Nix als Geld am Kopp

country icon thHand auf’s Herz. Wer von uns ist schon so ganz ohne Aberglauben aufgewachsen, oder Dinge die man in Norddeutschland schlechthin als „Spökenkiekerei“ bezeichnet? Schwarze Katzen die einem über den Weg laufen, unter Leitern herumspazieren. Solcherlei Ignoranz des Überirdischen soll ja geradezu das Unglück herausfordern. Oder wie wärs mit orakelnden Barfrauen die behaupten: “Mir juckt die Brust- heute gibt’s noch Sekt.“ Und wer erinnert sich nicht gerne an Taxifahrer, die sich vor dem Euro geweigert haben 5-DM Scheine anzunehmen (Die Lappen ham die Pest ey)? Läuft alles unter der Rubrik- Wer’s glaubt wird selig. Und wer glaubt, derlei mittelalterliche Weisheit sei nicht zu toppen, sollte unbedingt Asien besuchen.

Chain Gang Thai-style

In meiner Nachbarschaft gibt es Motoradtaxi-Fahrer, deren halbe Körper mit buddhistischen Tätowierungen, zum Schutz gegen alles von Alzheimer bis Zwangsvollstreckung, gepeikert sind und die ein gutes Kilo Amulette um denn Hals tragen. Dagegen gelten deutsche Schützenkönige und selbst Nordkoreas Kim Jong Il als geradezu armeselig dekoriert. Einige Glücksanhänger sollen laut klerikalen Herstellern sogar das sensibelste Rippenfell gegen Messerstiche immunisieren… Alles für „Good Luck“. Ich frage mich, wieviele der Moped-Jockey’s sich inzwischen selbst bei kleineren Unfällen mittels der schweren Talismannketten stranguliert haben?

 Bevor Thailands Orgasmus-Assistentinnen aus den Lapdance-Schuppen, im gürtelbreiten Supermini „ohne Schlübber“ an der Stange hüpfen, klatschen sie sich zuhause vor dem Hausaltar kniend oder in einer Ecke der Bar erstmal den dicksten Geldschein aus dem kopierten „TonLui“ (Thainame für Louis Vitton) Portemonnaie an die Stirn. Auch das soll Good Luck bringen und zwar in Form eines Freiers aus der Rubrik „small dick- big wallet“. Len sak – heist die Zeremonie bei der sich die Girls selbst, oder die Arbeitsstätte segnen. Aber es kommt buchstäblich noch fetter.

PingPong, König der Tupferparties

 Vor meinem Haus verkauft mein Kumpel „Ping-Pong“ von seinem wackeligen Campingtisch aus kleine Spiesse mit Fisch- und Fleischbällchen. Eine Bezeichnung, die in etwa so absurd ist wie „Nazis gegen Rechts“, da die Dinger zu 89% aus Sojamehl bestehen und zur Aroma-Entwicklung vielleicht einmal neben richtigem Fleisch und Fisch gelegen haben. Selbstverständlich ist er als Thai ebenfalls glühender Anhänger des „Erstmal die Kohle an die Stirn klatschen Rituals“. Denn wenn schon das Abfackeln heugarbengrosser Bündel Räucherstäbchen die Fressbudenkonjunkur nicht belebt, dann hilft nur eins: Zack, den Fuffi an die Birne!

Er nimmt also ein kleines Bündel 50 Baht Scheine und tupft es an die Stirn. Geht ja noch. Aber nun gibt Ping-Pong richtig Gas und tupft mit den Königsbildchen das gesamte Unternehmen ab, inklusive Campingtisch und fettglänzende Spiesschen in der Vitrine. Natürlich geht das nur in der voran beschriebenen Reihenfolge, sonst würde ja seine Birne glänzen wie die Tür vom Café Keese.

In meinem Appartment-Komplex ist wegen der zur Regenzeit herrschenden „arktischen Temperaturen“ (nachts 25°C) jeder Dritte am Husten und manchen sprudelt der Rotz aus den Nüstern wie einem Trakehner Hengst auf der Flucht vor den Kosaken.

Letzte Statistiken besagen, es gab „offiziell“ mehr als 2000 Leute in Thailand, die den mexikanischen Schweinegrippchen Virus beherbergten. Sieben davon werden sowieso nie wieder nach Ping-Pong’s Tupfer-Spiesschen fragen. Inzwischen grassiert ein saisonal auftauchender Magen-Darm Virus. Der bereitet unglaubliche Schmerzen in den Kaldaunen seines Gastgebers und führt nicht selten zu Entzündungen verschiedener Organe. Wenn man sich den einfängt, ist das eben „Bad Luck“  und wie man das verhindern kann wisst Ihr ja nun. Das hat mit Basis-Hygiene nix zu tun!

Keine Ahnung, ob man sich um das zu verhindern, die Beipackzettel aus der Hausapotheke, oder doch lieber gleich den Rezeptblock beim Doktor an die Stirn reiben muss…

Wenigstens sind die Scheinchenzähler in der Bank alle mit Mundschutz und Chirurgenhandschuhen ausgestattet.

P.S. Soeben durfte ich beobachten, wie sich Ping Pongs Nachbarunternehmerin genüsslich zwischen den Zehen pulte, um danach ihre Fingernägel mit dem einzigen Küchenmesser in ihrer Bude zu säubern. Fliessendes Wasser hat sie leider nur wenn es regnet… Um ihr Somtam ohne Notarzt zu überstehen braucht man schon ein Immunsystem wie eine Bahnhofsnutte in Bukarest!

Mahlzeit!

hawker stall

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