Maids verhau’n bringt Selbstvertrauen

Volkssport „maid abuse“ in Singapur

Maids in Uniquely Singapore. Eingesperrt, misshandelt und unterbezahlt

 Wer einmal den Suchbegriff „cases of maid abuse“ googelt stellt fest, dass 6 von 8 Ergebnissen auf Singapur verweisen. Damit hält Lee Kuan Yews lebenslustige Monarchie für Temasek-Anteilseigner, der Hub aller Hubs, wiedermal die Spitzenstellung in einer Negativstatistik, in diesem Fall sogar noch vor den notorischen Maid-Misshandlern Saudi Arabiens.

 Heute hau’n wir auf die Pauke und machen durch bis morgenfrüh… so, oder ähnlich, begann ein alter deutscher Karnevalsschlager. Klingt irgendwie nach ausgelassener Stimmung und dem festen Vorsatz, mal richtig die Sau `raus zu lassen und gepflegt über die Stränge zu schlagen. 

 In einer unglaublich großen Anzahl von Haushalten in Merlion’s City, schlägt man auch gerne mal über die Stränge, oder genauer gesagt, auf die Maid aus Bangladesch, Indonesien, Myanmar, Malaysia, Nepal, Sri Lanka oder von den Philippinen ein! Wie krank muss eine Gesellschaft sein, in der sich grosse Teile der Bevölkerung im 21ten Jahrhundert immer noch in Zeiten von Feudalherrschaft und an Leibeigenschaft erinnernde Sklaverei wähnt?

Singapur liegt immer noch weit hinter Hongkong, das ausländische Arbeitnehmer ganz selbstverständlich in seine Arbeitsschutzgesetze einbezieht. Hier bekommen Hausangestellte einen wöchentlichen Ruhetag, einen Mindestlohn, Mutterschaftsurlaub, bezahlte Feiertage und bezahlten Jahresurlaub!

Durchschnittzahlen der Fälle von „maid abuse“, wie man die lokale Version von Knüppel aus dem Sack hier nennt, wurden ursprünglich jährlich bei der Maid Association gemeldet. Die scheint es aber nicht mehr zu geben, seit sich das Arbeits-Ministerium (MOM) der Sache angenommen hat. Die Dunkelziffer dürfte aber weit höher liegen, als offizielle Statistiken die das Ministerium (wenn überhaupt) publik macht. Denn staatlich geregelt wird vieles veredelt. 

Nach Angaben von „Human Rights Watch“ starben zwischen 1999 und 2005 mindestens 147 „Domestic Workers“ durch Selbstmord, oder Fensterstürze am Arbeitsplatz in Wohnhäusern! Allein unter den indonesischen Maids gab es in 4 ½ Jahren 89 Tote.

Es gibt unzählige Fälle von Körperverletzungen und Verstössen gegen das Menschenrecht, wenn Singapurs Mittel,- und Oberschicht ausländische Maids wie Sklaven be- und misshandelt. Es ist also es nicht etwa so, dass sich die Folterknechte aus den Reihen von Trailerpark-Trash rekrutiert. Unter den bisher Angeklagten waren Lehrer, Staatsdiener, Geschäftsleute und sogar prominente Nachrichtensprecher.

 Im September 2010 arbeiteten rund 190.000 ausländische Maids, nicht wenige davon unter menschenverachtenden Bedingungen, in Singapur. Die indonesische Botschaft teilt mit, dass, bei ihr täglich rund 30 Beschwerde-Anrufe von Mädchen eingehen, die keinen freien Tag bekommen. Nach Schätzungen der Philippinen Botschaft und des Sri-Lanka-Hochkommissariats, gehen bei ihnen cirka vierzig bis achtzig Beschwerden von Hausangestellten pro Monat ein, die Misshandlungen melden. Human Rights Watch sagte, dass viele Missbräuche wahrscheinlich nie gemeldet werden, insbesondere, wenn Arbeitgeber die Frauen wieder in ihre Heimat schicken, bevor sie eine Chance haben Hilfe zu suchen.

Verantwortlich für diese moderne Art der Sklaverei sind im Wesentlichen drei Parteien: Das Arbeitsministerium (MOM), die über 700 Vermittlungsagenturen und nicht zuletzt die Arbeitgeber.

