Bangcock: Was zum Teufel macht Jesus im Puff der Soi Cowboy?

country icon Wenn Yum am Freitagabend mit dem Bus zur Arbeit in einem der grössten Puffs in Bangkoks Soi Cowboy unterwegs ist, ist sie immer leicht genervt. Sie weiss schon jetzt was sie erwartet: neben den 150 Mädels die sich  in der „Bar“ als professionelle Chromepole Molester geben, kommen am Wochenende noch die 20 bis 30 Coyote Girls hinzu, um der Stammbesatzung Konkurrenz zu machen. Da Yum mit 36 Jahren eigentlich schon weit über dem Verfalldatum ihres Gewerbes liegt, und dazu nicht unbedingt zu den attraktivsten Vaginalfachverkäuferinnen des Ladens zählt, stehen ihre Chancen auf eine Barfine, plus Begattungsgebühr von einem der freiwilligen Pfizer-Probanden aus dem Westen, bei nahe Null.

 Freitags trudeln hier nicht nur die Touristen-Freier ein, es kommen auch die Auslands-Geschäftsleute, weil das der letzte Tag der Woche ist, an dem sie zuhause erzählen können,  sie waren  bis zwei Uhr morgens bei einem dieser langweiligen Geschäftsessen, während sie sich in einem Stundenhotel von einem der Bargirls den Schaft beschnattern liessen. Aber eben von einem Girlie unter 20!

I.N.R.I. jetzt auch am Schwebebalken?

 Doch wie aus heiterem Himmel (auf die Formulierung freute ich mich schon seit dem ersten Absatz), tauchen plötzlich drei mittelalterliche Damen auf. Pausbäckige Hausfrauen in knielangen Faltenröcken (passend zum Gesicht), von denen die Mädchen zuerst glaubten, sie suchen nach ihren Ehemännern. Aber die Damen aus einer anderen Welt, gaben sich als amerikanische Jesusgreifer aus dem berüchtigten Bible Belt zu erkennen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, unter den Zeugen Tequilas verlorene Seelen direkt von der Stange zu kaufen.

 Zunächst spendierten sie denen, die sie nach eigener Aussage, schon  von der Körpersprache her als berufsbedingt „deprimiert“ erkannt hatten, einige Drinks (60 Baht pro Drink gehen davon an die Girls), bevor die Kampfchristen, versiert im Smalltalk, genügend Deprimierte um sich gescharrt hatten, um die Katze aus dem Sack zu lassen: Sie boten dem Pulk der inzwischen auf ein Dutzend angeschwollenen trinkfreudigen Kopulationshilfen an, ihre Barfine zu bezahlen, um sie im Konferenzzimmer eines nahen Hotels zu einer Gesprächsrunde über Jesus einzuladen. Erstens sei es dafür in der Bar ja wohl zu laut, und zweitens hatten die Weihwasserforellen wohl auch Muffe, den Puff unter den wachsamen Augen der Mamasan zur Praystation umzuwandeln. Zumindest für Yum war die Nummer ein Geschenk des Himmels, wenngleich sie wohl kaum etwas Neues von Bischof Mixa, oder dem Kreuzsplitter-Tycoon Papa Ratzi erfahren würde.

Angebot und Nachfrage

 Die Veranstaltung der amerikanischen „Vietkan“ (Vietcong/Vatikan) war dem Konzept der Heizdeckenverkäufer, Butterfahrten-Animateure und Timeshare-Taliban abgekupfert. Doch hier wurden weder Heiligenbildchen, Plastik Jesus Figuren mit magnetischem Hintern für’s Armaturenbrett, oder gar die bei Kindern so beliebten INRI-Sets (Drei Nägel – zwei Balken – ein Hammer) verkauft. Man versuchte lediglich, im immer vertraulicher werdenden Gespräch, das Brot, bzw.  das Eis zu brechen.

 Während die gesamte Mannschaft eben noch im Puff, zwischen den Dreierreihen der Jupp’s mit der Latte gestanden hat, erregten sich in Hoffnung auf den ersehnten Saulus-Paulus-Effekt nun noch mehr aufgetauchte Getaufte im Gespräch mit Prostituierten, von denen nur drei Englisch Sprachen. Dabei ging es, bei Weihnachtsgebäck und Softdrinks, um einen Typen der vor mehr als 2000 Jahren unfreiwillig gestorben ist, und dann doch wieder nicht tot war. Immerhin beweist das Getränkeangebot, es war wiedermal gelungen, Wein zu Wasser zu machen, obwohl den Girls ein zünftiges Gelage mit Sang Som, Isan-Karaoke und Lao-Dancing wohl lieber gewesen wäre. Vielleicht überdenken die Kanzelkasper und Religionsanbieter ihre Strategie ja nochmal. Yum war jedenfalls zufrieden! Sie hatte früh Feierabend, eine Barfine drei 60 Baht Coupons für Drinks und dafür bedankte sie sich wie immer vor ihrem Hausaltar kniend bei Buddha…

Einen kleinen Haken hat die Sache dennoch. Würden alle Nutten Bangkoks als Alternative ihre Seele wie im Film „Crossroads“ dem Teufel verkaufen, weil der garantiert die besseren Partys schmeiβt, gäbe es in der Stadt mehr Nummer 1 Gitarristen als Postzusteller in Hamburg!

