Der Herrgott war ein lausiger Koch

“Ein Weiß überdeckt drei Häßlichkeiten” (jap. Sprichwort)

 „Diese Plätze sind für Menschen mit weißer Haut reserviert“ – Der Text, der jeden sofort an Südafrikas Apartheit, oder den tiefen Süden der USA in den 60er Jahren erinnert, war jedoch im Januar 2011 die Aussage einer Reklametafel für „Weißmacher-Kosmetik“ in den Zügen der BTS Sky Trains in Bangkok. Was offensichtlich als eine Persiflage auf die Hinweisschilder gedacht war, die Sitzplätze für Mönche und ältere Mitbürger reservieren, löste heftige Diskussionen aus. Man stelle sich den internationalen Aufschrei vor, hätte diese- zumindest geschmacklose Werbung- in einem ICE gehangen!

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 In Thailand kursiert eine höchst eigene Version der Schöpfungsgeschichte: Am Anfang schuf Gott die Menschen, jedoch kochte er das Volk zu lange mit dem Ergebnis, daβ er dunkelhäutige Menschen schuf. Dann kochte er sie zu wenig, das ergab käsige Westler. Schließlich kochte er sie mit der richtigen Temperatur und erschuf hellhäutige Asiaten. Bingo! Soviel zur Unfehlbarkeit Gottes und der katholischen Kirche, wenn man das Märchen mal asiatisch-pragmatisch betrachtet.

Holy shit! Es gibt nichts Schlimmeres als Amateure in der Kueche!

 Man unterscheidet allgemein vier Haupt- und 42 ethnische Untergruppen auf dem Globus. Vierzehn davon sind eindeutig dunkelhäutig und lediglich drei von ihnen sind eindeutig als weiß zu bezeichnen. Der Rest läuft unter der Rubrik hell- bis dunkelbraun.

 Der Markt für Whitening Cremes, Deo’s, Seife, Lotion und was auch immer man sich sonst noch auf die Pelle schmiert, boomt in Asien wie sonst nirgends auf der Welt. Einzig nennenswerte Aussnahme auβerhalb Asiens war vielleicht die Neverland Ranch. In Singapur, wo das Pro-Kopfeinkommen weit über dem der Nachbarländer liegt, kann man sich Tonnen von Kalkweissern leisten. Und während man es nach dem Abgang des Kinderfreundes und King of Pop für mitteilungswürdig hielt zu erwähnen, daß man in seinem Boudoir 37 Tuben verschiedener Bleichmacher gefunden hat, findet man eine ähnlich hohe Anzahl wahrscheinlich in jedem Badezimmer eines staatlichen Bausparerghettos (HDB) des Inselparadieses. Wer schon nicht alltagsgrau aussehen will, strebt hier zumindest die Konkurrenz zu einem Glas Milch an.!

 Nach Angaben der Vereinigung von Singapurs Parfüm und Kosmetik-Händlern, machten die Verkäufe von Weißmacher-Kosmetik 2008 in Warenhäusern 14 Prozent des Hautpflegemittel-Verkaufs aus.

Das Entspricht  21 Millionen Dollar (4,55 Dollar pro Kopf der Bevölkerung vom Baby bis zum Greis) und einer Zunahme von 3.1 Prozent zum Vorjahr.

 Interessanter Weise ist Singapur einer der wenigen Staaten in Süd-Ost Asien, in dem ethnische Harmonie gesetzlich vorgeschrieben ist. Für den o.g. Werbe faux pas, würde man hier einen Knastaufenthalt riskieren! Etwas verwirrend ist die „racial harmony policy“ schon, wenn man ein paar andere Eigenheiten des Stadt-Staats betrachtet, die gleichzeitig relevant sind. So gilt man nicht als zweisprachig (bilingual), wenn nicht eine der (egal wie viele) beherrschten Sprachen, Mandarin ist. Es tut der „racial harmony“ auch keinen Abbruch, wenn bei der Vergabe von Stipendien Singapurianer der chinesischen Mehrheit systematisch bevorzugt werden. Dasselbe gilt für Zuzugsbedingungen aus anderen asiatischen Ländern, bei der Vergabe des PR-Status‘, oder gar der Staatsbürgerschaft (Restaurantkellner aus Hong Kong und Annimierdamen aus Beijing – Ja!- IT-Spezialisten aus Vietnam oder Kerala- eher nicht so). Es gibt hier noch eine bedeutende Anzahl weiterer rassistischer Benachteiligungen.

