Halong Bay- Wo Klabautermann, Neptun und Sensenmann mit Schleppnetzen fischen

Welcome to Vietnam- Hier surft der Sensenmann!

 Vietnam hat was! Wunderschöne Landschaften, die alles was man von Thailand und Kambodscha kennt in den Schatten stellen, freundliche Menschen, die einen nicht wie auf Phuket und in Pattaya schon um ein paar Kopeken betrügen, erstklassige Strände und Unterkünfte für jeden Geldbeutel. Eigentlich alles, was man von einer Urlaubsdestination in den Tropen erwartet. Nur Eines kann der ökonomische Shooting Star unter den Süd-Ost Asien Staaten nachwievor nicht bieten- und das ist Sicherheit! Desolate Straβenverhältnisse, hier gibt es knietiefe Schlaglöcher und kraterähnliche Risse im Asphalt der Hauptverkehrsadern, für die man nicht einmal Väterchen Frost verantwortlich machen kann. Auch unsichere Flughäfen und unkontrollierte Busunternehmen fordern alljährlich ihren Tribut. 12.000 Verkehrsteilnehmer (allein 300 beim berauschenden Neujahrsfest) fehlen im Jahresdurchschnitt beim Abendessen. Zählt man tödliche Arbeitsunfälle hinzu, keimt angesichts des Leichenbergs die Frage auf, ob der Vietnamkrieg wirklich jemals beendet wurde. Langsam wird es Zeit, sich den Sicherheitsstandards anderer Länder anzupassen, wenn sich Vietnam in Zukunft auf dem internationalen Tourismusmarkt behaupten will.

Halong Bay- 28 Tote im ersten Halbjahr 2011!  

Muss der neue Tourismus-Slogan schon wieder geändert werden?

 Für jemanden der selbst ein paar Jahre auf Marineschiffen die Ozeane beschippert hat, ist die Idee einen Kreuzfahrt-Urlaub in Betracht zu ziehen, entsprechend absurd. Vergleichbar mit der Aktion sich eine Darmspülung zu verpassen, bloß weil es nichts Vernünftiges im Fernsehen gibt. Nun gibt es aber in Deutschland Hunderttausende, die Neptuns Reich, auf an schwimmende Reha-Kliniken im Odenwaldwald erinnernde, Entertainment-Fabrikschiffen (auch als Mumienschlepper bekannt) erkunden. Das hat auch Vorteile, verhindert es doch, daβ die Riege der Verschrumpelten einem in anderen Urlaubsparadiesen  die Sicht auf die Strandschönheiten nimmt.

 Wem der erhebende Anblick der Kim nach einem 14-tägigen See Törn dann doch nicht mehr den erhofften Kick bietet, reibt sich entweder so lange die Augen bis er psychedelische Farben sieht, oder schaut sich nach abwechslungsreicheren Alternativen um. Eine davon ist eine Dschunken Kreuzfahrt in Vietnams malerischer Halong Bay, die sich aber inzwischen den Ruf eines maritimen Todesstreifens erworben hat. Das ist nichts für Leute, die schon bei leichtem Aquaplaning am Kamener Kreuz in Panik geraten!

Bei der Halong Bay handelt es sich nicht etwa um einen Baggersee mit Tretbootverleih, sondern um die Top Touristenattraktion des Landes mit 1,600 bizarren Felsformationen, die jährlich 5 Millionen Besucher anzieht. Bis zu 500, angeblich lizensierte Boote, bieten von hier Tages,- oder Übernachtungstouren verschiedener Kategorien an. Bisherige Bilanz:

  • 8. Januar bei einer Banker-Party in My Khanh säuft ein schwimmendes Restaurant mit 220 Gästen und Personal ab. Alle wurden gerettet .

Gaststätte zum kühlen Grunde?

  • 17. Februar 12 Tote als sich eine der Junk-Dschunken wegen eines Lochs im Rumpf in Richtung Titanic verabschiedet.

12 Tote im nicht einmal 12 m tiefen Wasser

 Die Version des Polizeisprechers klingt dagegen etwas anders. Demnach vergaβen die Maschinisten des Bootes während des Ankerns die Kühlwasserventile im Maschinenraum zu schließen und legten sich schlafen. Aber soetwas passiert eben mit Halbkreisingenieuren die auch schon gerne mal Schilder wie: „Nicht in die laufende Maschine greifen!“ ignorieren.

In der Nacht brach eines der Ventile und die „Dream Voyager“ lief voll Wasser und bescherte den Passagieren feuchte Träume der besonderen Art. Der Bootsführer Nguyen Van Minh (22), und Maschinist Do Van Thang (27), wurden verhaftet. Getreu dem Motto: Immer auf die Kleinen! Die im Fahrpreis enthaltene Versicherung zahlt den Angehörigen umgerechnet 697.95 €, was nicht einmal die Überführungskosten deckt. Die Offiziellen der Provinzregierung legen deshalb noch einmal denselben Betrag ´drauf. Schiffseigner Truong Hai Co verlor unter anderem Firmennamen bereits 2009 ein Schiff. Damals starben bei dem Schiffsunglück 5 Touristen.

