Qualitätsbabies- Erobert das Mutterverdienstkreuz Thailand?

country icon Ich war shoppen und kam wie oft mit anhaltendem Kopfschütteln zurück. Der Kaffee im Laden kostet 41 Baht. Ich gab der 18-jährigen Krämerseele einen 100 Baht Schein und eine 1 Baht Münze. Anstatt mir drei 20er zurückzugeben, bekomme ich zwei 20 Baht Scheine, eine 10 Baht und neun 1 Baht Münzen Wechselgeld. Und weil sein leerer Schädel wenigstens von einer ehrlichen Haut umgeben ist, reicht er mir voller Stolz auch noch meine 1 Baht Münze zurück. 59 Baht retour war auf der Anzeige der Registrierkasse zu lesen- und die irrt sich nie!

 Die 16-jährige Oberschülerin (man kann nie genug Bildung haben), die seit 3 Jahren nebenbei im elterlichen Eckladen bedient, muβ zum hundertsten Mal ihre Mutter fragen, was eine Flasche Leo Bier kostet. Im Laden daneben verzweifelt die 30-jährige Besitzerin bei der Suche nach dem Taschenrechner, weil sie nicht genug Grips hat zwei Artikel zum Stückpreis von 30 Baht zu addieren. So geht es einem hier den ganzen Tag lang- Wo man hinschaut- IQ Leichen und Hirnstrom-Flatliner!

´Drum laβ dir Ringe um die Beine schweiβen, daβ dich nicht die Schweine beiβen!

 Vor rund sechs Jahren eröffnete mir der damalige Leiter des Technologiezentrums “Biopolis” in Singapur: „Vierzig Jahre lang haben wir nur funktionierende Bürger gebraucht, jetzt können wir es uns leisten, Künstler zu produzieren!“ So ist das in einer Nation, wo sich das Staatsoberhaupt die Bausteine seines Gesellschaftsmodells hauptsächlich mit Ideen aus drei Büchern zusammengebastelt hat – „Mein Kampf“, „Piccolo mit Niccolò Machiavelli“ und „1984“.

Es gibt doch genugend Fachliteratur…

 

 Ein gewisser Prof. Pramote Prasartful, der Mahidol University in Bangkok, hat wohl bei der Auswahl seiner Lektüre aus dem Bücherregal leicht daneben gegriffen. Sein Vorschlag: die Regierung möge doch Anreize schaffen, damit Thailands Frauen künftig anstatt Masse, besser „Qualitäts-Babies“ produzieren, scheint mehr zum Bestseller „Mein Krampf“ von Uwe Seeler zu passen. Leider war das schon der Schluβpunkt seiner kurzen Rede und so wird der Rest Thailands wohl nie erfahren, was sich der Gelehrte denn genau unter einem Qualitätsbaby vorstellt. Designer Babies aus der Klon-Küche? Kleine Ledernacken?

Schön leise sein beim Hilfe schreien!

 Da es unter den 63,3 Millionen Thais schon genügend Duckmäuser im hierarchischen System gibt, kann da ja wohl kein Bedarf mehr bestehen. Das absolut desolate Bildungssystem (gern Sanitärpädagogik genannt) wird auch in absehbarer Zeit unter den 13,2 Millionen Thais unter 15 Jahren keine Einsteins hervorbringen. Auβerdem scheinen die vom Professor vorgeschlagenen Werkzeuge seiner Qualitäts-Kaderschmiede, Steueranreize, Unterkünfte und 1-monatiger Mutterschaftsurlaub wohl eher eine Verlegenheitslösung eines weltfremden Intellektuellen zu sein. Den Vorschlag ein Qualitäts-Mutter Verdienstkreuz, aus einer Art Ministerium für Volksbesamung zu vergeben, hat er sich bisher verkniffen.

 Eine Meldung in der Presse gibt jedoch Hoffnung. Nach einer Untersuchung der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) sind Thailands Schüler unter den Top Zehn (Rang 8), wenn es um das Benehmen im Klassenraum geht. Wen wundert´s, wenn man morgens in Uniform zum Appell antreten muβ und im Unterricht noch nicht einmal Fragen stellen darf, damit der Lehrer nicht das Gesicht verliert. Zu den wichtigsten Elementen der Thai-Pädagogik zählen: hinsetzen, Klappe halten und auswendig lernen.

 Kaum ein Oberschüler hat jemals die Namen Gandhi, Hitler, Einstein oder gar vom Dalai Lama gehört. Und da es bisher offensichtlich keine Qualitäts Babies gibt, kann auch keiner der Schüler Europa oder die USA auf dem Globus finden, oder auch nur einen einzigen Planeten unseres Sonnensystems nennen.  Laut Ergebnissen der TOEFL Englisch-Prüfung, belegen Thai Studienanfänger konsequent den letzten Platz in ganz Asien. Das ist dann wohl das Ergebnis der Cartoonifizierung des Bildungsfernsehens…

Wie das Volksbesamungs Ministerium meldet, gab es leichte Komplikationen bei der diesjährigen Qualitätsbaby-Produktion.

 Anstatt über Legebatterien für Premiumblagen zu parlieren, wie wäre es damit, erst einmal für qualifizierte Lehrkräfte zu sorgen? In einem Land in dem Lehrerdiplome in Copy-Shops gekauft werden und laut Bildungsminister, Chinnaworn Boonyakiat, 95 Prozent von 37.500 Gymnasial-Lehrern einen Schüler-Test in ihren eigenen Lehrfächern nicht bestanden, wäre es da nicht angebracht über Qualitäts-Lehrer nachzudenken? Man muβ ja nicht gleich das Bildungssystem so drastisch revolutionieren, um nach Qualitäts-Professoren zu fragen…

Die entsprechenden Qualitäts-Diplome gibt s im Copy Shop

Passend dazu die Geschichte von 2002 im Tempel  gefundenen  Föten (hier klicken)

2002 abgetriebene Föten. Sind das die Selektionsreste der Qualitätskontrolle?

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