Thailand: Wahl-Watching-Urlaub unter Hardcore Bedingungen?

...aber besser nicht im Juli!

 Es gibt Abenteuer-Urlauber, die bei diversen Extremsportarten ein gewisses Maβ an gut kalkulierbarem Risiko, mit entsprechendem Nervenkitzel suchen. Daneben gibt es Risiko-Urlauber, die in diesen Zeiten auch nicht davor zurückschrecken in Krisengebiete wie Marokko, Tunesien oder Algerien zu reisen. Und dann gibt es noch die Spezies der „Hans-guck-in-die-Luft-Touristen“, die erst auf dem Transfers vom Airport zum Hotel bemerken, daβ sie einen Urlaub im Katastrophengebiet gebucht haben. Aber so ist das eben mit Leuten, die ihr Abitur in Fächern wie Religion und Werken & Nadelarbeit gemacht haben.

 Zu den Top 10 Zielen der letzten Kategorie zählen unter anderem: Japan, mit Besuchen bei den GAU-Leitern in Betroffenheitsblaumännern, Haiti als Destination zum ultimativen Test des eigenen Immunsystems, oder ein verlängertes „rauchende Colts“ Wochenende am Karakorum-Highway. Wer dazu so einen Urlaub auch noch in Form eines Geschenkgutscheins, mit Flugtickets von Philippine Airlines, Air Madagascar, Kyrgyzstan Airlines, oder Iran Air zum Geburtstag erhält, sollte seinen engsten Familienkreis vielleicht noch einmal auf potentielle Erbschleicher durchleuchten.

 Es kann auch kein Zufall sein, daβ die folgende Weisheit ausgerechnet aus dem alten Persien (heutigem Iran) stammt: „Das Beste, was man von Reisen nach Hause bringt, ist die heile Haut.“ Man braucht jedoch keine Kristallkugel, um vorherzusehen, daβ ein Thailand-Urlaub im Juli 2011 ziemlich sicher als Neueinsteiger in die Top 10 Kategorie aufgenommen wird.

Redshirt Demo am 19.Mai beim Central World Center, Bangkok

 Eine Thailandreise im Juli, empfiehlt sich lediglich für Liebhaber des „Wahl-Watchings“ unter hardcore Bedingungen. Unzufriedene Generäle bescherten der konstitutionellen Monarchie seit 1932 immerhin 18 Staatsstreiche, einschließlich der Machtübernahme vor fünf Jahren, in deren Folge 90.000 Reisende in der Hauptsaison (November) für mehrere Tage auf Bangkoks neuem Flughafen festsaβen. Und wer erinnert sich nicht an die Redshirt Proteste im Mai 2010, die immerhin 91 Personen in einen ästhetisch eher mangelhaften, aber weltweit medientauglichen Tod befördert haben.

 Wie die Erfahrung aus vergangenen Wahlen in Thailand zeigt, ist nicht auszuschlieβen, daβ es auch vor dem 3. Juli wieder zu massiven Stimmenkäufen kommt. Der aktuelle Preis für eine Wahlstimme ist zwischenzeitlich von 200 auf 500 Baht (4,60 / 11,50 €) gestiegen. Hinzu kommt, daβ die Partei der Redshirts (Pheu Thai Party), deren Fäden der im Exil lebende Ex-Premier Thaksin Shinawatra fest in der Hand hält, nun ausgerechnet seine jüngere Schwester Yingluck Shinawatra zur Spitzenkandidatin für das Amt des Ministerpräsidenten gemacht hat. Sollte sie die Wahl gegen den amtierenden Demokraten, Premier Abhisit Vejjajiva, gewinnen, würde sich der Kreis schlieβen und für die Gelbhemden wäre alles wie vor dem Putsch gegen den ehemaligen thailändischen Ministerpräsidenten. Da hilft vielleicht die neue Zugverbindung zum Suvarnabhumi Airport…

Yellow Protest August 2008

 Gewinnt jedoch Abhisit, werden die Proteste der Rothemden mit grosser Wahrscheinlichkeit wieder aufflackern, wie eine Gedenkveranstaltung an den „Roten Sonntag“ in der vergangenen Woche ahnen lieβ. In so einer Situation haben lediglich die Versicherungen in Thailand noch starkes Wachstumspotenzial, denn Glasfassaden und deren natürlichen Feinde wie Red- oder Yellowshirts, wird es hier noch lange geben.

Fakten zur Wahl:

  • Auch kurz vor der Wahl sind die Gerüchte um einen neuen Militärputsch nicht verstummt.
  • Zur Wahl am 3.Juli sind insgesamt 30 (!) Parteien angetreten. Die gröβten Blöcke bilden die Regierungspartei der Demokraten und das Oppositionsbündnis der Pheu Thai.
  • 76 % der Bevölkerung fühlen sich weder zu den „red shirts“ oder „yellow shirts hingezogen.“ *
  • Bei einer Abac Umfrage im Januar, durchgeführt von der Assumption-Universität und erstmalig veröffentlicht von der Bangkok Post, gaben 80 % der Befragten 2.604 Wahlberechtigten in 18 Provinzen von Thailand an, daβ bei vergangenen Wahlen Stimmenkauf in ihrer Kommune stattgefunden hat.

Text: Bestechung annehmen und Stimmenkauf sind schlecht

  • 53,2% gaben zu, sie würden das angebotene Geld für ihre Stimme annehmen.
  • 40,2% würden die Bestechungsgelder nicht annehmen.
  • 70% der Wähler mit den offenen Händen stammten aus dem Nordosten, dem Kernland der Redshirts.

 Unter solchen Bedingungen ist das Chaos eigentlich vorprogrammiert. Da läβt man besser für eine Weile sein „Kofferset Pattaya“ im Keller und meidet auf geplanten Geschäftsreisen einen Zwischenstopp in Bangkok, der Stadt des zornigen Bürgertums. Auβerdem fällt der Wahltermin sowieso in die Regenzeit (Juni – Oktober) und für alle anderen gilt wie immer das Motto:

Welcome to Thailand- leave your money and now go home!

Ergänzend zum Thema: Urlaub bei Familie Ballermann und

114 Auftragskiller erwarten Ihr Angebot

* Quelle: Asia Foundation
Photo credits: Blanchard Publishing / Wiki commons
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