  • 20. Mai 16 Personen, die meisten davon Kinder, ertrinken als sich ihre Dschunke während einer Geburtstagsfeier an Bord zum nassen Grab verwandelt.

16 Tote!  Unglückskapitän war ein Bord- kellner ohne Patent!

 Am 31. Mai werden Nguyen Van Duc (24), und Lao Van Quang (28), als Mitarbeiter der Din Ky Tourism Company von der Polizei der Binh Duong Provinz verhaftet. Quang hatte als Manager des Unternehmens dem 24-jährigen Bordkellner Duc das Schiff anvetraut, wohlwissend, daβ dieser über keine Bootsführer Lizenz verfügt. Als das Schiff zu sinken begann verlieβ Duc die Plancken und schwamm an Land. Als Unglücksursache wurden starker Wind und Regen angegeben…

 Bereits drei Tage zuvor wurden zwei schwimmende Kais und ein 200 qm groβes schwimmendes Restaurant im Saigon River, sowie das zweistöckige Hotelschiff der Firma aus Sicherheitsgründen geschlossen. Wie der Besitzer der Firma Chau Hoan Tam, später zugab, besaβ er zum Zeitpunkt des Unglücks weder die nötige Lizenz als Tourboot-Pier Betreiber, noch war das Schiff amtlich registriert, was angeblich ein Verschulden seines vergesslichen Managers ist.

Gründe für die Unfälle:

Die Schiffe

 Gut ein Viertel der 500 Tourboote werden von Experten als „Seelenverkäufer“ eingeschätzt. Viele der Totenmannskisten sind alte Lastkähne, die lediglich ein Upgrade erfahren haben. Allein das Gewicht der unzähligen An- und Umbauten (höher, breiter, schöner), bringt die Dschunken häufig schon bei kleinen Windstöβen aus der Balance. Also schippert man auf einer nachgemachten Kopie eines uralten und dazu noch schlechten Imitats.

Die Crews

 Ein Tourist berichtet, daβ bei seiner Tour drei Crewmitglieder auf der Brücke standen und es bei klarer Sicht und ruhigem Wasser schafften, eine Klippe von der Gröβe eines Einfamilienhauses zu rammen. Der Zusammenprall war so gewaltig, daβ von der Klippe ein Brocken von der Gröβe eines Pickup Trucks abbrach. Da fragt man sich, ob die Jungs das Navigieren und bugsieren mit Einkaufswagen auf dem Parkplatz vor dem Fischrestaurant geübt haben.

 Einige der „Kapitäne“ schippern ohne Lizenz, oder besitzen Kapitänspatente, die sie wahrscheinlich auf einem Basar in Korruptistan gekauft haben. Und wer glaubt Warp 9 ist nur für Raumschiffe, der hat noch nie die flachen Fischerboote mit getunten V8-Chevrolet Motoren an sich vorbeiflitzen sehen.

Behördliche Aufsicht

 Natürlich gibt es in Vietnam jede Menge Behörden und noch mehr Inspektoren. Damit haben die Leute einen Job, aber leider auch einen, der chronisch unterbezahlt wird. Also wird in jeder Amtsstube die Kaffeekasse zum Maβ aller Dinge. Hier gibt’s vom Führerschein bis zur Baugenehmigung für einen Golfplatz jedes amtliche Papier zu kaufen. Warum soll dann die seit Jahren überfällige Schiffsinspektion, unter sengender Sonne im Freien und nicht in einer klimatisierten Karaoke-Bar stattfinden, nur um herauszufinden, daβ an der Holzkiste ohnehin nichts mehr zu löten ist?

Ein paar vage Tipps

Lonely Planet: At the same time, regulations and safety standards are nonexistent. This is a dangerous combination. If you must go on a tour of Halong Bay, be very, very careful when choosing your operator and keep a watchful eye at all times. Die Liste der Beschwerden ist ziemlich lang mehr dazu: http://www.lonelyplanet.com/vietnam/northeast-vietnam/halong-city/forum

Ein Tour Guide: Man sollte daraufachten, ein Boot mit Glasfenstern zu wählen. Die alten Boote haben Holzfenster, die sich bei Gefahr nicht öffnen, oder wie Glas, einschlagen lassen. Sein Fazit: Man sollte darauf gefaβt sein, daβ alles was schief gehen kann auch schief geht!

Eine gängige Bezeichnung der GI’s über die Verhältnisse in Vietnam war der Begriff SNAFU:

Situation normal all f‘cked up!

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