Das Arbeitsministerium (MOM)

Ausländische Hausangestellte sind vom Singapur Employment Act, der die Mindestanzahl von freien Tagen und die wöchentliche Höchstarbeitszeit für Einheimische vorschreibt, ausgeschlossen. Human Rights Watch dazu: „Singapurs Weigerung normalen Arbeitsmarkt Schutz für Hausangestellte zu gewähren überlässt sie der Gefahr zu Missbrauch.“ 

 Der Staat erhebt eine monatliche Abgabe auf die Beschäftigung ausländischer Hausangestellter. Als Grund dafür wird „Regulierung der Nachfrage“(?) angegeben. Sie beträgt € 115 bis € 170, wird in einen staatlichen „Fond“ eingezahlt und übersteigt in vielen Fällen die Summe, die einer Maid ausbezahlt wird. Die Maid-Abgabe spült über € 21,9 Millionen pro Monat in die Staatskasse. Kein einziger Dollar dieser Mittel, ist für Dienstleistungen oder Schutz gegenüber ausländischen Hausangestellten vorgesehen. Wie bitteschön, reguliert das die Nachfrage? 

 Zur Kontrolle illegaler Einwanderung, schreibt die Regierung von Singapur eine Kaution von € 2.875 für Arbeitgeber vor, die dieser verliert, wenn seine Hausangestellte wegrennt.

 Berücksichtigt man das Tolerieren von einbehaltenen Pässen, fehlende Arbeitsschutzbestimmungen, und die Tatsache, dass 60.000 Maids ständig von Misshandlungen bedroht sind und Ausgangsbeschränkungen unterliegen, leben in Singapur Hausangestellte unter Bedingungen, die in manchen der hier so verhassten westlichen Länder, bereits den Tatbestand der Zuhälterei erfüllen. Aber, Singapurs Regierung verneint wiederholt eine Ausnutzung der Maids. Noch im Mai 2008 sagte der amtierende Arbeitsminister Gan Kim Yong, es sei unnötig, Maids einen wöchentlichen Ruhetag zu gewähren. Er unterstützte stattdessen die aktuellen Bestimmung, wonach mindestens ein Tag pro Monat, oder entsprechende Ausgleichszahlungen ausreichen!

Durchschnittliche Maid Gehälter:

Singapur € 115 bis 287 / Japan € 1,725 / Kanada € 862 / Spanien € 920.

  Warum ein Staat, der „racial harmony“ für seine Untertanen gesetzlich regelt, gleichzeitig erlaubt, dass Gehälter nach der ethnischen Zugehörigkeit ausländischer Arbeitskräfte gestaffelt werden, erscheint höchst seltsam. So bekommen Burmesen € 160 bis € 184 / Filipinos € 201 (vorgeschriebener Mindestlohn des Philippinischen Arbeitsministeriums für Auslandsarbeiter), Malayen € 160 bis € 184 / und Tamilen aus Sri Lanka € 126 bis € 143 für die gleich Arbeit!

 Hier gibt es einen Blick auf MOM’s Antwort auf die Anschuldigungen von HRW, die natürlich wieder als völlig unbegründet und als ein weiterer ungerechtfertigter Angriff auf Singapur abgewiesen werden: 

http://www.mom.gov.sg/PressRoom/PressReleases/20051207+FactSheetinResponsetoHRWReport.htm 

 Um nicht allein für die Missstände verantwortlich gemacht werden zu können, heisst es in den Arbeitserlaubnisvorschriften, dass alle Arbeitgeber dazu aufgefordert sind nach dem Wohlbefinden ihrer Arbeitnehmer zu sehen, einschließlich angemessenen Wohnraums und ausreichender Ruhezeiten. Eine Farce, wenn man sich nur die Blechbuden-Behausungen auf Grossbaustellen ansieht!

Die Vermittlungsagenturen

 Es gibt wenig Regulierungsinstrumente für die Personalvermittlung. Viele behandeln ihre ausländischen Kunden wie Sklaven. Die auszubildenden Maids werden oft in einem Raum mit nur ein paar Toiletten untergebracht, dürfen die „Schule“ nicht verlassen, oder ihre Verträge lesen, bevor sie unterschrieben sind. In den ersten sechs Monaten der Arbeit werden ihnen mehr als 80% ihrer Gehälter für Gebühren abgezogen. 

 Der Präsident des grössten Maid-Agentur Verbands, Chew Kim Whatt, räumte gegenüber der Presse ein: „Mehr als die Hälfte der Agenturen sind minderwertig und 45% der Arbeitgeber hätten wohl ein Problem mit ihrer geistigen Haltung“ wie er es nennt. „Inzwischen sind wohl rund 60.000 Mädchen in Gefahr des Missbrauchs“ fügte er hinzu.

 Eine beträchtliche Anzahl der Haushaltshilfen wird mit Eisenstangen, Rattan-Ruten, kochendem Wasser, heissem Wachs, und Bügeleisen verletzt, es werden ihnen Haare ausgerissen, es kam zu sexuellen Missbrauch, und viele werden nach der Arbeit eingesperrt, Pässe und Mobiltelefone werden ihnen ebenso abgenommen wie religiöse Bücher. Sie schuften 12 bis 14 Stunden täglich, werden für kleine Fehler mit Nahrungsentzug bestraft, es werden keine freien Tage oder Ruhepausen gewährt und häufig bekommen sie das vereinbarte Gehalt nur nach drastischer Reduzierung wegen Fehlverhaltens, und in manchen Fällen bekommen sie es gar nicht. Man nutzt gnadenlos die Situation der Frauen aus, die sich aus Erfahrung in ihren Heimatländern, nicht trauen zur Polizei zu gehen. Sie glauben, die Polizei arbeitet nur für die Reichen. Und wer will schon nach langer harter Arbeit mit Schulden ohne Aussicht auf Verdienst zurückgeschickt werden?

