacht oder absichtlich ganze Nationen beleidigen, oder unrechtmäßig Amtswappen für Werbezwecke einnehmen. Das wird von vielen Leuten respektiert, die sich in zivilisierten Ländern aber auch gleichzeitig einiger Persönlichkeitsrechte erfreuen. Das Problem besteht wie immer darin, daβ die Auslegung darüber, was unter Menschen- oder Persönlichkeitsrecht verstanden wird, jeweils von Despoten, Regierungen, oder Mitgliedern einer ministeriellen Équipe Cornichon, bestimmt wird. Nach seinen letzten fragwürdigen Äuβerungen zum Thema Thai Kultur, hat sich der zuständige Minister Niphit Intharasombat, gleich wieder als Oberbedenkenträger geoutet. Sein Ministerium kommt mit Ideen daher, daβ man glaubt die Belegschaft wäre permanent unterhopft. Was ist bloβ los mit Amtsträgern, die glauben sie müβten jede Woche eine neue grell bemalte Sau durchs Dorf treiben?

Minister Niphit- Die große Brille, der schicke Seiden-Blazer – so einer ist bestimmt nicht tätowiert

 Kulturminister Niphit sagte in einer Erklärung, dass sein Ministerium Beschwerden von Einwohnern erhalten hat, die Tätowier-Studios stechen die heiligen Bilder von Buddha und andere religiöse Motive in die Haut nicht-buddhistischer Besucher im ganzen Land.

 „Ausländer sehen diese Tätowierungen als Mode“, sagte Niphit in der Erklärung auf der Website seines Ministeriums am 9.Juni. „Sie denken nicht daran andere Religionen zu respektieren, oder sie sind sich vielleicht nicht bewusst, daβ es beleidigend wirken kann. Wirklich verwunderlich scheint, daβ die Website überhaupt von anderen, als den Bediensteten  des Kulturwächtertempels, die wahrscheinlich allesamt die Afghanische Playboy Ausgabe abonniert haben, besucht wird.

Nun wollten die Hüter über alles was Recht und Kultur ist Tätowierungen verbieten, die religiöse Motive zeigen. Aber allein die unprofessionellen Ankündigungen dieses Verbots können einem schon unter die Haut gehen. Zuerst hieβ es, das Verbot betrifft alle Tattoo-Studios in denen künftig keine religiösen Motive mehr gestochen werden dürfen.

Tja, dann vielleicht doch lieber den Obergefreiten I.N.R.I. am Hochreck

“Think – I’ts not illegal yet!” (but don’t hang your hopes too high)

 An dieser Stelle wären die Kulturstrategen gut beraten den Scharping aus der Tasche zu holen, denn wie üblich hat man im „Ministerium für kulturelle Reinheit“ ein paar nicht ganz von der Hand zu weisende Fakten schlichtweg ignoriert:

  • Genaugenommen ist der Buddhismus eigentlich keine Religion, sondern eine Philosophie (die Lehren des Buddha), wenngleich sehr unterschiedliche Interpretationen, je nach Gusto der Herrschenden, in verschiedenen Ländern den Status einer Religion erhalten haben. Dies geschah und geschieht auch in der Gegenwart, wenn es opportun erscheint sich eines Instruments zum Machterhalt zu bedienen.
  • Religiöse Tattoos sind in Thailand bisher grundsätzlich nicht illegal. Wäre dem so, müβte man 70% der Bevölkerung anklagen, Kleidervorschriften verhängen, oder Betroffenen das Fell über die Ohren ziehen.
  • Ein Tattoo-Verbot zu implementieren, daβ lediglich Ausländern untersagt bestimmte Motive in Thailand zu erwerben, ist nach internationalem Recht, juristisch höchst fragwürdig.
  • Und wie würde wohl Thailands Reaktion ausfallen, wenn Deutschland von allen Thais die sich ein Hakenkreuz tätowieren lieβen einen Arier-Nachweis fordern würde, oder zumindest einen Nachweis über die Zugehörigkeit zu einer Nazi-Organisation?
  • Und was ist mit Touristen, die in Thailand ankommen und bereits die in Frage kommenden Tattoos auf dem Leib tragen? Strip-Check am Airport? „Waren sie kürzlich in Afrika bei Schwester Ebola, haben sie spanische Gurken, oder deutsche Sommersprossen gegessen und können wir mal eben ihre Asi-Sticker, Prollschmuck, Leder-Deco, Schlampenstempel und Arschgeweih sehen?“ Und das, selbst nachdem Singapur keine langhaarigen mehr vor der Einreise rasiert?
  • Oder wie wär’s mit einer Tattoo-Staffel der Polizei, die als eine Art Betriebsstasi gelegentliche Razzien in den Studios vornimmt, um die Kaffeekasse aufzupumpen?