 Nachdem nun also Südamerika komplett zwangsmissioniert wurde, auf jeder polynesischen Insel mindestens ein halbes Dutzend Glockendisco’s stehen, für Missionare in den meisten Ländern Afrikas kaum mehr als eine Tracht Prügel zu erwarten ist, treiben die Namensgeber der verbreitetsten Stellung aller Sexualpraktiken nun ihr Unwesen in den Puffs buddhistischer Länder. Wenn das OK ist, warum dann nicht auch eine Moschee in Disneyland, oder Minarette in direkter Nachbarschaft vom Pentagon?

 Ob der in Thailand angepeilte Bekehrungseffekt mit Erklärungen wie: Christentum ist wie Buddhismus, leider eben auch steuerpflichtig, zu befeuern ist, darf gern bezweifelt werden. Wie wär’s mit diesem Argument, nur für den Fall, dass unter Prostituierten Vorbehalte gegen ältere Herren in Frauengewändern mit rauchenden Handtäschchen bestehen: Jesuiten Pater unterscheiden sich lediglich durch die Kutten von anderen kinderlieben Touristen in Thailand und Kambodscha!

 Zu den prominentesten Jesus-Freaks, die hier die Missionarsstellung halten, gehört eine Truppe der Pentecostals (Pfingstler) Assemblies of Canada, die das gedruckte der Bibel als Fakten akzeptieren und somit „EVOLUTION“ im besten Fall für einen Beatles Titel halten.

Familie McIntosh, Bangkoks Stadthalter der Pentecostal Assemblies of Canada …wären die doch bloss bei der traditionellen Bonbonproduktion geblieben

Was diese Altarkomiker von anderen evangelischen Christen unterscheidet ist der Glaube, dass der Heilige Geist die Seele eines Menschen nach der Taufe besitzt. Apropos Besitz- wenn Geld der Urspung allen Übels ist, warum betteln die einen dann immer darum an? Um im umworbenen Markt mit den Seelen aber auch gegen erprobte Marketingstrategien von Cyber-Sex-Gurus, Voodo-Priestern, Bohmos und Investment Bankern bestehen zu können, reicht das wohl heute zum Seelenfang nicht mehr aus. Da muss einfach mehr Zauber her! Deshalb verspricht man den Anhängern, daß nach ein paar Tröpfchen geweihten Wassers aufs Grosshirn, als im Klingelbeutelpreis enthaltene Dreingabe, auch noch die Fähigkeit urplötzlich in anderen Sprachen zu kommunizieren, Prophezeiungen, Wunderheilungen und sichtbare Zeichen von Gott zum Angebot gehören. (Klingt für mich irgendwie mehr nach „Obstler“ als Pfingstler).

 Zu der Sekte gehört auch noch eine NGO (Nightlight), die in ihrem Februar Newsletter folgendes abliefert:

„Bei Aye, bei der man Lungenkrebs diagnostiziert hat,

wurde nach Gebeten ihre Diagnose auf Asthma geändert.”

Und damit versucht man nun Bauernmädchen mit 4 Jahren Schulbildung zum Konvertieren zu bewegen.

Oh Herr, läßt du es nun endlich Hirn regnen?

Wenn das so weiter geht, freue ich mich schon auf die Schlagzeile:

Irische Priester beim Kleidertausch mit Katoeys in Patpong erwischt.

P.S.

…und kann mir bitte endlich mal jemand erklären, warum die Mormonen-Missionare (Steckbrief: weisses Hemd, blaue Hose, Namensschild, Bibel unterm Arm und Fahrradklammer) immer so aussehen als hätten ihre Mütter was mit Theo Lingen gehabt?

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3 Antworten to “Bangcock: Was zum Teufel macht Jesus im Puff der Soi Cowboy?”

  1. Lieber Paul,
    Vielen Dank. Dein Freund Thomas war da ja ganz anderer Meinung. Ich mache dennoch weiter. Schließlich schreibe ich den Blog nicht für selbsternannte Gralshüter der Germanistik, die sich ihr literarisches EK I gerade in Lesezirkeln einer Kleinstadt-VHS auf Åland erworben haben.

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  2. Ich muss (will) sagen : der Schreibstil ist brillant!

    Seit längerem schreibe ich an einem Thema “ Keine Kleider nirgendwo “ das diese Phänomene im Herzen von Mitteleuropa beschreibt.

    Ich wünschte ich hätte deine Prägnanz in den Formulierungen!

    Hoffe ich finde noch mehr von dir.

    Gruß

    Paul

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  3. Na klar gibt’s da eine Verbindung zu Theo! Schon mal den Spruch aus den 30er Jahren gehört?

    „Heute ist bei Theo Lingen großes Sack- und Beutelschwingen“

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