Asiatische Weis(s)heit

 Zu den grotesken Hinterlassenschaften der Kolonialzeit gehört die Klassifizierung zwischen heller und dunkler Haut und die damit verbundene soziale Stellung. Das ist jedoch kein Grund für Europäer darüber die blassen Nasen zu rümpfen. So lange ist es nun auch wieder nicht her, daß jede Blankeneser Trockenpflaume mit nahezu hanseatisch blauem Blut, gepuderter Nase und sogenannter vornehmer Blässe besser angesehener war, als die sonnengebräunte Obstpflückerin aus dem Alten Land, von der anderen Seite der Elbe. In Süd-Ost Asien wird eine hellere Haut noch immer mit vornehm und aristokratisch assoziiert. Und welche 18-jährige Studentin, deren Eltern das Geld für ihr Studium mit einem Hawkerstall, oder unter brennender Sonne auf dem Reisfeld verdienen, träumt nicht davon in dieser Liga zu spielen?

 Nun zeichnet sich Süd-Ost Asien nicht nur durch Geschäftstüchtigkeit, sondern eben auch durch beispiellose Gier nach schnellem Reichtum aus, und da ist der Handel mit den unglaublichsten Sachen (legal – illegal -scheißegal) schon fast eine Verpflichtung.

Quecksilber Quelle

 Da man, besonders in Hong Kong und Singapur, gedrillt wird erfolgsorientiert zu denken, scheint es nur natürlich, wenn Weißmacherprodukte nicht nach Preis oder Ingredienzien gekauft werden, sondern welche den schnellstmöglichen „Dracula-Effekt“ erzielen. Und da nimmt man es dann auch in Kauf wenn die unter dem Ladentisch verhökerten Produkte wie „Rosedew“ (Hong Kong) und „La Rose Blanche“ (Paris) aus chinesischen Giftküchen, den zulässigen Quecksilbergehalt zwischen dem 9.000- und 65.000-fachen zugelassenen Gehalt übersteigen. Da kann man eigentlich gleich aus dem Thermometer trinken!

Danach gehören Frisurmutationen á la Kojack eher zu den Bagatellunfällen. In der quecksilbernen Halbliterklasse wird man mit Schüttelkrämpfen, Nierenversagen, Hirnschäden und Koma vom Platz getragen.

Die annehmbare Dosierung von Quecksilber, wie nach Chinas „Hygienischen Standards für die Kosmetik“ angegeben, ist ein Teil pro Million (1 ppm). Die Firmen gaben an, dass es sich bei den Produkten wahrscheinlich um Falsifikate handelt- eine typisch asiatische Weiβwäscherei-Antwort!

 Quecksilber ist so toxisch und gefährlich, daβ Arbeiter die es im 19ten Jahrhundert verwendeten um Filzhüte herzustellen, psychische Veränderungen durchmachten, die Beobachter dazu animierte den noch immer gültigen Begriff  „mad-as-a-hatter“ (verrückt wie ein Hutmacher) zu prägen.

 Unter Hautärzten gilt: Je wirksamer ein „whitening“ Produkt  ist, desto weniger sicher ist es, und mit einem starken Produkt, wird wie erwartet, die Reaktion heftiger sein. (Mehr zu Auswirkungen von Quecksilber-Vergiftungen unter:

(http://edition.cnn.com/2002/WORLD/asiapcf/east/05/14/asia.mercury/index.html)

 Aber was soll’s? Wer nicht zünftig pudert, schminkt nicht am Limit! Ein Europäer, der am Montag genervt von den Werbeaktionen für Bräunungscremes und Sonnenstudios die Heimat verlässt und am Dienstag in Süd-Ost Asien ankommt, muss umdenken! Leute denen man zuhause bescheinigt, sie sähen aus wie eine Kalkleiste, Guantanamo bei Nieselregen, oder wie Jesus am Karfreitag, sind hier hoch angesehen.

 Es gibt eine große Auswahl an Produkten (Weißmacher) in den USA, aber die meisten dieser inländischen Bleichmittel enthalten Hydrochinon, ein mögliches Karzinogen, wie durch die amerikanische Aufsichtsbehörde für Lebensmittel und Medikamente (FDA) angemerkt wurde. Kurioser Weise ist diese Substanz in Asien verboten. Naja, irgendwo muss der Begriff „totenbleich“ ja schließlich beheimatet sein.

 In meinen Augen ist diese Art des legalisierten Rassismus der zweitgrösste Marketing-Stunt der Geschichte. Spitzenreiter in dieser Rubrik ist unangefochten der besonders von Österreichern favorisierte Irrglaube, daß Adolf Hitler (ehemaliger Maler/Anstreicher) jemals ein legitimer deutscher Staatsbürger war.

 Mehr dazu hier:

http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/16141/wie_hitler_deutscher_wurde.html

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