Tattoo Cop Kontrolle: "Wow Alter, tut mir leid aber die Nummer kostet etwas extra!"

 Aber das scheint ja schon geplant zu sein. Niphit sagte, sein Ministerium habe die  Tätowierstudios landesweit Aufgefordert die beanstandete Tätigkeit einzustellen. Nach Angaben der Regierungs-Nachrichtenagentur, NNT, bat er auch Provinzgouverneure die Unternehmen zu „inspizieren und ihre Kooperation zu suchen.“  Hören also in Zukunft helmtragende Motorradfahrer den Spruch: „Hey Farrang, zeig mir mal dein Taschengeld Tattoo“ Das geht schon schwer in Richtung Stasi 2.0!

 Thai Ministerien scheinen nach dem Prinzip: Erst auf die Tonne hau’n, dann zurückrudern und eventuell einen Kompromiss schlieβen, zu regieren. Da kommt man leicht in den Verdacht ein Selbstverteidigungsminister zu sein. Käme in Europa, ein trister Minister auf so eine Idee, würde man über ihn in der Presse wohl als Parkhausblinker, oder Bruder von Schwester Zensursula lesen und nach einer spätrömischen Problemlösung fragen. Die ganze Aktion kann man auch unter der Rubrik Schwerer Fehler am Oxer, oder ganz groβes Damentennis ablegen. Oder wie es ein Kollege nannte: Thai Politiker sind Bremser auf dem bergauf fahrenden Tandem.

Letzter vorläufiger Stand, wenn es um die eigene Haut geht:

 Nach dem Zurückrudern des Ministeriums könnten religiöse (buddhistische) Motive lediglich auf dem Oberkörper eventuell, vielleicht, doch erlaubt sein. Da haben die wieder nicht die Hausaufgaben gemacht. Gemäß klerikaler Ansicht, muβ eine Abbildung Buddhas immer über den Köpfen angebracht sein, aber mal ehrlich- wer läβt sich da schon tätowieren? 

Aus aktuellem Anlass…

Wow, eine Anekdote hab’ ich noch:

Ein Kumpel von mir hatte sich in traditionellem Herzdesign den Namen seiner langjährigen Freundin auf den Arm tätowieren lassen: J U L I A N E. Nachdem sich seine Herzdame aus dem Staub gemacht hatte, war er ziemlich angefressen über den Print, besonders wenn er kurzärmelig durch die Aufreißer-Clubs lustwandelte. Maria, eine gemeinsame Freundin von uns, machte dann den Vorschlag das Teil von einem guten Tätowierer einfach ändern zu lassen. Heraus kam folgender Vorschlag, der ihn allerdings noch mehr auf die Palme brachte:

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2 Antworten to “Thailand geht unter die Haut- Tattoo-Verbot für Ausländer?”

  1. Finde ich absolut richtig so !

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  2. Einfach hinreissend zu lesen! Bin gerade in Thailand und nach der euphorischen „Lächeln-Sonnenphase“ fange ich an die Sache hier realistisch zu sehen, und bin wesentlich vorsichtiger geworden.

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