Beispiele der Folter: 

Nix spannendes im TV- Dann lasst uns die maid verhauen

 Feb. 17, 2007. Eine vierfache Mutter und deren Angehörige schlagen und traten auf ihre 30-jährige Maid ein, die des Diebstahls beschuldigt wird. Ihr Sohn (Hilfs-Polizist der auxiliary police), rammt ihr am nächsten Tag einen Spachtel in den Arm bis dieser bricht. Danach übernimmt die Foltermutter wieder die Strafaktion und sticht damit in Hüften und Lippen ihrer Haushaltshilfe. Urteil für die Peiniger: 6 und 12 Monate Gefängnis. Die Höchststrafe beträgt 18 Monate plus € 862 Geldbuβe. 

 Jul. 22, 2002. Eine zierliche 17-jährige Maid aus Indonesien wurde von ihrem Arbeitgeber, einem Tour-Guide, von 50 auf 36 Kg heruntergehungert. Von Hunger getrieben, aß die Maid übriggebliebene Reste des Porridge der Tochter, was zum bitteren Ende einer unglaublichen Serie der Tortur führte. Bei einer letzten Strafaktion erlitt die junge Frau durch Fusstritte einen Magendurchbruch. Nachdem die Maid durch ein Fenster im 5ten Stock kletterte, ergriff sie die Flucht. Es wurden an ihrem Körper 200 Narben unterschiedlicher Verletzungen und offene Wunden festgestellt, die von Faust- und Stockschlägen, brennenden Zigaretten, Hammerschlägen, Verbrennungen mit heissem Wasser herrührten. Die Polizei fand die Maid zu spät und so starb sie wenige Tage später an den Folgen ihrer Verletzungen. 

 Ausländische Maids sind verpflichtet, alle sechs Monate einen Schwangerschaftstest und Untersuchung auf Geschlechtskrankheiten und HIV zu machen. Während ihrer neun Monate dauernden Folter hatte die Frau zwei ärztliche Check-ups. Obwohl ihre Kondition und Verletzungen deutlich sichtbar waren, wurde kein Alarm durch die Ärzte oder Krankenschwestern ausgelöst! 

 Für alle „Hurra-Singapur-Touristen“ denen der Untertitel- Volkssport „maid abuse“ in Singapur- zu heftig erscheint, hier noch ein trauriger Höhepunkt der Folteraktionen: 

 Jun. & Jul. 2007. Eine 18-jährige Verwaltungsangestellte wird angeklagt, zusammen mit der 24-jährigen Arbeitgeberin der Maid auf Anordnung von deren 37-jähriger arbeitslosen Mutter, ihrer Hausangestellten zwei Vorderzähne gezogen zu haben! Mitangeklagt wegen Misshandlung (Schläge mit der Rattanrute) und Freiheitsberaubung, ihr 19-jähriger Bruder.

 Weitere Anklagepunkte gegen die 18-jährige: Körperverletzung mit einer Eisenstange und Rattanrute, Übergiessen des Kopfes der Maid mit heissem Wachs und Fesselung des Opfers!

 Die Mutter schlug der Maid wiederholt mit einer Eisenstange auf den Kopf und schüttete kochendes Wasser auf ihren Intimbereich! Mit zwei Messern in den Händen, drohte sie ebenfalls der Maid, sie zu töten, sollte sie angeblich gestohlenes Geld nicht zurückgeben!

 Die Arbeitgeberin schlug der Maid ins Gesicht, während die 18-jährige den Kopf der gefesselten Maid festhielt, um ihr zwei Zähne zu ziehen! Das wirklich erschreckende dabei ist, dass vier Personen tagelang eine junge Frau Foltern können, ohne dass Nachbarn die Hilferufe der Misshandelten gehört haben wollen…

 Es vergeht kaum eine Woche ohne Berichte über neue Misshandlungen!

Human Rights Watch 2009:

http://www.hrw.org/en/world-report/2009/singapore

Erfahrungsberichte von Maids in Singapur:

http://www.hrw.org/en/reports/2005/12/06/maid-order

Anti-Slavery International:

http://www.antislavery.org/english/campaigns/home_alone/films_on_domestic_work.aspx

http://www.youtube.com/user/AntiSlaveryInt#p/a/f/0/vohO01PRzw4

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