Urlaub bei Familie Ballermann

country icon“The farther we get away from the land, the greater our insecurity.” (Henry Ford)

 Ich sitze im Ferienflieger, habe mich aus Sicherheitsgründen ordungsgemäss angeschnallt und beobachte gerade das Stewardessenballett beim obligatorischen Blowjob an der Schwimmweste. Kurz vor der Starterlaubnis, legen plötzlich sämtliche Saftschubser einen Fallschirm an. Auf meine Frage, ob das vielleicht ein schlechter Scherz als Bestandteil innovativer Bordunterhaltung sein soll, bekomme ich die Antwort: „Nein mein Herr, es gibt uns aber ein besseres Gefühl, denn wir trauen diesem Flieger nicht so recht…“ Gottseidank wache nach diesem Satz schweissgebadet aus meinem Alptraum auf. Na, wie würdet Ihr Euch in so einer Situation fühlen? Tja, das Schlimme daran ist, sie beschreibt punktgenau die Sicherheitslage im Urlaubsparadies Thailand.

 Auch nach den vorläufig beendeten Protesten der Rot-Hemden, meldet die Presse des Öfteren von Waffendiebstählen aus Armeedepots, bei denen die Diebe unbemerkt ganze Wagenladungen Sturmgewehre und Rocket Propelled Grenades (RPG’s) einsammeln. Erst im September stahl eine Bande 9.000 Runden M60 schwere Maschinengewehr Munition und 39 RPG -2 Granaten aus dem Arsenal in der Provinz Lop Buri. Das läβt Thailands immer wieder geäuβerte Ambitionen, in den Club der Atomkraftwerksbetreiber einzusteigen, in einem besonderen Licht erstrahlen.

Eine Medienumfrage der Nonviolence International ergab:

 „Minimale Einschränkungen ermöglichten es, dass bis zum Jahr 2000 rund 4 Millionen Schusswaffen legal erworben und registriert wurden. Allerdings geben Experten an, dass eigentlich niemand wirklich weiß, wie viele Schusswaffen, legal oder illegal, im Land sind.“

Jedoch kann man davon ausgehen, dass 10 Jahre nach dieser alten Statistik und den Turbulenzen der jüngsten Vergangenheit wesentlich mehr Waffen im Land sind. Besonders wenn man die Zahlen der angemeldeten Waffen, im Zeitraum 2000 bis 2002 von 158.983 stählernen Argumentationshilfen, hochrechnet!

http://www.smallarmssurvey.org/files/portal/spotlight/country/asia_pdf/asia-thailand-2005.pdf

 In der zweiten Novemberhälfte 2009 berichteten die Medien über ein neues Projekt, das vom thailändischen Innenministerium ins Leben gerufen wurde: Allen Angestellten des Ministeriums und sämtlichen Abgeordneten, wurde der Kauf von Waffen zum persönlichen Gebrauch zum 50% reduzierten Schnäppchenpreis angeboten! Die „Ballermann zum Aldi-Preis Initiative“ wurde von den Volksvertretern bejubelt, denn die politische Situation im Land war nicht sehr vielversprechend. Sakda Khongpej, Vorsitzender des Ausschusses für die Angelegenheiten des Abgeordnetenhauses und Pheu Thai Abgeordneter, wurde mit den Worten zitiert: „Wenn Minister nächtliche Treffen mit Dorfbewohnern haben kann es sehr gefährlich werden. Politisch motivierte Gewalt kann jederzeit Ausbrechen.“ Tja, und so kam es ja dann auch nur fünf Monate später, als einkommensferne Schichten, halb Bangkok lahmlegten.

 Der Umstand, dass sich der Herr allerdings im Schutze der Nacht, auf dem platten Land seines Wahlkreises mit Dorfhäuptlingen treffen muss, erklärt mir endlich wie und wo hier Politik gemacht wird. In diesem Punkt könnte der Mann viel von westlichen Politikern lernen, die Wählerstimmen im Helikopter Management Stil – Kurz reinfliegen, viel Wind machen und schnell wieder rausfliegen – einsammeln.

 Allerdings wirft die Bemerkung eine weitere Frage auf. Thai Minister reisen ja nun nicht wie Kreti & Pleti im Überlandbus, oder auf der Ladefläche von Pickup-Trucks durch die Städte und Provinzen. Hier steht der Verkehr still, wenn gepanzerte Limousinen mit Bodyguards, Motorrad Eskorte und Polizeiwagen im Konvoi über rote Ampeln fegen. Wenn diese Art von „bequem reisen, entspannt ankommen“ schon für Volksvertreter als unsicher gilt, wie sicher ist das Land dann für Einheimische und Touristen?

 Ein Abgeordneter der Chart Thai Partei Pattana, der bereits über ein paar Waffen verfügt, bestellte gleich drei weitere für seine persönliche Sicherheit. Besonders nach den Nachrichten von den Philippinen stellt sich die Frage, wie viele Waffen braucht es, damit sich ein ohnehin privilegiertes Individuum sicher fühlen kann? Der gleiche MP propagierte dann noch seine Idee, den (Buy One Get One for free) Waffenhandel, auch Normalbürgern zugänglich zu machen. Bei ganz wilder Spekulation kommt die Frage auf, wer denn wohl in seinem Wahlkreis als Erster eine Lizenz für den Waffenverkauf beantragt? Bei dieser Art von Berlusconismus wäre ja wohl endgültig ein Schuhwurf fällig!

Auf der Suche nach einem Namen für die Ballermann-Verkaufsbuden würden wir vorschlagen: „7 o ‚Glock“.

 Auf Deutschland bezogen würde ich sagen, wenn Angie und Westerwilly sich aus Angst vor Volkszorn der Wähler bewaffnen, ist es Zeit entweder den Übersee-Umzug zu erwägen, oder schon mal damit anzufangen statt Weihnachtskrippen Dynamitgürtel zu basteln.

Phase 2: Two in One Security Set

Pheu Thai MP Anan Sripan, geht davon aus, dass 70% der MP’s bereits ihr emergency shopping hinter sich haben.

Er selbst rechtfertigte seinen Schnäppchenkauf gegenüber der Presse mit den Worten: „Wir wissen nie, wer unsere Feinde sind. Wir könnten jederzeit angegriffen werden, also sollten wir eine Waffe haben, um unser Leben zu schützen.“ Nachdem sich niemand daran stört, dass Nachrichtensprecher im Fernsehen bereits mit Sponsoren-Aufnähern geschmückt sind wie sprechende Litfasssäulen, warum dann nicht auch Anzüge mit gestickten „Protected by Smith & Wesson“ Aufnähern auf den Abgeordnetenbänken?

Gegen die Rummelringer in Süd-Korea, die nebenbei auch noch einen Abgeordnetenposten bekleiden, geht es im Thai Parlament noch geruhsam zu, wenn man von gelegentlichen Rangeleien absieht. Bisher hat noch keiner im Parlament die Waffe gezückt. Allerdings wurde schon mal eine vom Eingangsscanner entdeckt. Entschuldigung des Besitzers: Er wollte die Waffe nicht im Auto lassen…

...und dann gäbe es ja auch noch die russische Alternative

Die Tourism Authority of Thailand erklärt auf ihrer Website: „Thailand hat mehr als seinen fairen Anteil an Betrügereien, aber die meisten können leicht mit einem Minimum an gesundem Menschenverstand vermieden werden.“ In Zeiten politischer Unsicherheit, in einer Nation geteilt in zwei gleich starke Bewegungen, die für gewalttätige Aktivitäten in der jüngsten Vergangenheit bekannt sind, ist es dann wohl der gesunde Menschenverstand, Waffen zum Schleuderpreis an die Massen verkaufen zu wollen.

Im Augenblick scheint der Alltag in Bangkok wieder normal zu sein. Eine Garantie, dass dies so bleibt gibt es jedoch nicht. Bisher haben sich Rot- und Gelbhemden lediglich zu angemeldeten friedlichen Demonstrationen versammelt. Dennoch empfiehlt es sich für Besucher sich davon fernzuhalten.

Wer trotz Wiki-Leaks noch den Statements der Diplomaten vertraut, kann sich auf diversen websites zum Stand der offiziellen Sicherheitseinschätzungen informieren:

Österreich:
http://www.bmeia.gv.at/aussenministerium/buergerservice/reiseinformation/a-z-laender/thailand-de.html?dv_staat=172.
Schweiz:
http://www.eda.admin.ch/eda/de/home/reps/asia/vtha/rhtha.html
Deutschland:

Der link zur deutschen Botschaft ist erneuert worden: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/ThailandSicherheit.html

Advertisements

2 Antworten to “Urlaub bei Familie Ballermann”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: